Sunday, 28. August 2016
09.02.2015
 
 

Ukraine-Krieg bei Jauch: Europa und der »nette« Amerikaner

Peter Harth

Die militärischen Auseinandersetzungen in der Ukraine katapultieren die Welt zurück in den Kalten Krieg. Das »Rote Telefon« steht still. Russland und die USA rüsten ihre atomaren Arsenale wieder auf. Trotzdem setzt sich ein ausgewiesener Hardliner, der frühere US-Botschafter John Kornblum, in Günther Jauchs TV-Talkrunde und will den Konflikt durch »Säbelrasseln« weiter anheizen. Der »Blutzoll« für Putin solle steigen. Doch Europa beginnt zu erkennen, dass es bei dieser Politik nur verlieren kann.

 

»Es gibt die Tendenz in Deutschland, alles den Amerikanern zuzuschieben.« Nach etwa 35 Minuten geht John Kornblums Resignation in Frust über. Der ehemalige US-Botschafter weiß, die USA haben im deutschen Talk-Fernsehen einen schwarzen Abend. Er wird in der Jauch-Runde als Hardliner vorgestellt – mit dem markigen Satz: »keine weiteren Zugeständnisse« an Putin.

 

Er sitzt – zumindest am Sonntag im Fernsehstudio – alleine gegenüber einer Allianz von Europäern: Harald Kujat (Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr), Martin Schulz (Präsident des Europäischen Parlaments) und Gabriele Krone-Schmalz (Ex-Moskau-Korrespondentin der ARD).

 

Kaum redet Merkel in Moskau wieder mit Putin, schon springt auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen wieder auf den Friedenszug auf. Dabei rasselte die ARD bis zum Donnerstag selbst mit den Säbeln.

 

Bei Maybrit Illner hatten NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg und Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen ihren unglücklichen Auftritt. Deutsche Soldaten und Milliarden Euro für den Osten Europas. Da war aber bereits aufgrund einer repräsentativen Umfrage klar: 69 Prozent der Deutschen wollen keinen Aufmarsch gegen Russland.

 

Weltuntergangsuhr auf »drei vor zwölf« gestellt

 

Die Menschen sehen, dass der Ukraine-Krieg die Welt in einen neuen Kalten Krieg stürzt. Die NATO und Russland haben ihre Zusammenarbeit bei der nuklearen Sicherheit eingestellt, ein »Rotes Telefon« gibt es nicht mehr. Gerade modernisieren Russland und die USA ihre nuklearen Arsenale mit gewaltigen Summen. Ende Januar stellt das Bulletin of the Atomic Scientists seine Weltuntergangs-Uhr auf drei Minuten vor zwölf.

 

Kornblum hat daran seinen Anteil. Er ist immer dort, wo die USA Russland noch weiter einkreisen. 2012 berät er für die US-Regierung den Oligarchen Iwanischwili, der als Präsident Georgien weiter in Richtung NATO driften lassen soll. Jetzt wollen die Europäer den Ukraine-Krieg diplomatisch lösen. Sie versuchen es zumindest, was Hardliner Kornblum erbost.

 

Merkels Initiative sei »kein Zeichen der Stärke« und »nicht vorbereitet«, also nicht mit den USA abgesprochen: »Wir sind nicht die, die den Krieg angefangen haben. Es sind die Russen, die den Krieg führen.«

 

Dabei berichten mittlerweile sogar deutsche Mainstream-Medien von US-Söldnern in der Ukraine. Prorussische Rebellen erbeuten im Osten US-Waffen und bergen Leichen in NATO-Uniformen.

 

Ex-General stoppt Kornblums »Propaganda«

 

Das Engagement der Russen ist in der Ukraine vermutlich weniger stark als das der USA, vor allem, wenn man die Krise und ihre Vorgeschichte auf dem Kiewer Majdan-Platz in ihrer Gesamtheit betrachtet.

 

Trotzdem behauptet Kornblum: »Russland greift die Ukraine an.« Harald Kujat, ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr, stoppt den US-Hardliner in diesem Punkt sehr schnell: »Es gibt keine Erkenntnisse, dass reguläre russische Truppen in der Ukraine stehen.« Das würden selbst die Ukrainer sagen. »Alles andere ist Propaganda.«

 

Auf der Sicherheitskonferenz in München wird über das Papier dreier US-Denkfabriken diskutiert. Das bringt die Strategie der US-Hardliner auf einen einfachen Nenner: Waffenlieferungen an die Ukraine, damit der Blutzoll für Putin immer höher wird.

