»Liberale« Muslima nahm Geld von Gaddafi-Organisation
Udo Schulze
Beim Hörfunksender MDR Figaro hatte der bekannte Journalist und Buchautor Udo Ulfkotte am Sonntag in der Sendung »Cafe« interessante Gesprächspartner zu den Thesen Thilo Sarrazins. Doch das Interessante waren nicht die Diskussionsbeiträge der Gäste, sondern ihre persönlichen Hintergründe.

Neben Ulfkotte nahm auch die liberale Muslima Lamya Kaddor an der Livesendung teil. Immer wieder betonte sie ihren Liberalismus im Umgang mit den Religionen, verschwieg allerdings ein Detail, das erst zur Sprache kam, als Ulfkotte es anschnitt. Kaddor steckt seit Juli 2008 in einer juristischen Auseinandersetzung mit dem Centrum für Religiöse Studien der Universität zu Münster (Nordrhein-Westfalen). Nach einem Bericht der Münsterschen Zeitung soll die ehemals am Centrum angestellte Kaddor Forschungsgelder veruntreut haben. Zudem berichten die Westfälischen Nachrichten davon, dass es sich möglicherweise um eine Kampagne gegen Kaddor handelt, in die auch ihr ehemaliger Vorgesetzter Sven Kalisch involviert sein soll. Ein Vergleich vor dem Landgericht Münster endete mit der Verpflichtung Kalischs, die Behauptung über Kaddor nicht mehr zu verbreiten. Anlass des Rechtsstreits war eine E-Mail, die Kalisch rund drei Monate nach dem Ausscheiden der Muslima aus dem Centrum für Religiöse Studien an zahlreiche Adressaten versendet haben soll.
Nach Angaben der Borkener Zeitung unsd der Münsterschen Zeitung hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Untreue gegen Frau Kaddor erhoben. Allerdings ist noch unklar, ob diese Anklage auch durch das Gericht zugelassen wird. Den Anschuldigungen zufolge soll Kaddor im Wesentlichen von der Organisation World Islamic Peoples Leadership (WIPL, Gründer ist Muammar al-Gaddafi) 20.000 Euro zur Organisation der Veranstaltung »Münsteraner Gespräche der Muslime II« in bar erhalten haben. Das Geld, so der Vorwurf, soll sie in ihrem privaten Bankschließfach deponiert haben. Desweiteren soll sich Lamya Kaddor weitere 5.500 Euro durch den Abschluss von Honorarverträgen an der Universität Münster angeeignet haben.
Muammar al-Gaddafi, der bereits in den 80-er Jahren den damaligen Eishockey-Bundesligisten ECD Iserlohn reichlich dafür belohnen wollte, dass die Spieler auf ihren Trikots Werbung für sein »Grünes Buch« (eine Art »Mein Kampf« auf Arabisch) machten, galt über Jahrzehnte hinweg international als Terrorunterstützer. Dass eine liberale Muslima Geld von einer durch Gaddafi gegründeten Organisation – gleich zu welchem Zweck – annimmt, gibt Anlass zu erheblichen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Frau. In der Hörfunksendung des MDR antwortete sie gegenüber Udo Ulfkotte, das Geld gehöre jetzt der Universität.
Ganz anders wurde der verstorbene österreichische Politiker Jörg Haider in einer so delikaten Frage behandelt. Auch ihm wurde vorgeworfen, Gelder von einer Gaddafi-Stiftung erhalten zu haben, wobei es sich in diesem Fall lediglich um Gerüchte und nicht um staatsanwaltschaftliche Ermittlungen handelte. Dennoch wurde der ehemalige Landeshauptmann (vergleichbar mit einem deutschen Ministerpräsidenten) sofort – im Gegensatz zu Kaddor - zur Ausgeburt des Bösen erklärt.
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