Wednesday, 24. August 2016
24.11.2015
 
 

Rente mit 85: Arbeiten bis in den Sarg?

Stefan Müller

In der WirtschaftsWoche spricht sich Ulrich Grillo, der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie, für eine Steigerung des Renteneintrittsalters von bisher 67 auf 85 Jahre aus.


Selbstverständlich meint es der Chef des BDI nur gut mit den Deutschen, denn seiner Meinung nach steigt ja deren Lebenserwartung alle vier Jahre durchschnittlich um ein Lebensjahr. Auf welche Belege sich Grillo für diese wundersame Verlängerung des durchschnittlichen Lebensalters überhaupt stützt, erwähnt der Unternehmer nicht.

Seiner Meinung nach ist es aber völlig legitim, wenn man als Faustformel von der durchschnittlichen Lebenserwartung 15 Jahre subtrahiert, um das Rentenalter zu errechnen.

 

Fakt ist aber, dass die statistische Lebenserwartung bei Männern momentan bei 79 Jahren und bei den Frauen bei 83 Jahren liegt und hiermit die seltsam krude Rechnung des BDI-Chefs zu ungunsten des Arbeitnehmers nicht aufgeht.

 

Wenn die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes in Deutschland momentan 79 Jahre beträgt und man davon 15 Jahre subtrahiert, erhält man als Ergebnis aber 64 und nicht 67 Jahre.


Aber selbst, wenn es diese mysteriöse Verlängerung der Lebenszeit tatsächlich geben sollte, bleibt fraglich, inwieweit eine verlängerte Lebenszeit denn überhaupt tatsächlich auch aktiv genutzt werden kann, oder ob es sich lediglich um eine längere Liegedauer in einem Pflegebett handelt – möglicherweise angeschlossen an eine Magensonde.


Im Zuge der Refugees-Welcome-Euphorie wurden Politiker und andere prominente Zeitgenossen nicht müde, immer wieder zu betonen, dass wir ja in einem der »reichsten Länder der Welt« leben.

 

Da stellt sich bei solchen Forderungen wie der von BDI-Chef Grillo doch die Frage, warum ein so reiches Land wie Deutschland dann so grausam zu seinen Arbeitnehmern sein sollte. Da kann doch etwas nicht stimmen!


Eine Forderung nach einem höheren Renteneintrittsalter ist vor allem eines: zynisch. Dass sich mit Statistik hervorragend lügen lässt, wusste schon Winston Churchill. Wer das Renteneintrittsalter weiter anheben will, hat eigentlich eine knallharte Enteignung der Rentenbeitragszahler im Sinn.

 

Schon jetzt erleben viele hart arbeitende Menschen ihren Renteneintritt nicht mehr und damit verfällt schließlich auch ihr Anspruch auf Rente, denn anders als zum Beispiel in Griechenland können Rentenansprüche in Deutschland nicht an Familienmitglieder vererbt werden. Das eingezahlte Geld ist dann aber nicht weg, es hat nur wieder jemand anderes …


Wenn also das Renteneintrittsalter steigen sollte, dann muss sich jeder sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer selbst eine Frage stellen – die Frage nämlich, ob er sich das alles überhaupt weiterhin antun will und ca. 20 Prozent seines Einkommens verschenken möchte, denn mit jeder Erhöhung des Renteneintrittsalters steigt auch die Wahrscheinlichkeit, niemals selber in den Genuss seiner Rente zu kommen, sondern gleich im Sarg zu landen.

 

Menschen wie Ulrich Grillo muss man diese Ideen aber schon fast nachsehen, denn Bodenhaftung ist ab einer gewissen gesellschaftlichen Stellung relativ selten zu finden. Noch rarer wird der Realismus bei diesen Menschen, wenn sie an solch illustren Treffen wie den Bilderberger-Konferenzen teilnehmen.

 

Diese Treffen finden seit 1954 unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und bringen angeblich konkurrierende Politiker und Wirtschaftsgrößen an einen Tisch. Bei den Konferenzen stellt ein eiserner Kodex – die Chatham House Rule – sicher, dass keiner der Beteiligten jemals für seine Äußerungen verantwortlich gemacht werden kann.


Grillo war 2013 Teilnehmer des Treffens in Hertfordshire. Vielleicht wurde er dort von den anderen anwesenden »Philantrophen« wie u.a. Henry Kissinger, Christine Lagarde (IWF) und auch Christian Lindner (FDP) zu einer solch überaus schöngeistigen Idee inspiriert?

 

In Gefährlich! Band 2 berichte ich mehr darüber, mit welchem diabolischen Prinzip der Einzelne in ein Zahnrad aus Fleisch verwandelt werden soll und was er ganz konkret dagegen tun kann. Zeitgenossen wie der BDI-Chef Grillo hassen dieses Buch höchstwahrscheinlich, denn es bedroht die Größe ihre Schafherde.

Die Vergangenheit hat gelehrt, dass die Herrschenden ihre Schafherde gerne mit der Schock-Strategie leiten: Aus dem Nichts wird ein Horrorszenario in den Raum geworfen (Rente mit 85). Nach dem Schock lässt man etwas Gras über die Sache wachsen und realisiert dann ein minimal milderes Vorhaben (zum Beispiel die Rente mit 75). Der Widerstand wird deutlich harmloser ausfallen, denn es ist »ja doch wieder nicht so schlimm gekommen ...«

 

 

 

 

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