Wednesday, 27. July 2016
09.10.2015
 
 

Afghanistan: Deutschlands gescheiterter Kriegseinsatz

Stefan Schubert

14 Jahre Krieg. Ein zerstörtes Land. Neuerliche Flüchtlingsströme nach Europa. 900 Milliarden Kosten. Zehntausende Tote, beinahe 3500 gefallene NATO-Soldaten, darunter 55 Bundeswehrangehörige. Die US-geführte Invasion ist ein Debakel für den gesamten Westen. Die aktuellen Bilder aus Afghanistan sind bedrückend.

 

Die Taliban ziehen ungestört Hunderte Kämpfer zusammen und erobern handstreichartig die 300 000-Einwohner-Stadt Kundus, während 22 Menschen, bei dem Bombardement eines Krankenhauses, durch die US Air Force sterben, darunter Patienten, die am lebendigen Leib in ihren Betten verbrennen.

»Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit.« Erkannte der ehemalige Gouverneur aus Kalifornien, Hiram Johnson, schon Anfang des vergangenen Jahrhunderts. In Deutschland übernahm die Rolle des Einpeitschers, der damalige SPD-Verteidigungsminister Peter Struck, mit seinem berühmt-berüchtigten Satz:

 

»Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt.«

Da das deutsche Volk jahrzehntelang von politischen Eliten und den Leitartiklern der Medienhäuser zur pazifistischen Grundhaltung erzogen wurde, warb man folglich nicht um die Zustimmung an einem Kriegseinsatz, sondern an der Teilnahme an einer Friedensmission.

 

Operation Enduring Freedom, Operation andauernde Freiheit, hört sich gleich viel besser an als das böse K-Wort: Brunnenbohren, Mädchenschulen und Straßen bauen, quasi ein Einsatz des THW mit Gulaschkanone und umgehängtem Gewehr zur Eigensicherung. Die Leidtragenden dieser Irreführung der Bevölkerung waren die deutschen Soldaten, diese wurden nämlich in den entlegenen Einsatz ohne erforderliches Kriegsgerät abkommandiert:

 

Keine Panzer, zu wenige gepanzerte Truppenfahrzeuge, keine Haubitzen, denn wo offiziell kein Krieg geführt wird, darf natürlich auch kein Kriegsgerät vor Ort sein, so die heuchlerische Logik der rot-grünen Regierung unter Schröder und Fischer.

 

Auch aus diesem Grund ist die Opferzahl der Bundeswehr für ihr damals relativ ruhiges Einsatzgebiet entsprechend hoch.

 

Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, findet in einem aktuellen Welt-Interview deutliche Worte für diesen Skandal.

»Wir haben beispielsweise den Niederländern deutsche Artilleriegeschütze zur Verfügung gestellt, die sie mit großem Erfolg dort einsetzen. Wir selbst setzen sie nicht ein, weil ein solches Geschütz in der Bevölkerung den Eindruck erweckt, unsere Soldaten führen da ja Krieg.

Und das hätte die politische Legitimation beeinflusst. Dieses halte ich, um es ganz klar zu sagen, nicht nur für unzulässig, sondern ich halte es für skrupellos.«

Der schwerwiegendste Vorwurf, den der höchste Offizier der Bundeswehr in Richtung der Bundesregierung erheben kann.

 

Militärisch haben die Amerikaner diesen Krieg verloren, sie haben aus Vietnam immer noch nicht ihre Lehren gezogen. Gewiss, sie haben die Führungsspitze von al-Qaida weitestgehend eliminiert, eine Terrororganisation, die sie selbst geschaffen und mit modernen Waffen ausgerüstet haben, damit diese so viele russische Soldaten wie möglich töten konnten.

 

 

Aber al-Qaida ist immer noch aktiv in Afghanistan, dazu sind auch durch die Invasion ein Dutzend zusätzliche islamistische Terrororganisationen am Hindukusch entstanden: Pakistanische Taliban des Tehrik-e-Taliban, afghanische Taliban, Laskar-e-Jhangvi ‒ radikale pakistanische Islamisten mit Verbindungen zu al-Qaida, Harakat ul-Mudjahidin, Hezb-e Islami Gulbuddin, Gulbuddin Hekmatyar, dazu bereitet sich gegenwärtig der Islamische Staat in Afghanistan aus und beginnt ein Schreckensregime einzurichten.

