Montag, 5. Dezember 2016
24.09.2015
 
 

Wähler zu dumm oder zu betrunken: Spiegel möchte weniger Demokratie wagen

Torben Grombery

Über den Geisteszustand von Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer haben viele schon Anfang 2012 spekuliert, als dieser das italienische Volk mit Francesco Schettino, dem Kapitän der Costa Concordia verglich. Jetzt hat er wieder nahezu ein ganzes Volk abqualifiziert – diesmal sein eigenes. Weil die Krakeeler vom Pegidisten an abwärts zu dumm, desinteressiert oder zu betrunken seien, am Wahltag aus dem Bett zu finden, beklatscht Fleischhauer die alarmierend sinkende Wahlbeteiligung und regt offen an, künftig weniger Demokratie zu wagen.

 

Im Januar 2012 hat Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer in seiner Kolumne »Der Schwarze Kanal« auf Spiegel Online einen Beitrag mit der Überschrift »Italienische Fahrerflucht« veröffentlicht, der seinerzeit nicht nur bundesweit für heftiges Kopfschütteln sorgte. So schrieb Fleischhauer unter anderem:

»Volkscharakter sei eine Erfindung von gestern, lernen wir schon in der Schule, Klischees über Nationen hätten ausgedient. Aber ist das wirklich so? Unzeitgemäße Gedanken anlässlich der Irrfahrt eines italienischen Kapitäns.

Hand aufs Herz: Hat es irgendjemanden überrascht, dass der Unglückskapitän der Costa Concordia Italiener ist? Kann man sich vorstellen, dass ein solches Manöver inklusive sich anschließender Fahrerflucht auch einem deutschen oder, sagen wir lieber, britischen Schiffsführer unterlaufen wäre?«

Als direkte Reaktion auf diesen Beitrag empfahl der italienische Botschafter in Deutschland prompt, »die Verallgemeinerungen aufgrund der Rasse lieber bleiben zu lassen« und kritisierte den Artikel von Fleischhauer als »vulgäre und banale Behauptungen«.

 

Ferner hat dieser unpassende Beitrag zu einem erbitterten Medienstreit geführt, den beispielsweise der Chefredakteur des italienischen Blattes il Giornale kurz darauf mit einem ebenso unsäglichen Ausschwitz-Vergleich beantwortet hat.

 

Im Zuge sinkender Verkaufszahlen, Budgetkürzungen sowie drohender Entlassungen auch im redaktionellen Bereich beim Spiegel hat deren neuer Chefredakteur Klaus Brinkbäumer kürzlich treffend festgestellt:

»Wir beim Spiegel haben zu lange geglaubt, auf Kritik nicht reagieren zu müssen. Das war ein Fehler. Als ich 1993 hier angefangen habe, hatte der Spiegel ein Verständnis von sich als Leuchtturm, der der Republik den Weg weist – aber selbst über den Dingen steht.«

Das wiederum hat Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer wohl noch nicht so richtig realisiert, der in seiner neuesten Kolumne die stetig sinkende Wahlbeteiligung frenetisch beklatscht, weniger Demokratie wagen will und fürchterlich arrogant auf das »Subproletariat« einhaut.

 

Bei den letzten Oberbürgermeisterwahlen in Nordrhein-Westfalen sind nicht wenige der obersten Repräsentanten der dortigen Städte, Kommunen und Gemeinden mit weniger als 30 Prozent Wahlbeteiligung ins Amt »gewählt« worden.

 

So kann sich beispielsweise der demokratisch gewählte Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda (SPD) der Ruhrgebietsstadt Herne – immerhin einer Stadt mit mehr als 150 000 Einwohnern sowie mehr als 120 000 Wahlberechtigten – jetzt noch auf einen Rückhalt von rund 16 Prozent im gesamten Wahlvolk berufen. Nach Fleischhauers Verständnis ein zukunftsträchtiges Modell.

 

Nicht wesentlich erfreulicher war die Beteiligung der wahlberechtigten Menschen an der letzten Landtags- und Kommunalwahl im kleinsten Bundesland Bremen. So haben an der Wahl zur Bremischen Bürgerschaft/Landtag im Wahlbereich der Seestadt Bremerhaven lediglich noch 33 948 Wähler teilgenommen, was einer Wahlbeteiligung von 40,5 Prozent entspricht.

 

Das alles empfindet Spiegel-Kolumnist Fleischhauer also als nicht so besorgniserregend, sondern verbreitet in seiner letzten Kolumne unter anderem die steile These, dass wir genau dafür dankbar sein sollten:

»Dass unser System relativ stabil ist, verdanken wir nicht zuletzt der Tatsache, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der Wählerschaft zu desinteressiert oder zu betrunken ist, um am Wahltag aus dem Bett zu finden.

Wir sollten über sinkende Wahlbeteiligung nicht klagen, sondern dafür dankbar sein. Wenn alle Leute ihre Stimmen abgeben würden, die dazu berechtigt sind, wären in Deutschland nicht nur gemäßigte Kräfte im Bundestag vertreten.«

Das von Fleischhauer zitierte Subproletariat, also die zu dummen, zu desinteressierten oder zu betrunkenen Krakeeler und Pöbler vom Pegidisten an abwärts, die am Wahltag seiner Auffassung nach glücklicherweise nicht aus dem Bett finden, haben das seinerzeit bei der wegen Wählertäuschung erforderlich gewordenen Nachwahl im Duisburger Stimmbezirk 1002 (Bruckhausen-Ostacker) wohl noch nicht so richtig mitbekommen.

