Donnerstag, 23. Februar 2017
11.07.2016
 
 

Interview mit Bruno Bandulet zu seinem neuen Buch Beuteland

Redaktion

Bruno Bandulet rechnet in seinem neuen Buch »Beuteland« mit der systematischen Plünderung Deutschlands durch die Siegermächte seit 1945 ab. Allein der Umbau der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zu einer regulären Transferunion - vor allem zu Lasten Deutschlands - hat die deutschen Steuerzahler demnach seit 1991 rund 300 Milliarden Euro netto gekostet. Ein genaues Preisschild für die 70 Jahre Plünderung, die bis hin zur ruinösen Masseneinwanderung unter der Flagge des Multikulturalismus läuft, hat er nicht gefunden. Denn das gibt es nicht. Doch Bandulet ist sicher: die Reparationen nach dem Versailler Vertrag sehen dagegen harmlos aus. In diesem Interview mit Kopp Online spricht der Autor über sein neues Buch …

 

Herr Bandulet, Sie beschreiben in Ihrem neuen Buch Beuteland, wie sich die Sieger nach dem Zweiten Weltkrieg 70 Jahre lang an Deutschland schadlos hielten. Gibt es am Ende Ihrer Bilanz eine Art Preisschild für diese Plünderung?

Bandulet: Ich muss zugeben, dass die Arbeit an diesem Buch eine echte Entdeckungsreise war. Ich hätte mir nicht vorstellen können, wie viel die Siegermächte im Laufe der Zeit an Sachwerten, an geistigem Eigentum und an Finanzleistungen aus Deutschland herausgezogen haben. Und doch kursiert immer noch die Legende, Deutschland habe praktisch keine Reparationen für den verlorenen Krieg bezahlt – siehe die horrenden Reparationsforderungen zum Beispiel aus Griechenland, die immer wieder ins Spiel gebracht werden, obwohl Griechenland schon nach 1945 unter den Reparationsempfängern war.

Zu Ihrer Frage: Eine belastbare Summe gibt es nicht. Selbst die Bundesregierung hat keinen Überblick und hat das in der Antwort auf eine Anfrage auch einmal zugegeben. In meinem Buch gliedere ich alles im Detail auf und unterscheide sorgfältig zwischen Schätzungen und nachweisbaren Summen. Grob gerechnet, summierte sich die Rechnung ab 1945 und bis in die erste Hälfte der 50er-Jahre nach heutiger Kaufkraft auf etwa 1000 Milliarden Euro. Darin enthalten sind zum Beispiel die regelrechten Plünderungen nach Kriegsende, die Beschlagnahme der deutschen Auslandsvermögen, die Zwangsexporte, die Demontagen und die Besatzungskosten, die noch nach Gründung der Bundesrepublik enorm hoch waren. Nicht zu vergessen die verlorenen Ostgebiete und die Patente, Forschungsergebnisse und das geistige Eigentum. Es war der größte Wissenstransfer aller Zeiten. Und er hat der amerikanischen Industrie einen Vorsprung von mehreren Jahren verschafft.

 

Dann kam die Wiedergutmachung für NS-Unrecht und schließlich der Umbau der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zu einer regulären Transferunion vor allem zu Lasten Deutschlands. Letzteres lässt sich genau berechnen. Es waren seit 1991 rund 300 Milliarden Euro, die nach heutiger Kaufkraft netto von deutschen Steuerzahlern für die europäische Umverteilung aufgebracht wurden. Dazu kommen die Beträge, mit denen Deutschland für die Maßnahmen der Euro-Rettung haftet. Wie viel davon verloren ist, muss sich erst noch herausstellen. Fest steht jedenfalls, dass das, was seit 1945 aufgebracht wurde, die Reparationen nach dem Versailler Vertrag von 1919 harmlos aussehen lässt.

 

Eine der Überschriften in Ihrem Buch heißt: »Deutschland ist souverän, aber was heißt das eigentlich?« – Das signalisiert ein großes ABER: Wie eng bleibt der Spielraum der deutschen Außenpolitik?

Bandulet: Aus Sicht des Völkerrechts ist Deutschland seit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag souverän. Souveränität muss aber auch politisch gelebt und ausgefüllt werden, und damit steht es nicht gut. Ich zitiere eine maßgebliche deutsche Quelle aus dem Jahr 1990, wonach das wiedervereinigte Deutschland domestiziert, wirtschaftlich kontrolliert und entmachtet werden muss. Ich nenne das den geheimen Fahrplan der deutschen Politik.

Deutschland gilt als reiches Land mit hoher Beschäftigung und viel Substanz. Sie weisen jedoch darauf hin, dass die Deutschen gemessen an ihrem Vermögen »gerade einmal im europäischen Mittelfeld rangieren«. Kommt das daher, dass sie so lange zur Ader gelassen wurden?

Bandulet: Selbstverständlich hat das damit zu tun. Der deutsche Durchschnittsbürger ist nicht reich, er rangiert im europäischen Mittelfeld und müsste eigentlich einen Spitzenplatz einnehmen – gemessen an der Stärke der deutschen Wirtschaft und an ihren Exporterfolgen.

 

Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Buch?

