Monday, 21. May 2012
16.12.2011
 

Es bleibt dabei: »Die Unzufriedenen tragen blau!«

Thomas Mehner

Nachbemerkungen zu meinem Artikel bei Kopp Online vom 24. November 2011

Der Autor dankt hiermit allen, die sich nach Erscheinen des Artikels »Die Zeit ist reif – ›Aktion: Die Unzufriedenen tragen blau!‹ Setzen wir ein Zeichen gegen Unvernunft, Gier, Wahnsinn und die Dummheit unserer Eliten!« bei ihm meldeten. Dass diese Aktion notwendiger denn je ist, beweisen die Ereignisse der vergangenen Tage.

Die Reaktionen auf den Artikel waren erstaunlicherweise durchweg positiv. Auch wenn ich es noch nicht geschafft habe, all denjenigen, die mir geschrieben haben, persönlich zu antworten, ist doch aber in jedem Fall gut zu erkennen, dass die hierzulande herrschende Stimmung keine positive ist. Die Unzufriedenheit wächst angesichts der politischen Zustände und der Lügen, die durch die Establishment-Medien jeden Tag aufs Neue unters Volk gebracht werden. Etwas Positives hat das

Ganze aber doch: Das Fass wird langsam aber sicher zum Überlaufen gebracht werden – mit im Moment noch unabsehbaren Folgen.

Einige Zuschriften befassten sich mit der Frage, ob man statt blau nicht lieber eine andere Farbe verwenden sollte. Mich erinnert diese Diskussion an Erbsenzählerei, denn im Nachhinein eine Veränderung vornehmen zu wollen, ist nicht nur ungeschickt, sondern auch wenig sinnvoll. Schwarz und weiß sind bekanntermaßen keine Farben, sondern (physikalische) Zustände. Gelb, rot und grün sind Farben, die hierzulande gewisse politische Parteien charakterisieren und deshalb komplett ausfallen. Dasselbe gilt natürlich für braun. Nun mag es sein, dass manche mit dem Blau nicht einverstanden sind, weil es die Farbe der EU ist, aber ich gebe zu bedenken, dass hier ein breites Spektrum existiert: Verwenden Sie einfach ein hellblaues, wasser- oder ozeanblaues Armband, wenn Ihnen die dunkelblaue Farbe (die manche an die EU beziehungsweise an die Freimaurer erinnert) nicht zusagt. Damit dürfte das Problem gelöst sein.

Wichtig zu wissen ist, dass die Aktion »Die Unzufriedenen tragen blau!« sich selbst tragen muss, das heißt: Sie lebt von denjenigen, die das Armband verwenden und die Familienmitgliedern, Freunden, Bekannten und Kollegen den Grund dieser stillen Protestmaßnahme verkünden. Niemand darf angesichts der heutigen Informationsüberflutung erwarten, dass sich die Angelegenheit ohne Zutun des Einzelnen »einfach so« verbreiten wird. Etwas Mühe muss man sich schon geben, damit die Landsleute aufwachen und endlich begreifen, was vor sich geht. Das Ganze hat den Vorteil, dass sich kleine Gruppen bilden, die mit der Zeit (hoffentlich) wachsen und damit größere Einheiten entstehen lassen. Solches Wachstum ist gesund und der Garant für eine langfristige Existenz der Bewegung.

Im Moment versuchen Politik und Medien von den großen Problemen, von denen ich einige in meinem ersten Artikel nannte, abzulenken, indem man den Fokus des allgemeinen Interesses von den USA und Europa wegschwenkt und den Schwarzen Peter Pakistan, dem Iran und Russland zuschiebt. Offensichtlich sollen wir so auf einen Krieg gegen zumindest die ersten beiden genannten Nationen konditioniert werden. Russland will man offensichtlich durch einen »revolutionären Frühling« von innen her aufweichen, indem man nun unisono seitens des Westens behauptet, es hätte erhebliche Unregelmäßigkeiten bei den vor Kurzem stattgefundenen Wahlen gegeben. Dumm nur, dass das Gerede von Wahlfälschungen von einer Organisation stammt, die im Auftragssold der Amerikaner steht. Diese so genannte unabhängige Wahlbeobachtungskommission Golos wurde vom U.S. State Department für den Müll bezahlt, den sie verbreitet! Zudem darf daran erinnert werden, dass die USA, die jetzt Aufklärung fordern (wie niedlich!), doch selbst mit gutem Beispiel vorangegangen sind. Man denke an den nachgewiesenen Betrug, der den US-amerikanischen Kriegstreiber George W. Bush ins Präsidentenamt brachte. Ich habe niemals davon gehört, dass die Russen dazu eine Aufklärung gefordert hätten. Oder habe ich da etwas verpasst?

Zudem: Wir wissen es doch alle: Der Wahlbetrug ist überall akut und nur eine Frage der Definition. Die einen beeinflussen das unmittelbare Wahlergebnis, um ans Ruder zu kommen, die anderen machen ihren Wählern Versprechungen, die nicht haltbar sind. Die Deutschen mögen sich erinnern: Da gab es mal eine Partei, die im Wahlkampf mit dem Versprechen antrat, dass die Mehrwertsteuer nicht steigen werde, um diese dann kurz nach der Wahl gleich um drei Prozent zu erhöhen. Ich meine: Betrug bleibt Betrug!

