Olle Kamellen, neu verpackt: Warum Journalisten und die EU mehr KOPP-online lesen sollten
Redaktion
Vielleicht haben Sie in den vergangenen Tagen die Aufregung über einen Bericht des Europarates gelesen, nach dem Hashim Thaci (Premierminister des Kosovo) ein Boss der Mafia und Organhändler ist. Was da in den Medien für große Aufregung sorgt, hat der Bundesnachrichtendienst in geheimen Unterlagen schon 2005 intern berichtet. Und wir von KOPP-online hatten das alles schon vor Jahren zusammen mit den BND-Belegen veröffentlicht.
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Organhandel, Auftragsmorde, Folter - für all diese Verbrechen soll der jüngst gewählte kosovarische Ministerpräsident Thaci verantwortlich sein, als er Ende der 90er-Jahre die Rebellenarmee UCK anführte. Der Europaratsabgeordnete Marty erhebt in seinem Bericht schwerste Vorwürfe. Und die EU will den Vorwürfen nun nachgehen. Alle Nachrichtenagenturen tun so, als ob die Vorwürfe völlig neu seien. Was die deutschen Staatsmedien da derzeit berichten, ist allerdings mehr als peinlich. Es zeugt zumindest davon, dass sie mit den Dingen, über die sie da berichten, in Wahrheit nicht vertraut sind.
Seit Mitte 2008 fand man auf Wikileaks einen dort eingestellten original BND-Bericht über die Verwicklungen bekannter Politiker in die Organisierte Kriminalität im Kosovo. Dieser BND-Kosovo-Bericht hat es wahrlich in sich. Immerhin konnte jeder Internet-Nutzer im Detail etwa die schwerstkriminellen Verbindungen der bekanntesten Kosovo-Albaner hier nachlesen: Staatschef
Hashim Taci ist demnach einer der Führer der Verbrecherbande DRENICA-Gruppe und hervorragend im schwerstkriminellen Umfeld vernetzt. Wer wissen will, welche albanisch-kosovarische Familie in Drogenhandel, Frauenhandel, Waffenhandel, Treibstoffschmuggel und Auftragsmorde verwickelt ist, der hat mit dem BND-Bericht ein Kompendium, das in den Detail-Aussagen kaum noch übertroffen werden kann. Dummerweise enthält der Bericht auch Aussagen dazu, welche Familie mit welchem Geheimdienst zusammen arbeitet. Vom Mossad bis zu den russischen Diensten werden in dem BND-Bericht Bezüge zu kosovarischen Familien aufgestellt – das freute weder die ausländischen »Partnerdienste« des BND, noch die kosovarischen Familien oder gar den BND, was da von WikiLeaks veröffentlicht wurde. Solche unbeabsichtigten »Veröffentlichungen« wollte der BND schnell aus dem Web entfernt wissen – wir haben im Dezember 2008 über den Original-BND-Bericht berichtet und auch Screenshots veröffentlicht. Seither ist die entsprechende WikiLeaks-Seite nicht mehr erreichbar.
Die Vorwürfe gegen Hashim Thaci sind also keinesfalls neu. Auch die EU, die sich nun endlich damit befassen will, kannte den BND-Bericht – immerhin konnte ihn jeder, der es wollte, frei im Internet einsehen. Vielleicht sollten deutsche »Qualitätsjournalisten« und EU-Politiker einfach einmal mehr KOPP-online lesen und sich mit unseren anderen Informationsprodukten befassen, schaden könnte es nicht. Man brauchte dann nicht olle Kamellen als angebliche neue Sensationen verkaufen. Und wer nun behauptet, weil der BND-Bericht nicht mehr online sei, könne man ja nicht mehr wissen, ob das alles nun stimme oder nicht, der darf versichert sein, dass immer noch entsprechend eingestufte geheime Berichte (trotz aller Löschversuche) im Web stehen. Nehmen wir nur den IEP-BND-Bericht vom 9. Januar 2007 zum Kosovo und den dortigen kriminellen Akteuren. Dort heißt es etwa auf Seite 42 als Zitat aus dem oben genannten BND-Bericht: »Über die Key-Player (wie z.B. Haliti , Thaci , Haradinaj) bestehen engste Verflechtungen zwischen Politik, Wirtschaft und international operierenden OK-Strukturen im Kosovo. Die dahinter stehenden kriminellen Netzwerke fördern dort die politische Instabilität.« Wer sich also heute völlig überrascht zeigt, dass der kosovarische Ministerpräsident Thaci ein Mafia-Boss der Organisierten Kriminalität ist, dem ist wohl wirklich nicht mehr zu helfen. Der sollte vielleicht besser auch weiter »Qualitätsmedien« konsumieren – und dumm bleiben. Oder aber regelmäßig KOPP-online lesen.
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