 

Unangefochten werden große Teile des afghanisch-pakistanischen Grenzgebietes von dem Haqqani-Netzwerk beherrscht. Die in Deutschland relativ unbekannte Gruppe gilt Experten als die tödlichste-terroristische Organisation der gesamten Region. Die Terror-Dynastie verfügt zudem über ein kriminelles Imperium, das mit Entführungen, Erpressung, Schutzgeld und Handel mit Edelsteinen und Bauholz Millionen umsetzt.

 

Die New York Times nannte sie die Sopranos des Afghanistan-Krieges. Eine komplexe Organisation, die ich in meinem Terror-Thriller Der Konvertit umfänglich beschreibe. In dem Plot führt das Haqqani-Netzwerk aus Vergeltung wegen der Bundeswehr-Beteiligung an dem amerikanischen Feldzug Terroranschläge in Deutschland durch.

 

Afghanistan ist durch den NATO-Krieg also weder sicherer geworden, geschweige denn wurde ein funktionierendes Staatengebilde herbeigebombt. Im Gegenteil, zurzeit fliehen wieder Zehntausende Afghanen Richtung Deutschland.

 

Der Brigadegeneral Sayed Sabur weiß auch wieso: »Die Leute hier verfolgen die Nachrichten. Und sie glauben zu hören, dass Deutschland alle Grenzen geöffnet hat.« Merkels katastrophale Entscheidungen haben sich wirklich bis in alle Winkel der Welt verbreitet.

 

Oberst Rainer Buske, 61, ein Afghanistan-Veteran, spricht offen über seine Verbitterung wegen der aktuellen Geschehnisse. Er steht hier stellvertretend für Hunderte Soldaten, die traumatisiert und an Leib und Seele verletzt nach Deutschland zurückkehrten und in der Gesellschaft keinerlei Anerkennung für ihre Geschichte finden.

 

Er trägt noch schwer an seiner Verantwortung in diesem Krieg, denn zwei Männer unter seinem Befehl sind bei Kämpfen um Kundus gefallen. Dem Kundus, was dieser Tage von den Taliban einfach überrannt wurde. Sein Fazit ist dementsprechend ernüchternd:

 

»Ja, das deutsche Engagement in Afghanistan ist gescheitert.«

 

 

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (25) zu diesem Artikel

13.10.2015 | 01:26

alfred

Ob Afghanistan, Libyen, Irak, alle Kriege waren verlogen und unnütz...nur Opfer und Zahler.Wir sind mittlerweile beides. Wer so mit Steuergeldern umgeht und die Frechheit besitzt, für StassenschädenSonderabgaben zu fordern, gehört in den Knast. Wenn ein Normalbürger Gesetze bricht, wird er bestraft.Wer bestraft die politischen Täter ?Wer bestraft die verlogenen Leitmedien ?Jagt die verlogenen Amispitzel aus dem Land, wir brauchen sie nicht.Sie kosten uns die Freiheit.Sie bluten...

Ob Afghanistan, Libyen, Irak, alle Kriege waren verlogen und unnütz...nur Opfer und Zahler.
Wir sind mittlerweile beides. Wer so mit Steuergeldern umgeht und die Frechheit besitzt, für Stassenschäden
Sonderabgaben zu fordern, gehört in den Knast. Wenn ein Normalbürger Gesetze bricht, wird er bestraft.
Wer bestraft die politischen Täter ?
Wer bestraft die verlogenen Leitmedien ?
Jagt die verlogenen Amispitzel aus dem Land, wir brauchen sie nicht.
Sie kosten uns die Freiheit.
Sie bluten andere aus, um selbst zu profitieren.
Tante Merkel gehört eingesperrt und die, die sie stützen genauso.
Ich will hier keine Einwanderer ohne Papiere, die nur ihre Herkunft verschleiern....
Das Volk bestimmt, und ihre Vertreter haben die verdammte Pflicht, diesen Willen durchzusetzen
ansonsten brauchen wir keine Politiker..


