Samstag, 10. Dezember 2016
02.08.2010
 
 

»Loveparade«: Asbest, Computersimulationen und eine Katastrophenübung

Udo Schulze

Die schrecklichen Ereignisse der »Loveparade« von Duisburg und kein Ende. Während die Verantwortlichen in Verwaltung, Politik und beim Veranstalter noch immer ein schamloses Spiel um die Schuldfrage betreiben, kommen derzeit immer mehr Einzelheiten über den »Todessamstag« ans Tageslicht. Die »Qualitätsmedien« schweigen hingegen zu wichtigen Details.

Kopp-online vorliegenden Informationen zufolge sollen einige Besucher der Parade vom 24. Juli inzwischen eigenständig Ärzte aufgesucht haben, weil sie über starke Übelkeit und Luftnot klagten. Die Diagnosen: Offensichtlich leiden die Patienten an einer Asbest-Vergiftung. Woher diese genau stammt, ist noch völlig offen, fest steht allerdings, dass die Raver unabhängig voneinander die Parade besucht haben sollen. Immerhin wurde das Gelände des alten Güterbahnhofs in Duisburg über Jahrzehnte hinweg auch von unterschiedlichen Firmen genutzt. Welche Stoffe und Güter dort genau umgeschlagen wurden, ist heute offenbar nicht mehr genau nachzuvollziehen. Nach Angaben von Duisburgs Polizeisprecher Ramon van der Maat habe dort »immer nur normale Güterabfertigung« stattgefunden.

Unterdessen scheinen die Katastrophen-Daten der Todesparade auch außerhalb Duisburgs auf erhebliches Interesse gestoßen zu sein. Im nicht weit entfernten Jülich arbeiten Wissenschaftler am dortigen Forschungszentrum derzeit an einer Computersimulation zur Steuerung von Menschenmassen. Bislang hatte das Ganze allerdings einen neuralgischen Punkt: Es lagen keine sogenannten Echtdaten vor, also Daten von tatsächlichen Ereignissen. Seit dem 24. Juli 2010 ist das anders. Wahrscheinlich rein zufällig ist in diesem Zusammenhang auch eine Katastrophen-Großübung für den 9. Oktober geplant, die auf einer der Startbahnen des Frankfurter Flughafens stattfinden soll. Teilnehmen werden weit über 1000 Statisten, die zur späteren Identifizierung mit Mikrochip-Armbändern versehen werden. Allein 500 Teilnehmer sollen Verletzte darstellen. Nach Angaben der Übungsleitung »so viele wie bei der Loveparade in Duisburg.« Schon jetzt sind kritische Beobachter der Vorbereitungen auf den 9. Oktober davon überzeugt, dass über den Umweg der Katastrophe die Akzeptanz von Mikro-Überwachungsarmbändern bei der Bevölkerung erhöht werden soll. Frei nach dem Motto »mit Mikrochip-Armbändern wäre die Katastrophe von Duisburg zu verhindern gewesen.

Wie sehr die Betroffenheit über das Unglück von Duisburg inzwischen abgenommen hat, stellt eine weitere Techno-Party unter Beweis. Nur drei Tage nach dem Duisburg das 21. Todesopfer gefordert hatte, trafen sich 50.000 Raver in Kastellaun (Hunsrück) zur Nature One 2010. Erst ließen sie mehr aus Pflicht denn aus echter Anteilnahme einige tausend Luftballons für die Opfer der Loveparade in den Himmel steigen, dann ging die Party richtig los…

Bilder: DPA, Wikipedia

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Abstieg der Verantwortungslosen: das Trauerspiel nach der »Loveparade«

Udo Ulfkotte

Es gibt Menschen, über die auch nach den schrecklichen Ereignissen der Duisburger »Loveparade« in manchen Medien noch immer erstaunlich positiv berichtet wird. Dazu gehört etwa Rainer Schaller, Veranstalter der »Loveparade« und Geschäftsmann hinter der Fitnesskette »McFit«. Die Hofberichterstattung vieler Journalisten wird wohl erst verständlich,  mehr …

»Loveparade«: Sind die 21 Toten Opfer politischer Machtspiele?