Bandulet: Mir fiel seit Längerem auf, dass die Nachkriegszeit, aber auch die Entstehungsgeschichte des Euro, von führenden ausländischen Autoren objektiv und kritisch behandelt wird, während die Politiker in Deutschland alles immer nur schönreden. Wir haben in vieler Hinsicht ein unwahres Geschichtsbild. Denken Sie nur an die ungeheuerliche Behauptung des Bundespräsidenten, Deutschland sei 1945 von der Roten Armee befreit worden.

 

Sie zitieren in dem Buch Niall Ferguson. Er hat die von Deutschland finanzierte Umverteilung in der EU als »einvernehmliches System von Kriegsreparationen« bezeichnet. Das heißt, die Reparationen halten ungebremst an. Wie kommen wir aus dieser Mühle jemals raus?

Bandulet: Naja, die klassischen Reparationen und alles, was damit zusammenhängt, sind im Wesentlichen abgeschlossen. Die schwerste Hypothek, die jetzt auf dem Land lastet, ist die Währungsunion mit dem Euro. Es dauert, aber ich glaube, dass er keinen Bestand haben wird. Notfalls müssen wir austreten. Wobei es unendlich einfacher war, den Schaden anzurichten, als ihn jetzt zu beheben.

 

In Deutschland, so heißt es im Werbetext zu Beuteland, werde politische Korrektheit auf Kosten der Meinungsfreiheit gepredigt. Das sieht man ja an der Flüchtlingswelle. Und die historische Korrektheit geht auf Kosten der geschichtlichen Wahrheit. Warum sind die Deutschen so überaus korrekt, dass sie dafür die Wahrhaftigkeit hinten anstellen?

Bandulet: Die Kriegs- und Nachkriegsgeneration, die alles selbst erlebt hat, war noch skeptisch und kritisch und schwer manipulierbar. Inzwischen hat die Mehrheit der Deutschen das, was man Umerziehung nennt, verinnerlicht und vergessen, dass die These von der Kollektivschuld moralisch unhaltbar ist. Für die Verbrechen, die vom NS-Regime begangen wurden, kann nur das Prinzip der individuellen Schuld gelten.

 

Die Europäische Union zeigt im Augenblick deutliche Zerfallserscheinungen. Sollte sie platzen und der Euro verschwinden, würde dann auch ein Teil des Umverteilungs- und Enteignungsprogramms gegen Deutschland enden, oder würde das in anderem Rahmen weiterlaufen?

Bandulet: EU und Währungsunion, die ja nicht identisch sind, befinden sich in einer Existenzkrise. Ich bin überzeugt, dass wir die europäische Zusammenarbeit, die dringend notwendig ist, anders und besser organisieren müssen. Es lohnt sich, für ein Europa zu kämpfen, wie es sich Ludwig Erhard vorgestellt hatte: ohne eine monströse Bürokratie, ohne Korruption und Subventionswirtschaft, für ein Europa des Wettbewerbs und für ein Europa der Vaterländer. Wann das durchsetzbar ist, müssen wir sehen.

 

Angela Merkel ist mit ihrer Außenpolitik klar erkennbar eine Vasallin der USA. Beweise dafür, wie sie im Detail unter Druck gesetzt und gelenkt wird, sind schwer zu finden. Haben Sie herausgefunden, wie das abläuft?

Bandulet: Dazu nur ein Beispiel: Als Griechenland im Frühjahr 2010 zum ersten Mal vor dem Staatsbankrott stand, dachte Angela Merkel zunächst daran, sich an den Vertrag von Maastricht zu halten, der bekanntlich eine gegenseitige Haftung für Staatsschulden ausschließt. Dann klingelte das Telefon aus Washington, Merkel wurde von Präsident Obama bearbeitet – und fiel um. Seitdem läuft die vertragswidrige Euro-Rettungsmaschinerie.

 

Die Nullzins-Politik der EZB – und jetzt verstärkt die Negativzinsen – stellt die Wirtschaft, wie wir sie kennen, auf den Kopf. Sparen wird bestraft, Sparer werden schrittweise enteignet. Sie haben die fatalen Folgen der Nullzins-Politik untersucht. Zu welchem Ergebnis sind Sie da genau gekommen?

Bandulet: Das kann sich jeder selbst ausrechnen. Solange Mario Draghi freie Hand hat und Rückendeckung aus Berlin genießt, solange die natürliche Funktion eines Marktzinses manipulativ ausgeschaltet wird, haben die Bürger keine Chance, für das Alter vorzusorgen – sei es mit dem Sparbuch oder mit dem Abschluss einer Lebensversicherung. Bereits Ende 2014 bezifferte Professor Hans-Werner Sinn die seit 2008 aufgelaufenen Vermögensverluste der Deutschen durch die Zinspolitik der EZB auf 300 Milliarden Euro.

 

Sie prangern in dem Buch die Ideologie des Multikulturalismus an. Wie viel Schaden richtet der mit der Willkommens-Euphorie derzeit an, kann man das in Worte fassen oder gar beziffern?

Bandulet: Auch hier kann ich mit Quellen belegen, dass die tonangebenden europäischen Eliten planmäßig eine Politik betreiben, die darauf hinausläuft, im Zeichen des Multikulturalismus die Homogenität der Nationalstaaten zu unterminieren. Zum Verlust an Identität kommen die finanziellen Belastungen. Nach seriösen Berechnungen wird allein die Flüchtlingsinvasion des Jahres 2015 den deutschen Steuerzahler per Saldo und auf Dauer 450 Milliarden Euro kosten.

 

 

 

 

 

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