 

Das soll ihn an den Verhandlungstisch bringen, übersieht aber die naheliegenden Folgen einer weiteren Eskalation des Krieges: Der Blutzoll steigt vor allem für die Ukrainer. EU-Parlamentspräsident Schulz sagt deshalb: »Keine Waffen von Deutschland.«

 

Wie aus dem »Krieg in der Ukraine« ein »Krieg um die Ukraine« wird

 

Trotzdem behauptet Kornblum: »Putin respektiert nur Stärke.« Wie wahnwitzig die Strategie der USA ist, analysiert General a.D. Kujat: »Putin hält sich militärisch zurück.« In diesem Krieg gäbe es »keinen Sieg«, »keine militärische Lösung für den Westen«. Die russische Armee könne den Krieg in der Ostukraine in 48 Stunden beenden, in »fünf bis sechs Tagen« wäre die gesamte Ukraine besiegt. Es besteht die Gefahr, »dass aus dem Krieg in der Ukraine ein Krieg um die Ukraine wird«. Das wäre eine »Katastrophe für Europa und darüber hinaus«.

 

Dass sich Europa von der amerikanischen Außenpolitik bedroht fühlt, sagt Martin Schulz: »Europa zieht das Krisenmanagement an sich.« Merkels Diplomatie sei ein »Dialog zwischen Russland und Europa, nicht zwischen den USA und Russland«. Kornblum wirft dazu später trotzig ein: »Die Europäer und Putin wissen, die Macht liegt in Washington.«

 

»Die Macht liegt in Washington«

 

Russland sei »zivilisatorisch keine Weltmacht« mehr, sondern nur noch eine autoritäre Regionalmacht ohne Ausstrahlung. Deshalb können und sollen sich die Nachbarstaaten von Russland abwenden – hin zur westlichen Demokratie, sagt Kornblum und vergisst den entscheidenden Nebensatz –, unter amerikanischer Führung.

 

Ein Denkfehler, findet Kujat: Die Russen würden keine Wertepolitik betreiben, sondern Interessenpolitik. Den Konflikt mit Werten aufzuladen, führe nur zur Eskalation des Konflikts: »Dann wird man mit den Russen immer scheitern.«

 

Gerade bei den Waffenlieferungen an die Ukraine öffnet sich ein emotionaler Graben zwischen Europa und den USA, den Kornblum nicht mehr schließen kann: »Bitte keine Emotionen, dass die Amerikaner keine netten Leute sind.« Das klingt hilflos. Auf ihn prasseln mittlerweile von allen Seiten die anti-amerikanischen Argumente ein. Schulz: Die USA seien nun mal nicht der Nachbar Russlands, Putin verhandele jetzt »nicht mit Obama«.

 

Gabriele Krone-Schmalz ernennt sich gar zur Putin-Versteherin. Schuld an der Eskalation habe allein der Westen, der alle diplomatischen Kontakte einseitig beendet habe. Etwa den NATO-Russland-Rat oder den Petersburger Dialog: »Wir haben Russland verloren.« Sie kritisiert auch die Sanktionen gegen Russland.

 

Die schnelle Kehrtwende der Mainstream-Medien

 

Etwas, das EU-Mann Schulz aber energisch verteidigt: »Sie zielen auf die Oligarchen, die hinter Putin stehen.« Auch die Verbindungsabbrüche der EU zu Russland erklärt Schulz im Nachhinein zur Strategie. Jetzt sei Russland bereit für Gespräche. Moderator Jauch fragt da aber: »Wie lange kann man Diplomatie verlängern, wann ist sie gescheitert?« Eine Kernfrage.

 

Ist der Konflikt bereits zu weit eskaliert? Hier flüchtet sich der EU-Mann nun selbst in Fatalismus: »Wir verhandeln bis zum letzten Punkt, dass es keinen Krieg gibt.« Wenn nach den gescheiterten Gesprächen in Minsk jetzt auch Minsk II nicht funktioniert, »machen wir Minsk III«, bis hin zu »Minsk XVII«.

 

Europa will jetzt wieder eine Übereinkunft, einen »modus vivendi« mit Russland. Das ist die Essenz des Jauch-Talks. Beste Rückendeckung also für Merkels Gespräche mit Putin und ein Beweis dafür, wie schnell die Mainstream-Medien ihren Standpunkt wechseln können – nach politischer Großwetterlage. Über den Atlantik wehen jedoch schwarze Wolken herüber, denn Kornblum macht auch an diesem Abend deutlich, dass die USA den Vorstoß der Europäer ablehnen.

