Monday, 25. July 2016
19.01.2014
 
 

Unbequeme Stimme aus der Mitte des Volkes: Zum Tode von Professor Wilhelm Hankel

Redaktion

Der Euro-Kritiker, Ökonom Professor und Kopp-Autor Wilhelm Hankel ist am vergangenen Mittwoch im Alter von 85 Jahren verstorben.

Es gibt Menschen, die laut polternd auf sich aufmerksam machen. Und es gibt feinfühlige und tiefsinnige Menschen, welche durch Intelligenz und beständiges Nachdenken Beachtung finden. Dazu zählt Wilhelm Hankel. Der deutsche Wirtschaftswissenschaftler und Währungsspezialist arbeitete in seiner Laufbahn für die Bank deutscher Länder, das Bundesministerium für

wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, das Auswärtige Amt und das Bundesministerium für Wirtschaft. In den siebziger Jahren war er Präsident der Hessischen Landesbank. Später lehrte Hankel als Professor an den renommierten amerikanischen Universitäten Harvard (Boston) und Georgetown (Washington).

 

Die meisten Deutschen kennen Hankel aber in ganz anderem Zusammenhang. Er war der »Erfinder« der Bundesschatzbriefe. Die wurden vor rund anderthalb Jahren in aller Stille von der Bundesregierung abgeschafft. Wachsende Zinsen und hohe Sicherheit lockten vor allem Massen konservativer Kleinanleger in diese Anlageform, weil die Mindestanlagesummen für die »Schätzchen« extrem niedrig waren. Doch aus der Sicht der Politiker wurden die »Schätzchen« für den Bund zu teuer. Den Bürgern soll jetzt schließlich möglichst viel Geld abgenommen und nicht etwa gegeben werden.

 

Doch genau das ist es, was den Wirtschaftsfachmann, Banker, Universitätslehrer und Währungsexperten immer wieder so wütend machte: Die Dreistigkeit, mit welcher die Politik heute wie selbstverständlich die Bürger da draußen um ihre Ersparnisse bringen will. Hankel, seit Jahrzehnten ein SPD-Mann, beschränkte seine Kritik keineswegs nur auf eine oder einige Parteien. Er sah durchweg in allen Bundestagsabgeordneten Menschen, die alles, aber ganz sicher nicht mehr Vertreter des Volkes sind. Besonders fiel ihm das auf dem Gebiet der Währungspolitik auf: Der Euro, so Hankel, war von der ersten Stunde an fatal für Deutschland. Und so wurde Hankel einer der ersten Euro-Kritiker und die Gallionsfigur der Euro-kritischen Bewegung.

 

Hankel sieht eine Währung in dem Moment am Ende, wo die Bevölkerung nicht mehr die eigenen Ersparnisse in ihr anlegt – und auch für den Euro ist dieser Zeitpunkt gekommen. In seinen unzähligen Vorträgen ging er auf die systemischen Probleme ein, die schon vor der Einführung des Euros bekannt waren, aber von der Politik einfach ignoriert wurden. Um den Euro herum wurde eine Welt der Fiktionen, der Vertuschung und der bewussten Lügen verbreitet. Für die Politik war Hankel problematisch, denn der Mann hatte aus eigener beruflicher Anschauung viele Insiderkenntnisse. Schließlich war Hankel in den 1960er-Jahren unter dem SPD-Wirtschaftsminister Karl Schiller in Deutschland für die Geldpolitik der D-Mark zuständig. Hankel wusste also ganz genau, wie die Europäische Zentralbank in den letzten Jahren beispielsweise die Inflation im Euro-Raum durch statistische Tricks künstlich kleinrechnete. Auch als Chefvolkswirt der Kreditanstalt für Wiederaufbau hatte er tiefe Einblicke in das System bekommen, die ihn in seiner Euro-Kritik bestärkten.

 

Wilhelm Hankel hat als Kopp-Autor Bücher geschrieben, welche nicht nur die Stimmung in der Bevölkerung wiedergeben (etwa »Gebt uns die D-Mark zurück!« und »Das Euro-Abenteuer geht zu Ende«), sondern auch internationale Beachtung gefunden. Und als Redner, auch beim Kopp-Kongress, war er unschlagbar. Wenn Hankel an das Mikrofon trat, dann wurde es mucksmäuschenstill, weil jedes Wort des erfahrenen und renommierten Gelehrten faszinierte. Hankel lieferte immer wieder ein flammendes Plädoyer für den Erhalt der deutschen Marktwirtschaft, des deutschen Wohlstands und des Geldes. Und dann sagte er: »Das alles wird gerade vernichtet!«

 

Hankel warnte in seinen zahlreichen Reden der jüngsten Vergangenheit im hohen Alter vor fehlender Freiheit in den europäischen Ländern und vor den Daumenschrauben, die vom mächtigen Brüssel aus immer fester gezogen würden: »Wer gegen den Rechtsstaat kämpft, kämpft gegen Wahrheit und Freiheit!« Die Transferunion mit dem Euro sei der Anfang vom Ende, so Hankel, man verwechsle Dynamik mit Dynamit. Der Währungsexperte schaute nicht nur besorgt nach Griechenland: Dort seien bereits über sechzig Prozent der Sparguthaben abgezogen worden. »Damit wird die Regierung gezwungen, den Kampf aufzugeben.« Es sei nur noch eine Frage der Zeit, wann die letzte Stunde des Euro geschlagen habe, so sagte uns Hankel immer wieder. Hankel warnte die Deutschen vor einem schwer angeschlagenen Mittelstand, der nun einmal auf Kredite angewiesen sei: »Dem Mittelstand geht es dreckig – doch keiner redet darüber: weder die Politiker noch die Medien«.

 

Der Euro-Kritiker monierte den neuen, europäischen Sozialismus: Mit der Einrichtung eines »Politbüros« in Brüssel habe dieser seinen Anfang genommen, durch die Vergemeinschaftung der Währung und durch die Übernahme der Schulden. Hankels Plädoyer: »Wir brauchen den Wettbewerb der Währungen« blieb nie ohne Reaktion: Tosender Applaus war ihm immer vergönnt.

 

In seinem gemütlichen Wohnhaus in Königswinter bei Bonn arbeitete er bis zuletzt in seiner Bibliothek und schockierte Besucher mit der Botschaft, dass Ersparnisse in Lebensversicherungen in Deutschland nicht mehr sicher seien. Der zuletzt schwer herzkranke Mann regte sich immer auf, wenn er auf dieses Thema kam. Der Großteil der Guthaben der Deutschen in Lebensversicherungen könne in wenigen Jahren schon nicht mehr ausbezahlt werden. Denn der Großteil dessen, was da noch auf dem Papier stehe, sei längst weg und von Politik und Banken verzockt worden. Die Politik hat Hankel für seine ehrlichen Worte mit Verachtung gestraft. Im Gedenken der Menschen da draußen aber wird er über seinen Tod hinaus mit der Ehre weiterleben, einer der wenigen zu sein, welche beharrlich Politische Unkorrektheiten offen ausgesprochen haben, weil sie der Wahrheit entsprachen. Diese Wahrhaftigkeit und Beständigkeit allen Widrigkeiten zum Trotz – und das auch noch bis zu seinem Tod im Alter von 85 Jahren – machen ihn unvergesslich. »Gebt uns die D-Mark zurück!« – dieses Stimmungsbild der Deutschen ist untrennbar mit Hankels Namen verknüpft.

 

 

 

 


 

 

 

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