Zurück zu »Putins Reich«: Man sollte wissen, dass die beiden Aspekte »Russland« und »Demokratie« niemals zusammengehen werden. Die Geschichte des Riesenlandes ist die von mehr oder weniger moderaten Diktaturen, die dann, wenn sie herrschten, diese Nation erstarken ließen. Freilich: Der Einzelne hatte oft wenig bis nichts zu lachen, wenn er opponierte. (Aber hat er das bei uns? Organisieren Sie mal eine nicht angemeldete Demonstration, dann sehen Sie, was dabei herauskommt!) Und seien wir doch einmal ehrlich: Wenn die Verantwortlichen des Westens davon faseln, sie wollten für Russland »demokratische Verhältnisse« erreichen, dann kann einem nur übel werden, muss man doch davon ausgehen, dass dann dieselben unhaltbaren Zustände auch dortzulande einziehen sollen, die bei uns bereits herrschen. Schließlich erschöpft sich eine Demokratie für ihre Bürger nicht darin, dass man alle Jubeljahre mal auf irgendeinem Zettelchen ein Kreuzchen macht, sondern eine wahre Demokratie gibt Otto Normalverbraucher die Möglichkeit der politischen Teilhabe. Doch davon merkt man in den vergangenen Jahren kaum noch etwas, stattdessen werden alle wichtigen Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg getroffen – von Leuten, die nicht im Geringsten dazu legitimiert sind und demzufolge wie die kleinen Diktatoren erscheinen. Klein deshalb, weil ihnen wahre Größe fehlt.

Was Russland anbetrifft, so hat sich der doppelzüngig agierende Westen aus den inneren Angelegenheiten des Landes herauszuhalten. Vor allem aber die bundesrepublikanischen Dampfplauderer müssen den Mund halten, denn wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Oder haben da einige schon vergessen, dass, wenn die Russen ein paar Energielieferungen einstellen, bei uns die Preise explodieren und es ziemlich dunkel werden könnte? Aber so sind die Neunmalklugen: Sie schlagen auf die Hand, die sie füttert. Intelligenz sieht anders aus.

Ich will an dieser Stelle nur noch ein Thema aufgreifen: das des Geredes über einen bevorstehenden Krieg gegen den Iran. Ich bin zugegebenermaßen beinahe fassungslos, mit welcher Selbstverständlichkeit von einem solchen Krieg gesprochen und geschrieben wird, der – sollte er stattfinden – einen Weltenbrand auslösen kann. Das Schlimme daran ist, dass ganz offen sogar der Einsatz nuklearer Waffen erwogen wird, was beweist, dass diese Welt dem Wahnsinn verfallen ist. Man muss das iranische Regime nicht mögen, aber doch zumindest erkennen, was eine militärische Attacke in dieser Region provozieren kann. Statt weiter nach Verhandlungslösungen zu suchen, wird nun massiv gedroht. Seltsam nur, dass der Iran als so gefährlich gilt, wo ihm doch bisher keine Atomwaffen nachgewiesen werden konnten. Noch seltsamer ist aber, dass Israel über 200 dieser Waffen im Bestand hat und dieseTatsache das Normalste der Welt zu sein scheint. Ganz zu schweigen von den USA, die mehrere tausend Nuklearsprengköpfe ihr eigen nennen.

Nun, »normal« ist das Ganze schon, wenn man denjenigen Nationen, die sich selbst überhöhend als Demokratien und Rechtsstaaten bezeichnen, einmal die Maske vom Gesicht zieht. Was man dann darunter erkennt, ist oftmals die bösartige Fratze von Neo-Kolonialmächten, die seit einiger Zeit darauf aus sind, neue Abhängigkeitsstrukturen zu schaffen. Jede Nation auf Erden, die über entsprechende Rohstoffvorräte verfügt und noch nicht dem westlichen Einfluss erlegen (besser: unterlegen) ist, muss künftig damit rechnen, als »Reich des Bösen« diffamiert, erobert und anschließend »demokratisiert« zu werden. Man sollte in diesem Zusammenhang keinesfalls vergessen, dass Globalisierung nichts anderes bedeutet als US-Weltherrschaft (das sagte zumindest Henry Kissinger). Und dass die Europäer, die für die Amerikaner ja nur Vasallen sind, dazu keine andere Meinung haben, liegt in der Natur der Sache. Es wird höchste Zeit, sich von den Amerikanern zu emanzipieren und sie auch in Deutschland vor die Tür zu setzen.

Ich meine, dass die großen Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, nicht mehr lange auf sich warten lassen werden. Indes: Es ist noch nicht aller Tage Abend und die Karten werden eines schönen Tages neu gemischt. Und für den Fall, dass einige Verrückte tatsächlich auf die Idee kommen sollten, den Iran (oder andere Staaten) angreifen und Nuklearwaffen einsetzen zu wollen, müssen diese damit rechnen, selbst vernichtet zu werden. Immerhin: Atomwaffen sind keineswegs das Nonplusultra, es gibt seit langer Zeit Besseres. Und dieses Bessere ist nicht unbedingt im Besitz derjenigen, die glauben, sie seien die Herrscher der Welt. Und das ist gut so.

 

 


 

 

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