Friday, 10. February 2012
28.07.2010
 

»Loveparade«: Sind die 21 Toten Opfer politischer Machtspiele?

Udo Schulze

Die Bilder der Massenpanik von Duisburg sind längst durch Presse und TV gelaufen. Öffentliche Beileidsbekundungen gab es. Gegner und Befürworter der Loveparade haben ihre Argumente ausgetauscht. Jetzt sollte es konzentriert an die Analyse des Unglücks gehen. Doch tatsächlich hat sich daraus eine Katastrophe nach der Katastrophe ergeben. Offensichtlich sind die 21 Toten Opfer politischer Machtspiele geworden.

Der tödliche Raver-Umzug vom 24. Juli war noch nicht beendet, da schoben sich Veranstalter, Stadt Duisburg und Polizei bereits gegenseitig die Verantwortung zu – mit höchst unangenehmen Fortsetzungen. Im Fadenkreuz der Kritik: Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). Ihm wird vorgeworfen, sämtliche Sicherheitsbedenken unbeachtet gelassen zu haben, nur um die Parade aus Prestigegründen in seine Stadt zu holen. Schützenhilfe bekam der Oberbürgermeister von seinem Parteifreund Thomas Mahlberg, damals Bundestagsabgeordneter und heute noch Vorsitzender der CDU-Duisburg . Der hatte im Februar 2009 einen Brief an den damaligen NRW-Innenminister Ingo Wolf (FDP) geschrieben und online gestellt. In dem Schreiben greift Mahlberg Duisburgs Polizeipräsidenten Rolf Cebin an und fordert dessen Absetzung. Grund: »Am vergangenen Wochenende lies (sic! ) die Duisburger Polizei nunmehr erklären, eklatante Sicherheitsmängel stünden einer Durchführung der Loveparade in Duisburg im Jahr 2010 entgegen.« Und weiter empört sich Thomas Mahlberg: »Während der Veranstalter der Loveparade noch nicht einmal eine Strecke angemeldet hat und die Gespräche zwischen Stadt und Veranstalter geführt werden, sagt Herr Cebin die Loveparade für Duisburg ab. Eine Negativberichterstattung in der gesamten Republik ist die Folge. Der neuerliche Eklat veranlasst mich zu der Bitte, Duisburg von einer schweren Bürde zu befreien und den personellen Neuanfang im Polizeipräsidium (…) zu wagen.«

Gesagt, getan – Rolf Cebin erlebte die Todesparade nicht mehr als Polizeipräsident, sondern als Rentner. Sind Mahlberg und Sauerland somit für den Tod der 21 Parade-Besucher deutlich mit verantwortlich? Während die Pressestelle im Duisburger Präsidium noch immer davon spricht, Cebin sei »ganz normal in den Ruhestand gegangen«, scheint dessen Pensionierung offensichtlich aufgrund politischer Ränkespiele erfolgt zu sein. Dafür, dass der seit Jahrzehnten an der Spitze der Duisburger Polizei (selten glücklich) agierende Rolf Cebin zwar pünktlich zum 65. Lebensjahr, aber dennoch unter Druck abgesetzt wurde, spricht die Tatsache, dass Duisburg seitdem keinen wirklichen Polizeipräsidenten mehr hat. Nachfolger Detlef von Schmeling steht der Behörde nämlich nur »kommissarisch« vor, was bedeutet, dass die wahre Führung der Polizei politisch in ganz anderen Händen liegt.

Da kann es nur reiner Zufall sein, dass nach Angaben von Spiegel-Online kurz nach der tödlichen Parade von Duisburg sämtliche auf die Loveparade bezogenen Daten von den Computern der Beamten verschwunden sein sollen. Von Schmeling reagierte schnell und ließ über seine Pressestelle ein Dementi verbreiten. Doch der Blaublüter kam in diesem Fall so manchem verdächtig schnell vor…

Bilder: CDU, dpa

 

 


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