»Loveparade«: Asbest, Computersimulationen und eine Katastrophenübung
Udo Schulze
Die schrecklichen Ereignisse der »Loveparade« von Duisburg und kein Ende. Während die Verantwortlichen in Verwaltung, Politik und beim Veranstalter noch immer ein schamloses Spiel um die Schuldfrage betreiben, kommen derzeit immer mehr Einzelheiten über den »Todessamstag« ans Tageslicht. Die »Qualitätsmedien« schweigen hingegen zu wichtigen Details.

Kopp-online vorliegenden Informationen zufolge sollen einige Besucher der Parade vom 24. Juli inzwischen eigenständig Ärzte aufgesucht haben, weil sie über starke Übelkeit und Luftnot klagten. Die Diagnosen: Offensichtlich leiden die Patienten an einer Asbest-Vergiftung. Woher diese genau stammt, ist noch völlig offen, fest steht allerdings, dass die Raver unabhängig voneinander die Parade besucht haben sollen. Immerhin wurde das Gelände des alten Güterbahnhofs in Duisburg über Jahrzehnte hinweg auch von unterschiedlichen Firmen genutzt. Welche Stoffe und Güter dort genau umgeschlagen wurden, ist heute offenbar nicht mehr genau nachzuvollziehen. Nach Angaben von Duisburgs Polizeisprecher Ramon van der Maat habe dort »immer nur normale Güterabfertigung« stattgefunden.
Unterdessen scheinen die Katastrophen-Daten der Todesparade auch außerhalb Duisburgs auf erhebliches Interesse gestoßen zu sein. Im nicht weit entfernten Jülich arbeiten Wissenschaftler am dortigen Forschungszentrum derzeit an einer Computersimulation zur Steuerung von Menschenmassen. Bislang hatte das Ganze allerdings einen neuralgischen Punkt: Es lagen keine sogenannten Echtdaten vor, also Daten von tatsächlichen Ereignissen. Seit dem 24. Juli 2010 ist das anders. Wahrscheinlich rein zufällig ist in diesem Zusammenhang auch eine Katastrophen-Großübung für den 9. Oktober geplant, die auf einer der Startbahnen des Frankfurter Flughafens stattfinden soll. Teilnehmen werden weit über 1000 Statisten, die zur späteren Identifizierung mit Mikrochip-Armbändern versehen werden. Allein 500 Teilnehmer sollen Verletzte darstellen. Nach Angaben der Übungsleitung »so viele wie bei der Loveparade in Duisburg.« Schon jetzt sind kritische Beobachter der Vorbereitungen auf den 9. Oktober davon überzeugt, dass über den Umweg
der Katastrophe die Akzeptanz von Mikro-Überwachungsarmbändern bei der Bevölkerung erhöht werden soll. Frei nach dem Motto »mit Mikrochip-Armbändern wäre die Katastrophe von Duisburg zu verhindern gewesen.
Wie sehr die Betroffenheit über das Unglück von Duisburg inzwischen abgenommen hat, stellt eine weitere Techno-Party unter Beweis. Nur drei Tage nach dem Duisburg das 21. Todesopfer gefordert hatte, trafen sich 50.000 Raver in Kastellaun (Hunsrück) zur Nature One 2010. Erst ließen sie mehr aus Pflicht denn aus echter Anteilnahme einige tausend Luftballons für die Opfer der Loveparade in den Himmel steigen, dann ging die Party richtig los…
Bilder: DPA, Wikipedia
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