Tuesday, 2. September 2014
11.03.2010
 
 

Scham vor der Scham?

Michael Grandt

Die katholische Kirche gerät wegen täglich auftauchender neuer Missbrauchsvorwürfe immer mehr unter Druck. Und jetzt gibt auch noch der Bruder des Papstes zu, Kinder geohrfeigt zu haben. Aber warum kommen die Aufklärungsbemühungen in der Öffentlichkeit nur halbherzig an?

Die Zeiten für die katholische Kirche sind schwer. Täglich gibt es neue Meldungen über sexuellen und körperlichen Missbrauch an katholischen Schulen oder in Klöstern. Zwar bemühen sich die Kirchenoberen um Aufklärung, aber in der öffentlichen Wahrnehmung kommt das oft nur halbherzig an.

Warum das so ist, könnten einige Statements von hohen Kirchenführern erklären (Hervorhebungen durch mich):

Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper sagte in einem Exklusiv-Interview mit Radio Vatikan, dass er im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen in Deutschland nie von Entschädigungen gesprochen habe. Gleichzeitig verteidigte er den Vatikan und die deutschen Bischöfe: Die Missbrauchsfälle seien von der Kirche entschieden angegangen worden. Zudem würden die  Fälle nicht allein die katholische Kirche betreffen. O-Ton: »Es ist ein trauriges Thema und erfüllt uns mit Scham, dass solche Dinge in katholischen Einrichtungen vorgekommen sind und dass Kinder missbraucht wurden. Dass dies verwerflich ist, darüber kann überhaupt keine Frage bestehen. Dass dies auch aufgeklärt werden muss, ist völlig klar. Ich habe den Eindruck, die Deutschen Bischöfe tun in dieser Situation das, was möglich ist. Sie verhalten sich sehr klug (…).«

Der Leiter des Katholischen Büros bei der Bundesregierung, Prälat Karl Jüsten, hat die Kritik von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger an den Aufklärungsbemühungen der katholischen Kirche zurückgewiesen.

Die Bundesjustizministerin hatte von einer »Schweigemauer« an katholischen Schulen gesprochen und zudem beklagt, dass die Kirche zu wenig mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeite. Im Morgenmagazin (ZDF) sagte Jüsten, die Ministerin habe »keine Ahnung«. Früher sei bei Missbrauch von Kindern vielfach weggesehen worden. Aber heute kläre die Kirche derartige Fälle sehr radikal auf und vertrete eine Null-Toleranz-Politik.

Jüsten sicherte zu, die katholische Kirche sei selbst an der raschen Aufklärung der Missbrauchsfälle interessiert. Auch die Diözesen hätten den Auftrag nachzuforschen. Jeder wisse, er sei jetzt gefordert. Der Prälat bezeichnete die öffentliche Entschuldigung des früheren Regensburger Domkapellmeisters Georg Ratzinger als »wunderbares Zeichen«. Der Bruder von Papst Benedikt XVI. hatte zugegeben, Chormitglieder der Domspatzen geohrfeigt zu haben.

Jüsten rief zugleich dazu auf, bei den nun bekannt gewordenen Fällen zwischen körperlicher und sexueller Gewalt zu unterscheiden. Manches sei dem damaligen »Zeitgeist« geschuldet. Jetzt sei jeder in der Kirche zu lückenloser Aufklärung aufgerufen.

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn tritt dafür ein, nach den Ursachen sexuellen Missbrauchs zu fragen. Über die möglichen Ursachen schreibt er: »Dazu gehört die Frage der Priestererziehung genauso wie die Frage nach dem, was in der 68er-Generation mit der ›sexuellen Revolution‹ geschehen ist. Dazu gehört das Thema Zölibat genauso wie das Thema Persönlichkeitsentwicklung. Und dazu gehört eine große Portion Ehrlichkeit – in der Kirche, aber auch in der Gesellschaft.«

 

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Quelle:

http://www.radiovaticana.org/tedesco/newsted.htm

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