Udo Schulze

Die Bilder der Massenpanik von Duisburg sind längst durch Presse und TV gelaufen. Öffentliche Beileidsbekundungen gab es. Gegner und Befürworter der Loveparade haben ihre Argumente ausgetauscht. Jetzt sollte es konzentriert an die Analyse des Unglücks gehen. Doch tatsächlich hat sich daraus eine Katastrophe nach der Katastrophe ergeben.  mehr …

Nach der Loveparade: Journalisten schmeißen Eva Herman mal wieder einen Stein hinterher

Udo Ulfkotte

In deutschen Redaktionsstuben herrscht in diesen Tagen gute Stimmung. Denn endlich gibt es ein Thema, mit dem man die nachrichtenarme Zeit des medialen Sommerlochs füllen kann – die Toten der »Loveparade« kommen da wie gerufen. Was jetzt noch fehlt sind ein paar Bösewichte, die man in den kommenden Tagen wie Schweine durchs Dorf treiben kann. Das  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Bundespräsident Wulff: Urlaub im Haus eines besonderen Freundes

Udo Schulze

Als Bundespräsident steht man ganz schön unter Dampf. Die Verantwortung als erster Bürger der Bundesrepublik ist nicht von Pappe, die häufigen Treffen mit Frau Merkel und Herrn Koch bestimmt auch nicht und dazu noch die viele Kritik aus der Öffentlichkeit – da braucht auch ein Christian Wulff mal Urlaub. »Familie Bundespräsident« war dieses Mal  mehr …

Europa: Die Vorboten der kommenden ethnischen Säuberungen

Udo Ulfkotte

Während die meisten Europäer noch mit den Folgen der anhaltenden Wirtschaftskrise beschäftigt sind, verändert sich rasend schnell die uns umgebende politische Bühne, ein Beispiel: Überall in Europa gedeiht auf einmal wieder Nationalismus. Auch ethnische Rivalitäten brechen wieder offen aus. Und auf einmal sprechen europäische Politiker ganz offen  mehr …

Nach der Loveparade: Journalisten schmeißen Eva Herman mal wieder einen Stein hinterher

Udo Ulfkotte

In deutschen Redaktionsstuben herrscht in diesen Tagen gute Stimmung. Denn endlich gibt es ein Thema, mit dem man die nachrichtenarme Zeit des medialen Sommerlochs füllen kann – die Toten der »Loveparade« kommen da wie gerufen. Was jetzt noch fehlt sind ein paar Bösewichte, die man in den kommenden Tagen wie Schweine durchs Dorf treiben kann. Das  mehr …

Abstieg der Verantwortungslosen: das Trauerspiel nach der »Loveparade«

Udo Ulfkotte

Es gibt Menschen, über die auch nach den schrecklichen Ereignissen der Duisburger »Loveparade« in manchen Medien noch immer erstaunlich positiv berichtet wird. Dazu gehört etwa Rainer Schaller, Veranstalter der »Loveparade« und Geschäftsmann hinter der Fitnesskette »McFit«. Die Hofberichterstattung vieler Journalisten wird wohl erst verständlich,  mehr …

Staatsgeheimnis Selbstmord: Wisnewski verklagt Staatsanwaltschaft auf Auskunft im Fall Heisig (Teil 6)

Gerhard Wisnewski

Sind Sie auch der Meinung, dass die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig erhängt im Wald aufgefunden wurde? Glauben Sie also auch, dass dies die Todesursache ist? Und denken Sie ebenfalls, dass Heisigs Selbstmord erwiesen ist? Dann wissen Sie wesentlich mehr, als die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigen will. Die Ermittler verweigern  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.