11.10.2015 | 00:10

Thomas Wunderlich

Zitat Artikel: Keine Panzer, zu wenige gepanzerte Truppenfahrzeuge, keine Haubitzen, denn wo offiziell kein Krieg geführt wird, darf natürlich auch kein Kriegsgerät vor Ort sein, so die heuchlerische Logik d - Zitat Ende Das stimmt so nicht. Ich kenne jemanden persönlich, der war als Reservist vor Ort. Er sah deutsche Panzer, allerdings notdürtig mit der britischen Flagge überklebt....!!!!!!!!!!!!!!!!! Gruß www.DDRZweiPunktNull.de


10.10.2015 | 20:46

Hilmar Hohenstein - Einer vom PACK

Die Hauptsache,unsere Steuergelder wurden "sinnvoll" verplempert,während hierzulande Straßen,Brücken und sonstige Infrastruktur zum Teufel gingen.


10.10.2015 | 17:22

CEO2

Ich finde es sehr interessant und berechtigt, was der Herr Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat in der "welt" da gesagt hat. Ich fühle auch mit, wenn ein Oberst Rainer Buske, 61, ein Afghanistan-Veteran,offen über seine Verbitterung wegen der aktuellen Geschehnisse spricht. Wenn er hier stellvertretend für Hunderte Soldaten, die traumatisiert und an Leib und Seele verletzt nach Deutschland zurückkehrten steht und in der Gesellschaft keinerlei Anerkennung für...

Ich finde es sehr interessant und berechtigt, was der Herr Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat in der "welt" da gesagt hat. Ich fühle auch mit, wenn ein Oberst Rainer Buske, 61, ein Afghanistan-Veteran,offen über seine Verbitterung wegen der aktuellen Geschehnisse spricht. Wenn er hier stellvertretend für Hunderte Soldaten, die traumatisiert und an Leib und Seele verletzt nach Deutschland zurückkehrten steht und in der Gesellschaft keinerlei Anerkennung für ihre Geschichte findet. Nun kommts aber: Nur Beispielhaft an diese beiden Herren, hoffe, sie lesen hier genau mit (wovon ich ausgehe) Haben beide eigentlich nicht erkannt, daß spätestens seit August 2015 der Hindukusch, an dem weiland D "verteidigt" werden sollte, nun direkt hier im Inland liegt. Hier m u s s er nun wirklich verteidigt werden, sonst ists Schluss mit lustig. Ich sage nun nur noch in aller Bescheidenheit: Jedes Jahr wird in einem Staatsakt dem verdienstvollen Herrn Claus_Schenk_Graf_von_Stauffenberg gedacht, es werden Kasernen nach ihm benannt, so z.B. in Sigmaringen die graf stauffenberg kaserne. Hier kann man nachlesen, warum er so geehrt und anerkannt wird: https://de.wikipedia.org/wiki/Claus_Schenk_Graf_von_Stauffenberg. Und nun meine beiden Herren Offiziere, bedarf es nur noch eines ganz kleinen gedanklichen Schrittes, um zu erkennen, wie an dem jetzt hier im Inlande liegenden "Hindukusch" die volle Anerkennung auf Generationen hinaus erlangt werden könnte. Um mit Gerhard Schröder (den ich außer seiner Quatsche sonst gar nicht mag) ganz platt zu argumentieren: Ich sach ma, der Stauffi hatte man eben noch Eier in der Hose....... ha,ha, ha, ha, harr..........


09.10.2015 | 15:57

Petition: Jetzt Merkel-Regierung abwählen.

https://www.change.org/p/wir-fordern-den-r%C3%BCcktritt-der-bundeskanzlerin-dr-a-merkel-und-sofortige-neuwahl-der-bundesregierung-resignation-of-the-german-chancellor-dr-a-merkel-and-immediate-reelection-of-the-german-government?recruiter=23983843&utm_campaign=signature_receipt&utm_medium=email&utm_source=share_petition


09.10.2015 | 15:42

geneigter Leser

@Livia, Wir haben in Europa gar nichts geschafft! Wir haben nur Religion gegen politische Ideologie getauscht. Und gibts da nun wirklich einen Unterschied? Außer daß man die Völker so noch viel effektiver aufstacheln und gegeneinander hetzen kann? Und die (eine) monoteistische Wüstenreligion welche so gern die Welt beherrschen will gibt es immer noch. Infamer, verlogener und bösartiger als sie jemals zuvor war.

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