Tuesday, 2. September 2014
08.02.2013
 
 

Zusammenbruch des US-Dollar: Wo ist das deutsche Gold?

Peter Schiff

Die Finanzwelt wurde im Januar durch die Ankündigung der Deutschen Bundesbank erschüttert, einen erheblichen Teil ihrer im Ausland gelagerten Goldbestände nach Deutschland zurückzuführen. Bis zum Jahr 2020 will Deutschland etwa die Hälfte seiner Goldreserven wieder in Frankfurt lagern, darunter auch 300 Tonnen aus den derzeit bei der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) eingelagerten Beständen. Die Ankündigung der Bundesbank erfolgt nur drei Monate nach der Weigerung der Fed, einer Überprüfung der bei ihr gelagerten deutschen Goldbestände zuzustimmen. Es stellt sich also die berechtigte Frage, ob diese Weigerung der Auslöser für die deutsche Ankündigung gewesen ist.

Wie auch immer die Antwort ausfallen mag, in Deutschland scheint man offenbar immer mehr die wirkliche Lage zu erkennen, auf die sich Zentralbanken in der ganzen Welt schon seit Längerem vorbereiten: Der Dollar wird weltweit nicht länger als sicherer Zufluchtsort gesehen,

und die amerikanische Regierung hat massiv an Glaubwürdigkeit und Vertrauen als Bank für andere Länder eingebüßt.

 

Angesichts des Eindrucks, dass es der Fed anscheinend unmöglich ist, das Gold, das nach Recht und Gesetz Deutschland gehört, innerhalb eines angemessenen Zeitraums auszuhändigen, sieht es auch so aus, als wären diese Befürchtungen berechtigt. Deutschland gehört zu den entwickelten und einflussreichen Industrienationen und verfügt über die zweitgrößten Goldreserven weltweit. Wenn ein solches Schwergewicht nicht mehr überzeugt ist, dass Washington seine Zusagen einhält, wer könnte es dann noch ruhigen Gewissens sein?

 

Wo sind die deutschen Goldbestände?

Die Auswirkungen der Rückführung des deutschen Goldes auf den Dollar wiegen deshalb so schwer, weil in diesem Zusammenhang eine bisher unbeantwortete Frage auftaucht: Warum soll es sieben Jahre dauern, die Rückführung abzuschließen?

Die allgemein verbreitete Erklärung besagt, die Fed habe bereits alle ihre Goldvorräte im Namen anderer Länder weiterverpfändet. Das bedeutet, dass eine entsprechende Menge der Goldbarren als zur Sicherheit hinterlegtes Pfand für eine Vielzahl von Gläubigern zu betrachten ist. Da die eigene Existenz der Fed von einem Mindestreservebankwesen abhängt, würde es nicht überraschen, wenn sie selbst zu einer Mindestreservebank geworden wäre. [In einem Mindestreservesystem sind die Banken lediglich verpflichtet, eine relativ geringe Einlage, die so genannte Mindestreserve, bei der Zentralbank zu hinterlegen.] Ist dies der Fall, hat Deutschland möglicherweise aus Höflichkeit einen Zeitraum von sieben Jahren eingeräumt, damit die Fed nicht ihr Gesicht verliert und um andere Einleger davon abzuhalten, ebenfalls ihre Goldbestände zurückzufordern, was dann die Gefahr eines Run auf die Fed heraufbeschworen könnte.

 

Nun kann die Fed zwar beliebig viele Dollars drucken (oder elektronisch schöpfen) und damit dann Gold auf dem freien Markt kaufen, aber ein solches Vorgehen würde den Goldpreis in schwindelnde Höhen treiben. Und das Letzte, was die Fed jetzt gebrauchen kann, ist ein weiterer Anstieg des Goldpreises, der aller Welt den Verfall des Dollars vor Augen führte.

 

Spekulationen einmal beiseite gelassen

Keine dieser Theorien kann als gesichert gelten, aber aus welcher Perspektive man die Angelegenheit auch betrachtet, die Ankündigung Deutschlands, einen Teil der Goldbestände zurückzuholen, verheißt für die Zukunft des Dollars nichts Gutes. Und tatsächlich lesen sich die offiziellen Stellungnahmen der Bundesbank wie eine Bestätigung des sinkenden Vertrauens Deutschlands in die USA.

 

Nachdem die Bundesbank eine Überprüfung der deutschen Goldbestände bei der Fed gefordert hatte, wurde Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, im vergangenen Oktober in einem Interview gefragt, warum Deutschland überhaupt so viel Gold im Ausland lagere. In seiner Antwort betonte er die Bedeutung des Dollar als Weltreservewährung.

 

Thieles Äußerung lässt nur einen Umkehrschluss zu: Weil Deutschland weniger Reserven in den USA belässt, geht es offenbar davon aus, dass in Zukunft geringere »in Dollar ausgewiesene Liquidität« erforderlich sein werde. »Gold, das in Ihrem Safe zu Hause aufbewahrt wird, steht nicht unmittelbar als Sicherheit zur Verfügung, wenn Sie Devisen benötigen. Nehmen wir beispielsweise die Schlüsselrolle, die der Dollar als Leitreservewährung im weltweiten Finanzsystem einnimmt. Das in der Fed gelagerte deutsche Gold kann im Falle einer Krise als Sicherheit gegen in Dollar ausgewiesene Finanzmittel eingesetzt werden«, sagte er.