 

Denn an dieser erforderlich gewordenen Nachwahl haben tatsächlich noch zwölf Prozent der Wahlberechtigten teilgenommen – also ganz nach dem Geschmack von Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer. Von den Teilnehmenden haben allerdings dann 25 Prozent die NPD und mehr als acht Prozent PRO NRW sowie rund fünf Prozent DIE LINKE gewählt.

 

Glücklicherweise hat Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer die Meinungsfreiheit in seinem »Schwarzen Kanal« noch nicht in Gänze abgeschafft – es durfte für wenige Stunden noch kommentiert werden.

 

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (82) zu diesem Artikel

01.10.2015 | 18:09

Horst Schmeil

Deutschland ist das Land der Dichter und Denker - leider ist es nur so, dass diese Dichter und Denker durch die neue "Elite" der Hetzer und Schwätzer" nicht mehr zugelassen werden. Nach dem Flüchtlingshype können wir als denkende Menschen nur noch warten, bis diese Hetzer und Schwätzer feststellen: "Der Mohr hat seine Schuldigkweit getan.":


29.09.2015 | 18:31

Hans

In der BRD mussten die Nichtwaehler den Kanzler waehlen.


27.09.2015 | 14:32

Heinz

Man muss Fleischhauer verstehen. Er schreibt das, was seine Geldgeber ihm vorschreiben. Wir müssen langsam einsehen, dass wir zwar im Grundgesetz eine Pressefreiheit zu stehen haben, wir faktisch aber keine freie Presse haben.


26.09.2015 | 08:54

Arkus

Es ist doch schon längst allgemein bekannt welche Interessen Bild, Spiegel und andere Medien vertreten und vor allem Kurbjuweit als Journalist. Auch Fleischhauer gehört dazu. So vertrottelt muss ein Deutscher noch sein, wenn er seine »persönliche Interessen zurückstellt und für die Allgemeinheit ein Opfer bringt«. Diese Vorstellung vom Vizechefredakteur dieses Magazins und anderer Journalisten aus diesem Hause, stellen einem demokratiebewussten Bürger die Haare zu Berge!!Er, der...

Es ist doch schon längst allgemein bekannt welche Interessen Bild, Spiegel und andere Medien vertreten und vor allem Kurbjuweit als Journalist. Auch Fleischhauer gehört dazu. So vertrottelt muss ein Deutscher noch sein, wenn er seine

»persönliche Interessen zurückstellt und für die Allgemeinheit ein Opfer bringt«.

Diese Vorstellung vom Vizechefredakteur dieses Magazins und anderer Journalisten aus diesem Hause, stellen einem demokratiebewussten Bürger die Haare zu Berge!!

Er, der Deutsche weiß nämlich ganz genau wie Demokratie funktioniert und dass dieses Opfer nur für die Interessen der Hintermänner der Systemmedien und diesen Kurbjuweit gedacht sind UND NICHT FÜR DIE ALLGEMEINHEIT!! Und somit auch entlarvt ist als eine Diktatur der Eliten.

Diese Interessen die ALLEIN für die Eliten gedacht sind die da lauten:
Unter den Deckmantel des Friedenschaffens, dem Deckmantel der besseren Menschwerdung und unter dem Deckmantel des neuen Weltfriedens machte sich eine kleine Elite daran, die Zentralregion der westlichen Kultur-Welt unter ihre Fittiche zu bekommen. Sie haben es geschafft: Die Ideologie des Grafen Kalergi ist im totalen Umsetzungsprozess und lebt ganz honorig im heutigen Karlspreis fort, der eigentlich Coudenhove-Kalergi-Preis heißt und besonders an Politiker, Staatsmänner und Prominente verliehen wird, die sich im Sinne Kalergis um eine totale Einheit Europas verdient gemacht hatten (Kohl, Merkel z.B.).Im fanatisch verfolgten Plan des Buches "Praktischer Idealismus" liest man so gar von der "Negroisierung Europas" zu einer verdummten Masse, um sie besser durch genau diese gottgleichen, auserwählten Eliten besser beherrschen zu können.

Denn Europa ist der wichtigste Schlüssel für ein Paneuropa von Wladiwostok bis nach San Francisco. Deshalb ist die Strategie der transatlantischen Think-Tanks, Organisationen und Politiker auch darauf ausgerichtet, eine "Rettung" durch die USA notwendig zu machen und Russland vollständig zu unterwerfen.

Für die -ALLGEMEINHEIT-, da kriegt man einen hysterischen Lachkrampf bei so viel Hinterlistigkeit und unberechtigt überheblichen Glauben dieser Elite, an die Blödheit der Menschen.


25.09.2015 | 14:10

ctzn5

schliesslich sind sie ja auch kein vollidiot.


25.09.2015 | 13:54

willy_winzig

@Knochenkotzer um 13:15| Nein, aber ich lasse mich nicht von Leuten aus dem Parteien-Kartell zu sinnlosen Gewalttaten aufhetzen. Und ich werden wählen gehen, aber nicht die etablierten Parteien whlen! Ich hoffe die Mehrheit der Nichtwähler wird diesen Beispiel folgen, dann dürfen die Piltibonzen endlich die "Früchte" ihrer Politik ernten!!!

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