Dienstag, 28. März 2017
13.05.2016
 
 

Das Imperium im totalen Panikmodus: Behörden verneinen die Existenz von Atombomben im Jonastal

Thomas Mehner

Es war nicht anders zu erwarten: Nach einer ein paar Stunden andauernden Schockstarre rafften sich die politischen Verantwortlichen der Stadt Arnstadt und des Landkreises auf, um in einer gemeinsamen Stellungnahme die Existenz von Atombomben in einem bis dato unbekannten Stollensystem unter dem Areal des Hamsters, der sich unweit der bekannten Jonastalstollen befindet, als Fantasterei abzutun.

 

»Unmittelbar nach Eingang einer Kampfmittelverdachtsanzeige am 12.01.2016 hat die Stadt Arnstadt die notwendige Detailaufklärung in Gesprächen mit allen Beteiligten – insbesondere zur Verdachtsstelle – durchgeführt. Daraufhin fand am 08.02.2016 eine großflächige Untersuchung der vom Anzeigenerstatter markierten Verdachtsstelle durch eine Fachfirma mit modernster Technik statt. Letztendlich gab es keinerlei Hinweise im Sinne einer Erhärtung oder gar einer Bestätigung des vom Anzeigenerstatter gemeldeten Kampfmittelverdachts«, war in der offiziellen Entgegnung zu lesen, die Sie hier finden können und die wohl einzig und allein dem Zweck diente, den MDR-Thüringen-Journal-Beitrag vom 10. Mai zu entschärfen.

Höchst seltsam nur, dass nach den mir vorliegenden Informationen die zuständigen Stellen den genauen Ort, an dem die Bomben beziehungsweise bombenförmigen Körper lokalisiert wurden, gar nicht kennen.

 

Weder der die Untersuchungen durchführende Ingenieur Peter Lohr noch ein anderer in vorderster Front Beteiligter haben bisher die exakten Koordinaten preisgegeben. Weshalb sie auch von den Behörden mit Terminsetzung zur Preisgabe aufgefordert wurden (!), was übrigens durch entsprechenden Schriftverkehr beweisbar ist und darüber hinaus auch durch einen Bericht der Thüringer Allgemeinen vom 11. Mai bestätigt wurde, in dem es hieß: »Nach Darstellung des Ilmkreises wurde jedoch der Chemnitzer Hobbyforscher aufgefordert, bis 27. Mai die genauen Koordinaten jener Stelle zu nennen, an der er mit einem Bodenradar fünf Atombomben geortet haben will. Bisher habe der Mann einen zu großen Bereich genannt.«

 

Wie passt das mit der behördlichen Stellungnahme zusammen? Richtig: gar nicht! Was aber weder den Bürgermeister von Arnstadt (Alexander Dill) noch die zuständige Landrätin (Petra Enders) daran hinderte, ihr Pamphlet in die Welt zu setzen. Ich muss hier nicht erläutern, was ich von derartigen Machenschaften halte. Das Ganze spricht für sich selbst!

 

Übrigens sollte Frau Enders seit langen Jahren über die Problematik »Jonastal« informiert sein, hatte ich sie doch vor mehr als einem Jahrzehnt einmal zu diesem Thema gesprochen, wobei sie mir schon damals einen überforderten Eindruck machte.

 

Gewiss: Die hiesigen Politiker, die allen Ernstes glauben, den Bürger bei allen möglichen Gelegenheiten gängeln und bevormunden zu können, sind beim Thema »deutsche Atombombe« dermaßen komplett irritiert, dass sie nur eine Lösung sehen: alles in Bausch und Bogen abzulehnen und als Fantasterei zu titulieren (willfährige Helfershelfer finden sich dafür immer).

 

Sie sind bei diesem Thema nicht nur überfordert, sondern schlichtweg inkompetent – und das in einem so erschreckenden Maße, das man denjenigen zustimmen muss, die behaupten, dass man ihr Geschwätz in seiner Gesamtheit prinzipiell nicht ernst nehmen darf.

 

Sie verfügen allerdings über einen klaren Vorteil, um ihre Inkompetenz zu verschleiern: Sie können sich hinter Bestimmungen, Regelungen, Gesetzen, Anordnungen und anderen bürokratischen Auswüchsen verstecken in der Hoffnung, dass ihnen niemand zu nahekommt. Staatsmänner von Format, die es ja in Deutschland leider nicht mehr gibt, wüssten sicherlich, was im Falle einer möglichen Gefährdungssituation zu tun wäre. Doch so wird in Thüringen Vogel-Strauß-Politik betrieben: Der Kopf wird in den Sand gesteckt in der Hoffnung, dass einem niemand in den Allerwertesten tritt.

 

Verwunderlich ist deshalb auch nicht, dass das Areal des Jonastals und der angrenzenden Bereiche vor ein paar Jahren zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Einfältige Naturen mögen ruhig glauben, dass es dabei um ein paar seltene Pflanzen- und Tierarten ging. In Wirklichkeit dürften ganz andere Gründe eine Rolle gespielt haben, die mit dem, was unter der Erde liegt, zu tun haben.

 

Nicht umsonst hieß es in der oben genannten Stellungnahme: »Seitens der Landrätin Petra Enders wird explizit darauf hingewiesen, dass es sich beim benannten Gebiet um ein Naturschutzgebiet handelt. ›Hier gilt die Naturschutzgebietsverordnung. Das heißt: Das Verlassen der Wege ist streng untersagt. Gleiches gilt für Grabungen, Bohrungen und für jegliche Eingriffe in die geschützte Natur. Zuwiderhandlungen werden geahndet.‹«

 

Fein ausgedacht: Nachforschungen sollen unterbunden werden, Neugierige abgeschreckt werden. Indes: Es geht um mehr, sodass die Behördenvertreter nicht darauf vertrauen dürfen, dass sich die Angelegenheit schon irgendwie von selbst erledigen wird. Und für den Fall, dass der Großraum Jonastal eines Tages von einem schwerwiegenden Ereignis betroffen werden sollte, kennen Sie und ich jetzt schon einmal zwei der dafür Verantwortlichen.

 

 

 

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