 

Die Geschichte wiederholt sich

Die ganze Situation erinnert an die späten 1960er Jahre, die in den so genannten »Nixon-Schock« mündeten. Damals wurde die Welt noch vom Bretton-Woods-System beherrscht, mit dem ein Teil der westlichen Zentralbanken versucht hatte, den Dollar in einem festen Kurs an Gold zu binden. [Die Fed verpflichtete sich, den Dollar zu einem festen Kurs von 35 Dollar je Feinunze Gold zu tauschen.] Gleichzeitig war es aber immer noch möglich, Gold privat zu handeln. Dies führte dazu, dass sich der Marktpreis für Gold und der offiziell festgelegte Goldwert, der von der Fed gezahlt wurde, immer weiter auseinander entwickelten.

 

Als sich der tatsächliche Wert des Goldes immer stärker von dem offiziell garantierten Preis unterschied, erkannte man weltweit, dass dieses System nicht länger aufrecht erhalten werden konnte. Viele waren der Überzeugung, die USA seien nicht mehr wirklich an einem starken Dollar interessiert. Deutschland entschied sich aus Sorge als erstes Land dazu, seine Dollarreserven in Gold umzutauschen; später folgten dann Frankreich, die Schweiz und noch andere Länder. Dies führte dann im August 1971 dazu, dass der damalige US-Präsident Richard Nixon mit der Abkoppelung des Dollars vom Gold das »Goldfenster schloss«. Dieser »Nixon-Schock« führte zu einer chronischen Inflation während der ganzen 1970er Jahre und parallel zu einem Anstieg des Goldpreises.

 

Vielleicht fühlt sich die Weltgemeinschaft derzeit an diese 1960er Jahre erinnert, denn Deutschland ist nicht das einzige Land, das sich derzeit vom Dollar abzusetzen beginnt. Die Niederlande und Aserbaidschan erwägen ebenfalls eine Rückführung ihrer im Ausland gelagerten Goldreserven. Und praktisch in jedem Monat hört man, dass irgendwelche Zentralbanken ihre Goldreserven aufstocken wollen. Die letzten in dieser Reihe sind Russland und Kasachstan, aber im vergangenen Jahr haben Länder von Brasilien bis zur Türkei ihre Goldreserven erhöht, um ihre Reserven zu diversifizieren und von Fiat-Devisenreserven zu entlasten.

 

Nicht zu vergessen ist China. War das Land einst der größte Abnehmer amerikanischer Staatsanleihen, ist es nun dazu übergegangen, diese Anleihen abzustoßen und gleichzeitig Gold zu kaufen. Einige behaupten sogar, China habe Deutschland inoffiziell bereits den zweiten Rang bei den Goldreserven abgelaufen.

 

Anders als in den 1960er Jahren existiert heute kein offizielles »Goldfenster« mehr, das zu schließen wäre. Und es wird auch keine anderweitigen warnenden Anzeichen für wirtschaftliche oder politische Erschütterungen geben; die Ankündigung Deutschlands, seine Goldreserven zumindest teilweise aus den USA abzuziehen, ist möglicherweise das deutlichste Warnzeichen, das wir erhalten werden. Um der ganzen Angelegenheit einen angemessenen Namen zu verpassen, der auch auf die Verursacher verweist, könnte man die jetzt eingetretene Situation ja nach dem Chef der Fed den »Bernanke-Schock« nennen.

 

»Man muss selbst in der gleichen Lage sein, um einen anderen zu verstehen«

In meinem Gold Letter des letzten Monats beschrieb ich die drei Faktoren, die vor allem die anhaltende extreme Niedrigzinspolitik der amerikanischen Notenbank ermöglichen: die Fed selbst, amerikanische Investoren und ausländische Zentralbanken – dies gilt vor allem für Japan. Ich erläuterte dort, dass die japanische Absicht, den Yen massiv abzuwerten, es dem Land unmöglich machen könnte, weiterhin amerikanische Staatsanleihen zu kaufen, was sich wiederum negativ auf die anderen beiden Faktoren auswirken dürfte.

 

Auch wenn sich die Privatanleger und selbst die Fed einreden könnten, amerikanische Staatsanleihen seien immer noch eine vertrauenswürdige und attraktive Investition, macht die Meldung von der deutschen Rückführungsabsicht deutlich, dass andere Regierungen nicht länger auf diese Propaganda hereinfallen. Und warum sollten sie auch? Wenn überhaupt irgendjemand die Schwierigkeiten abschätzen kann, der sich die amerikanische Regierung gegenübersieht, dann wohl andere Regierungen.

 

Unsere US-Anleihen kaufenden Regierungen wissen, dass Ben Bernanke und Barack Obama eher dem bekannten Kaiser und seinen neuen Kleidern gleichen. Ihnen ist ebenso bekannt, dass die Fed keineswegs in einem Geniestreich Zinserhöhungen beabsichtigt, wenn sie gleichzeitig erfolgreich dabei ist, ihre wertlosen Hypothekenpapiere und Regierungsanleihen zurückzukaufen. Stattdessen verhält sich die Fed wie ein Drogenabhängiger, der immer neue Entschuldigungen auftischt, um sich seinen nächsten Schuss zu beschaffen (siehe dazu das hier verlinkte enthüllende Interview Bernankes mit Oprah Winfrey, in dem er »Wirtschaftsdoping« einräumt).

 

Amerikanische Anleger sollten über die Irreführung und den Selbstbetrug der Fed ebenso schockiert sein wie die Bundesbank. Wir können zwar unsere Dollar nicht bei der Fed in Gold umtauschen, aber mit ihnen immer noch auf dem freien Markt Gold kaufen. Je mehr Anleger und Investoren sich dafür entscheiden, ihr Kapital in Gold anzulegen, desto stärker wird der Wertverlust des Dollars ausfallen – und damit wieder mehr Anleger ins Gold drängen. Und das ist genau der Moment, an dem sich der raffinierte Kreislauf, auf dem der Wert des Dollar seit einer Generation beruhte, blitzschnell in einen Teufelskreis verwandeln wird.

 

 

 

 


 

 

 

 

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