Thursday, 29. September 2016
29.01.2016
 
 

Flüchtlinge: Die Jubelrufe sind vorbei – die Wahrheit ist zu bitter

Peter Orzechowski

Was haben sie noch frohlockt im September, als Kanzlerin Merkel die Grenzen öffnete: Ein Ende des Fachkräftemangels sei in Sicht, das nächste deutsche Wirtschaftswunder stünde bevor. Und so weiter. Und jetzt plötzlich: Stille. Es hat sich ausgejubelt bei den Wirtschaftsbossen. Denn die bittere Erkenntnis ist nicht mehr zu leugnen: Die Mehrheit der Flüchtlinge ist nicht im deutschen Arbeitsmarkt vermittelbar.

 

So tönte Daimler-Chef Dieter Zetsche im September noch, der Flüchtlingsstrom sei eine Chance für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Mehr als 800 000 Menschen in Deutschland aufzunehmen sei zwar eine Herkulesaufgabe, sagte Zetsche am 14. September 2015 im Vorfeld der IAA in Frankfurt.

»Aber im besten Fall kann es auch eine Grundlage für das nächste deutsche Wirtschaftswunder werden – so wie die Millionen von Gastarbeitern in den 1950er- und 1960er-Jahren ganz wesentlich zum Aufschwung der Bundesrepublik beigetragen haben.«

 

Natürlich sei nicht jeder Flüchtling ein brillanter Ingenieur, Mechaniker oder Unternehmer, so Zetsche. Aber wer sein komplettes Leben zurücklasse, sei hochmotiviert. »Genau solche Menschen suchen wir bei Mercedes und überall in unserem Land.«

 

Studien zufolge drohten fast 40 000 Lehrstellen unbesetzt zu bleiben. Deshalb müssten Flüchtlinge in Deutschland willkommen geheißen werden. »Wer an die Zukunft denkt, wird sie nicht abweisen.«


Auch andere Industriebosse hatten sich euphorisch für mehr Hilfe für Flüchtlinge ausgesprochen. Darunter Porsche-Chef Matthias Müller (jetzt VW), der Chef des Essener Chemiekonzerns Evonik, Klaus Engel, und der Post-Vorstandsvorsitze Frank Appel.

 

Seitdem sind knapp fünf Monate vergangen – und die Realität hat die Nebelkerzen der Jubel-Arien weggeblasen.

 

Bei Daimler, schreibt Spiegel Online, haben im November 40 Asylbewerber ein sogenanntes Brückenpraktikum begonnen. Jeden Tag dreieinhalb Stunden in der Fertigung, danach dreieinhalb Stunden Deutschkurs. Dem ersten Kurs sollen in diesem Jahr noch weitere folgen, mehrere hundert Teilnehmer würden 2016 von der Maßnahme profitieren, verspricht der Konzern. Also: Ein Tropfen auf dem heißen Stein angesichts von 6500 Daimler-Lehrstellen und angesichts von mehr als einer Million Flüchtlingen, die 2015 in Deutschland Zuflucht suchten.

 

Daimler will übrigens die Brückenpraktikanten anschließend nicht einstellen, nicht einmal als Auszubildende. Offenbar hat Daimler diese Leute doch nicht gesucht – wie Zetsche noch vollmundig erklärt hatte. Die Praktikanten sollen an die kleineren Betriebe im Großraum Stuttgart weitervermittelt werden, die sich eine teure Fortbildung nicht leisten könnten, teilte Konzernsprecher Oliver Wihofszki mit.

 

Gleiches gilt für die Bahn und für Siemens: Praktika, um die Betroffenen möglichst schnell aus den Sammelunterkünften herauszuholen und ihnen eine sinnvolle Beschäftigung anzubieten, wie ein Siemens-Sprecher gegenüber Spiegel Online sagte. Aber an eine Festanstellung wird nicht gedacht.

 

Kehrtwende auch in Bayern

 

Auch die bayerische Wirtschaft frohlockte noch Anfang September und forderte raschere Asylverfahren und eine systematische Erfassung der Sprachkenntnisse und Qualifikationen von Flüchtlingen. Asylbewerber mit hoher Bleibeperspektive sollten durch Sprachförderung und Qualifizierungen schneller im Arbeitsmarkt integriert werden, so die Bayerische IHK, die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) und der Handwerkstag.

 

In einem Positionspapier forderten die Wirtschaftsverbände einen generellen Abschiebeschutz für die Zeit der Ausbildung sowie zwei Jahre des Berufseinstiegs. Außerdem sollte die Altersgrenze dafür von 21 auf 25 Jahre steigen. Zusätzlich forderte die bayerische Wirtschaft, dass Asylbewerber entgegen den bisherigen Regelungen als Zeitarbeitnehmer arbeiten dürfen.

