Wednesday, 27. July 2016
10.03.2016
 
 

Gläubige für Umfrage gesucht: Forsa sieht Grün-Rot in Baden-Württemberg

Torben Grombery

Laut dem Meinungsforscher Forsa kann Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Zustimmungswerte ganz aktuell auf ein Rekordhoch steigern. Erst vor wenigen Tagen hat Forsa eine deutliche Mehrheit für Rot-Schwarz mit der SPD als stärkerem Partner für die Kommunalwahl in Frankfurt prognostiziert – es kam ganz anders. Jetzt reicht es laut den Demoskopen wieder für Grün-Rot in Baden-Württemberg. Das hat übrigens rein gar nichts damit zu tun, dass der Forsa-Gründer seit 1964 Mitglied der SPD ist.

 

Das in Berlin ansässige Meinungsforschungsinstitut Forsa wurde 1984 in Köln von Professor Manfred Güllner gegründet und befindet sich seither im Besitz der Gründerfamilie. Forsa wirbt damit, das »Institut mit den präzisesten Prognosen in Deutschland« zu sein.

 

Gründer und Eigentümer Güllner ist seit 1964 bekennender Sozialdemokrat und laut Spiegel aus dem Jahre 2007 seit Jahrzehnten mit Gerhard Schröder befreundet:

 

»Nur einen wirklichen Helden gibt es für Güllner bei der SPD: Das ist Gerhard Schröder. Mit ihm ist er seit Jahrzehnten befreundet. Er beriet Schröder während dessen Kanzlerschaft und in den Wahlkämpfen. ›Schröder hat durch seine Bindekraft den Niedergang für einige Jahre übertüncht‹, sagt er. Seit dessen Abwahl setze sich der Abwärtstrend der SPD fort.

Im Berliner Willy-Brandt-Haus sieht man das naturgemäß anders. Dort wirft man Güllner hinter vorgehaltener Hand vor, er sei beleidigt, weil er nach der Abwahl seines Kumpels Schröder Regierungsaufträge verloren habe.

Güllner weist das zurück. Forsa habe während der rot-grünen Koalition 600 000 Euro pro Jahr für Umfragen vom Bundespresseamt erhalten. Danach sei der Betrag auf ›weniger als die Hälfte‹ gekürzt worden. Doch dies habe mit seiner jetzigen Arbeit nichts zu tun.«

Und in der Tat stand Forsa-Chef Güllner in der Vergangenheit zumeist mit Anhängern des linken Flügels der SPD auf Kriegsfuß. So gab dieser beispielsweise Mitte 2010 den Lübecker Nachrichten ein Interview, in dem er über den damaligen SPD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, feststellte: »Er wird, mit Verlaub, von den Menschen als Kotzbrocken wahrgenommen.«

 

Auf noch wesentlich größerem Kriegsfuß scheint Güllner jedoch mit der Partei Alternative für Deutschland (AfD) sowie deren Anhängern und Wählern zu stehen, wie der Deutschlandfunk noch Anfang Januar berichtet:

»Wird das Wahljahr 2016 ein Erfolg für die AfD? Einen Stimmenzuwachs für die Partei gebe es nicht, sagte der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, im DLF. AfD-Wähler seien ›keine normalen Menschen‹, sondern Anti-Demokraten.«

Politische Neutralität steht für Meinungsforscher Professor Manfred Güllner offenkundig nicht zur Diskussion – und dabei bleibt er seiner Linie treu: »Im Prinzip ist es richtig, die AfD anzugreifen und auszugrenzen. Diese Partei und ihre Anhänger sind unbelehrbar, mit denen können Sie nicht diskutieren«, bekräftigte Güllner noch Mitte Februar im Handelsblatt.

 

Nun zurück zum Hauptaufgabengebiet von Meinungsforschern, dem »Erforschen« von vermeintlich absehbaren Wahlergebnissen im Vorfeld von Wahlen. So prognostizierten die Berliner Meinungsforscher noch kurz vor der Kommunalwahl für die Mainmetropole Frankfurt eine deutliche Mehrheit für Rot-Schwarz mit der SPD als stärkerem Partner.

 

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Blattes Frankfurter Neue Presse taxierte die SPD bei 29 Prozent und die CDU bei 28 Prozent. Die AfD kam demnach auf 6 Prozent. Bei einer Wahlbeteiligung von 39,0 Prozent lautet das vorläufige Ergebnis für die genannten Parteien in Frankfurt wie folgt:

 

● SPD: 23,8 Prozent (2011: 21,3 Prozent)

● CDU: 24,1 Prozent (2011: 30,5 Prozent)

● AfD: 8,9 Prozent (2011: nicht angetreten)

Das ist jede Menge Wasser auf die Mühlen der Kritiker von Umfrageinstituten und Wahlumfragen im Vorfeld von Wahlen. Nicht nur in diesem Lager ist man fest davon überzeugt, dass Wahlprognosen von Meinungsforschern lediglich dazu dienen, die Wähler entsprechend zu beeinflussen.

 

Das wiederum funktioniert nur exakt so lange, wie eine stattliche Anzahl an Wählern sich beeinflussen lässt. In der jüngsten Vergangenheit scheint das Vertrauen der Menschen in diese Umfragen mehr und mehr zu schwinden.

Beispiel Wien: Bei den letzten Landtags- und Gemeinderatswahlen in der österreichischen Hauptstadt Wien wurde von den Meinungsforschungsinstituten im Vorfeld beharrlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der SPÖ und der FPÖ vorhergesagt.

 

Diese Prognosen dienten laut Kritikern dem einzigen Ziel, wahlmüde Anhänger der SPÖ zur Wahlurne zu bewegen, um einen Sieg der unliebsamen FPÖ nach deren Erdrutschsieg in der Steiermark für Wien zu verhindern (gerade noch einmal gut gegangen). Die Meinungsforscher gelten seither dennoch als größte Verlierer der Wahl.

 

Nur wenige Tage vor dem Superwahlsonntag in Deutschland steht das Bundesland Baden-Württemberg vor einem historischen Wahlergebnis und Grün-Rot hat urplötzlich wieder eine Mehrheit – prognostiziert von Forsa. Im Mainstream dürfen wir dazu lesen:

»Dank ihres Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann steuern die Grünen in Baden-Württemberg bei der Landtagswahl am Sonntag auf ein historisches Ergebnis zu: Erstmals könnten sie Umfragen zufolge in einem Landesparlament zur stärksten Kraft werden. Kretschmann kann demnach mit seiner Wiederwahl rechnen. Und plötzlich reicht es sogar wieder für Grün-Rot.«

Wir können es kaum abwarten und sind hochelektrisiert vor Anspannung. Zumindest mit seiner Meinung über diverse SPD-Politiker trifft der Forsa-Chef gelegentlich den Nagel auf den Kopf.

 

Die KOPP-Redaktion wird den Superwahlsonntag mit diversen Hintergrundberichten und einem Echtzeitticker begleiten.

 

 

 

 

 

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