 

Kornblum: »Nein, ich verstehe es nicht«

 

Die US-Strategie setzt weiter auf Eskalation – inoffiziell offenbar mit Geld, Söldnern und Waffen, aber bald auch offiziell mit Waffenlieferungen an Kiew. Das Land soll einen aussichtslosen Krieg gegen Russland führen – der dann zu einer weiteren Eskalation führt. Kujat nennt das entscheidende Detail, warum dieses gefährliche Spiel noch nicht zum Weltkrieg wurde: Die Ukraine ist zwar mit der EU assoziiert, aber noch nicht in der NATO. Sonst wäre der Bündnisfall bereits eingetreten und die Weltuntergangsuhr stünde nach zwölf. Die USA wollen derzeit nicht deeskalieren, wie auch ein Wortgefecht zum Ende der Sendung zeigte. Krone-Schmalz: »Sie verstehen, was ich meine.« Kornblum: »Nein, ich verstehe es nicht.«

 

 

 

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Leser-Kommentare (80) zu diesem Artikel

01.04.2015 | 17:51

Andy Boldman

http://www.kla.tv/3814


26.02.2015 | 22:30

caesar4441

Der Name Kornblum sagt alles.Was mich wundert ist ,daß Kujat und Krone -Schmalz überhaupt eingeladen werden.Helmut Schmidt wird ja auch nicht mehr eingeladen.


12.02.2015 | 20:28

Mini Kurz

Warum fragt sich dieser Ami so doof warum Deutschland immer mehr gegen USA ist? Ist doch keine Frage, wer ein wenig Hirn besitzt, muss doch sehen wo der Teufel sitzt nicht in Russland, nein in USA. Das sind die verfluchten Kriegstreiber - alles Andere ist einfach nur Lüge wie vieles was von dort kommt.
Ich darf nicht an diese Regierung denken, da kommt mir das Essen gleich wieder hoch.


12.02.2015 | 01:17

Jodameister Windu

An Steht mit Faust!Füher Sie doch gleich die HYPOTHETISCHE Währung ,,RUBBELREICHSMARK``ein!!!Viel Glück beim Frühstück Schwarzwälderschinken made in KRIM nach Annexion genau wie zu Zeiten eines großen FÜHRERS!!!


11.02.2015 | 21:44

Fejzo

Die frage auf wem hört Putin, muss lauten wer hört Putin an. Abgesehen das die Politik in falsche Richtung sich bewegt heizen die Medien und die Presse die Stimmung aus reine Populismus Es geht halt nur um großes Geld damit die Kapitalisten nur noch reicher werden. Amis brauchen Geld, Deutschland als eine der größten Waffen Lieferanten auch.. Wer ist der President von Ukraine?? . Milliardär !!! Und alle andere hohe posten nur Millionäre.


11.02.2015 | 17:43

spatzl

Das was jetzt passiert, sollte nie nie wieder passieren!!! Frau Merkel hatte einmal den Ausspruch getätigt: es soll nie wieder von deutschem Boden ein Krieg ausgehen!Und was ist passiert?? Herr Steinmeier und seine EU-Kollegen haben die Welt auf die Stufe des Dritten Weltkriegs gebracht. Die Provokationen gegenüber Herrn Putin sind doch so durchschaubar. Die deutsche Regierung und der EU-Rest sind schuld daran! Sie lassen sich vor den Karren der USA spannen und sind so was von...

Das was jetzt passiert, sollte nie nie wieder passieren!!! Frau Merkel hatte einmal den Ausspruch getätigt: es soll nie wieder von deutschem Boden ein Krieg ausgehen!
Und was ist passiert?? Herr Steinmeier und seine EU-Kollegen haben die Welt auf die Stufe des Dritten Weltkriegs gebracht. Die Provokationen gegenüber Herrn Putin sind doch so durchschaubar. Die deutsche Regierung und der EU-Rest sind schuld daran! Sie lassen sich vor den Karren der USA spannen und sind so was von hilflos, das es nicht mehr auszuhalten ist!!
ICH MÖCHTE KEINEN KRIEG!!!
Herr Putin hat nichts getan - die Bevölkerung der Ostukraine hat gewählt und die Bevölkerung der Krim ebenfalls! Haben unsere Politiker schon vergessen, wie die DDR in die Bundesrepublik übergegangen ist???
Wir haben auch gewählt, und unsere Polizisten haben nicht geschossen!
Warum nur diese dreisten Lügen von unserer Lügenpresse und den von uns so teuer bezahlten TV- Medien? Die Politik in der Ukraine will ihre eigenen Menschen drängen, anders zu entscheiden, als sie wollen.
Und dieses Gemetzel an der eigenen Bevölkerung wird von Europa unterstützt! Und nur weil die Amerikaner in die Ukraine einmarschieren wollen!??
Ich kann nur sagen - Armes Deutschland!
Ist das etwa der Wille der deutschen Bevölkerung?? Ich glaube nicht!
Für mich ist nur die Frage - Wo sind die Grünen??? Das war doch der Part dieser Partei, gegen den Krieg einzutreten? ? Schlimm ist nur, das die wahlberechtigte Bevölkerung Deutschlands keine Stimme mehr hat, alle Parteien sind für Krieg - siehe Afghanistan! Aha - jetzt weiß ich auch warum so viele Ausländer aufgenommen werden, - die haben nämlich keine Ahnung auf was sie sich einlassen! Und sind so besser zu steuern!!
Der Sklavenhalterstaat lässt grüßen!

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