 

Gerade über die Zeitarbeit könnten Flüchtlinge ihre Kompetenzen in der Praxis nachweisen und im Arbeitsmarkt Fuß fassen. »Angesichts der demografischen Entwicklung und der Fachkräftelücke sehen die Betriebe in den Flüchtlingen ein großes Potenzial«, sagte BIHK-Präsident Eberhard Sasse. »Die Integration von anerkannten Flüchtlingen und Asylbewerbern mit einer hohen Bleibeperspektive ist eine Aufgabe, die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik gemeinsam meistern können. Allerdings brauchen Betriebe und Jugendliche Rechts- und Planungssicherheit sowie spezielle Beratungs- und Begleitangebote«, betonte BHT-Präsident Georg Schlagbauer.

 

Vier Monate später hören sich die Äußerungen der bayerischen Wirtschaft ganz anders an: ivw- Präsident Alfred Gaffal warnte bei einem Neujahrskonzert in der Bayerischen Vertretung in Berlin vor zu großen Erwartungen bei der Integration der Zuwanderer in den Arbeitsmarkt. Diese Aufgabe werde umso schwieriger, je mehr Menschen nach Deutschland kämen. »Wir brauchen eine deutliche Reduzierung der Flüchtlingszahlen«, forderte Gaffal. »Es wird zu viel geredet und zu wenig gehandelt.«

 

Interessant ist die Einschränkung, die Gaffal dann machte: Man dürfe nicht zu hohe Erwartungen bei der Integration von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt haben. »Das wird nicht einfacher, wenn die Zahlen so hoch bleiben.« Gaffal kritisierte die Politik der Bundesregierung. Sie sei gekennzeichnet von der Ausweitung sozialer Wohltaten und zusätzlicher Belastung für die Wirtschaft.

 

Die bittere Realität

 

Sehen wir uns zunächst die Analphabetenraten in den Ländern der Menschen an, die zu uns kommen. Die zehn Länder, aus denen derzeit die meisten Asylbewerber nach Deutschland kommen, sind: Syrien (13,6 Prozent Analphabeten bei den über 15-Jährigen), Albanien (2,4 Prozent), Afghanistan (61,8 Prozent), Irak (20,3 Prozent), Serbien (1,9 Prozent), Mazedonien (2,2 Prozent), Eritrea (26,2 Prozent), Kosovo (8,1 Prozent), Nigeria (40,4 Prozent) und Pakistan (42,1 Prozent).

 

Nächstes Problem: Niemand erfasst bisher systematisch die Ausbildung der Ankömmlinge. Das Institut für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) hatte bei einer Stichprobe 2013 unter anerkannten Flüchtlingen festgestellt, dass 58 Prozent keinerlei Berufsausbildung hatten. Eine ebenfalls nicht repräsentative Befragung der Lawetz-Stiftung 2015 unter knapp 20 000 vor kurzer Zeit eingereisten Asylbewerbern und Flüchtlingen kam zu dem Ergebnis, dass rund zwei Drittel der Befragten über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügten.

 

Hinzu kommen weitere Hürden, in der Sprache der Bundesagentur für Arbeit auch »Vermittlungshemmnisse« genannt. Neben teilweise komplett fehlender schulischer Bildung kommen Fluchttraumata, fehlende Zertifikate über die Bildungsabschlüsse und vor allem mangelnde Sprachkenntnisse zum Tragen.

 

Selbst Arbeitsministerin Nahles musste schon zugeben, dass der vielzitierte »syrische Arzt« die große Ausnahme ist und dass gut 90 Prozent der Zuwanderer nicht unmittelbar auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen sind. »Ein Modellprojekt der Bundesagentur für Arbeit hat gezeigt, dass von 850 Flüchtlingen 65 direkt ohne weitere Maßnahmen vermittelt werden konnten, 13 davon in Ausbildung«, schilderte Nahles in der Deutschen Handwerks-Zeitung ihre ernüchternden Erkenntnisse.

 

Das Nachsehen dürften, wie kürzlich der Zukunftsforscher Prof. Dr. Franz-Josef Radermacher bei der CSU-Grundsatzkommission sagte, die Angehörigen der bereits in Deutschland lebenden Unterschicht haben, unabhängig ob eingesessene Deutsche oder Nachfahren der Gastarbeiter. Für sie werde die Konkurrenz spürbar härter werden, so Radermacher: auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt, bei Sozialämtern sowie bei wohltätigen Organisationen wie »Tafeln« für Lebensmittel und so weiter. Dabei könne es langfristig zu erheblichen sozialen Unruhen kommen, warnte Radermacher.

 

 

 

 

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