Saturday, 1. October 2016
10.07.2013
 
 

NSA überwacht den weltweiten Internetverkehr über private Glasfaserkabel

Redaktion

Wie neue Dokumente enthüllen, ermöglichten es Absprachen zwischen amerikanischen Bundesagenten und ausländischen Unternehmen der amerikanischen Regierung, auf leichte Weise ungeheure Mengen an Kommunikationsdaten, die auf der ganzen Welt versendet wurden, abzufangen und auszuwerten.

Nach einer Präsentation des amerikanischen Geheimdienstes National Security Agency (NSA), die der Washington Post vorliegt und dem NSA-Whistleblower Edward Snowden zugeschrieben wird, bestärkte die amerikanische Regierung Analysten darin, die zahlreichen unter Wasser verlegten Glasfaserkabel abzuhören, über die praktisch 99 Prozent des weltweiten Internet- und Telefonverkehrs abgewickelt werden.

In ihrem Artikel erläutern die Post-Journalisten Craig Timberg und Ellen Nakashima, diese NSA-Präsentation, die Snowden offengelegt habe, enthülle noch ein weiteres Überwachungsprogramm, das angeblich der Terrorismusbekämpfung diene, tatsächlich aber den Datenschutz und die Privatsphäre von vielen Millionen, wenn nicht sogar Milliarden von Menschen in Frage stelle.

 

Wie es dort heißt, beauftragte die US-Regierung eine Gruppe von Anwälten aus zahlreichen Bundesbehörden wie der Bundespolizei FBI und den Ministerien für Verteidigung, Justiz und Heimatschutz (»Innere Sicherheit«), Maßnahmen auszuarbeiten, um nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sicherzustellen, dass der überwiegende Teil der weltweit versendeten Daten und Informationen von amerikanischen Diensten gesammelt und ausgewertet werden könne. »Wie die Dokumente belegen, gehörte es zu ihren Aufgaben, sicherzustellen, dass alle Überwachungsanfragen umgehend und vertraulich umgesetzt würden«, schreiben die beiden Journalisten.

 

Um dieses Ziel zu erreichen, so behauptet die Post, sei innerhalb der Führungsetagen der ausländischen Firmen, die die Glasfaserkabel betreiben, über die der größte Teil der weltweiten Telekommunikationsdaten transportiert werden, eine »interne Gruppe amerikanischer Bürger, die das Vertrauen der Regierung besitzen«, aufgebaut worden. Zu diesen Firmen gehörte etwa das asiatische Unternehmen Global Crossing. Bereits kurz nach den Anschlägen vom 11. September begannen die USA damit, dieses Unternehmen umgehend zu infiltrieren.

 

Wie die Post weiter schreibt, habe damals mit diesem »Network Security Agreement« (»Vereinbarung über Netzwerksicherheit«), das im September 2003 zwischen Global Crossing und den USA abgeschlossen wurde, der erste wichtige Kabelbetreiber den USA die Möglichkeit eingeräumt, die in diesen »Telefon-Pipelines« übertragenen Daten in großem Umfang abzuschöpfen und auszuwerten.

 

In den seit damals vergangenen zehn Jahren wurden zahllose weitere Vereinbarungen dieser Art abgeschlossen. In diesen und ähnlich gelagerten Fällen arbeiteten Bundesanwälte in einer Arbeitsgruppe mit der harmlosen Bezeichnung »Team Telecom« zusammen und »überzeugten« die ausländischen Eigentümer der entsprechenden Kabelbetreiber davon, den amerikanischen Forderungen nach Überlassung der Kommunikationsdaten zu entsprechen.

 

Im Falle des Unternehmens Global Crossing musste sich die Firma gegenüber den USA verpflichten, ein so genanntes »Network Operation Center« in den USA einzurichten, das amerikanische Regierungsvertreter, sprich Geheimdienstmitarbeiter, innerhalb von 30 Minuten nach einem entsprechenden Anruf aufsuchen können und dort Zugriff auf die gewünschten Daten erhalten. Obwohl entsprechende Gesetze angeblich über strikte Bestimmungen den Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre sichern sollen, habe dies, so die Post, die amerikanischen Dienste nicht davon abgehalten, diese Informationen trotzdem zu sammeln. »Da Menschen weltweit chatten, sich im Internet bewegen und Bilder über Internetdienstleister ins Netz stellen, befinden sich viele dieser Informationen innerhalb der technischen Reichweite der amerikanischen Überwachungssysteme. Obwohl Gesetze, Verfahrensvorschriften und interne Regeln die Sammlung und Auswertung dieser Informationen eigentlich beschränken sollen, fließen die Informationen von Millionen unterschiedlichen Geräten weltweit durch Internetknotenpunkte, die die USA und ihre Verbündeten überwachen können«, heißt es in dem Artikel weiter. Neben dem Überwachungsprogramm Prism, dessen Existenz Snowden im vergangenen Monat enthüllt hatte, erlaubte es vor allem das Abhören dieser Kommunikationskabel den USA, praktisch sämtliche Kommunikationsdaten, die in der Nähe der USA durch die Kabel geschickt werden, zu erfassen.

 

Die Post weist darauf hin, dass sowohl Prism als auch das »große Abschöpfen« der Unterwasserkabel darauf abzielten, nicht nur die Kommunikationen von Personen zu erfassen, bei denen sich ein Teilnehmer außerhalb der USA befand. Die amerikanischen Bundesbehörden verweigern bisher genaue Auskünfte dazu, wie viele Amerikaner »zufällig« oder »irrtümlich« ins Visier der NSA gerieten. Demgegenüber hatten Mitglieder des amerikanischen Kongresses zuvor Phrasen wie »tief erschüttert« benutzt, wenn sie beschrieben, wie die amerikanische Bevölkerung wohl reagieren werde, wenn ihr das volle Ausmaß und der Umfang der amerikanischen Überwachungsprogramme bekannt würden.

 

Seit den ersten Enthüllungen Snowdens im Juni d.J. halten die NSA sowie Präsident Obama und seine Regierung daran fest, diese Überwachungsprogramme seien im »Krieg gegen den Terror« notwendig und gerechtfertigt. Das Weiße Haus vertritt weiterhin die Auffassung, diese Maßnahmen seien sowohl durch den Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA, »Gesetz zum Abhören in der Auslandsaufklärung«) als auch durch das nach den Anschlägen vom 11. September 2001 verabschiedete PATRIOT-Gesetz in rechtlicher Hinsicht gedeckt. Aber diese Auffassung wird sowohl in der Öffentlichkeit als auch aus dem politischen Lager kritisiert. Der 30-jährige Edward Snowden sucht derzeit Asyl, um einer Strafverfolgung in den USA zu entgehen, wo gegen ihn wegen Spionage und Geheimnisverrats Anklage erhoben wurde.

 

 

 


 

 

 

 

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