»Qualitätsmedien« streiten auf Kosten eines Unternehmens
Udo Schulze
Wehe dem, der einmal in die Mühlen deutscher »Qualitätsmedien« gerät. Blätter wie das ehemalige Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« und andere Meinungsmacher fühlten sich schon immer der Wahrheit verpflichtet, allerdings nur jener, die auch in die eigene Ideologie passt. Sollte das nicht der Fall sein, baut man sich halt die Welt wie sie einem gefällt.
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Nachempfinden können das derzeit die Manager der Metallwerk Elisenhütte Nassau (MEN) im Westerwald. Der Hersteller von Munition für Kleinkaliberwaffen sieht sich heftigen Vorwürfen ausgesetzt. Immerhin wird dem deutschen Unternehmen mit brasilianischem Mutterhaus vorgeworfen, gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen zu haben. So jedenfalls steht es in der Spiegelausgabe 30/2010. Schon zu Beginn des Artikels weist der »Spiegel« seine Leser in die richtige Richtung. »Weil Arbeitsplätze rar sind, verteidigen die Bürger von Nassau an der Lahn ihre Munitionsfabrik als notwendiges Übel. Seit der Übernahme durch einen brasilianischen Rüstungskonzern bestehen jedoch Zweifel an der Einhaltung des Kriegswaffenkontrollgesetzes.« Angeblich hätten anonyme Informanten aus der Chef-Etage des Unternehmens beim »Spiegel« geplaudert und über die heimlichen Machenschaften in Südamerika berichtet. Ansonsten würde das Unternehmen auf ganz legalem Wege Polizeien und Armeen in Europa und Kanada mit Munition beliefern. Jetzt habe sich herausgestellt, dass die Brasilianer technologisches Wissen aus Nassau nutzen und auf dunklen Kanälen an zweifelhafte Regime liefern und die strengen Ausfuhrregeln unterlaufen würden. Und das geschieht nach den angeblichen Worten eines genauso angeblichen Managers folgendermaßen: Immer wieder kämen Experten von der brasilianischen Mutter nach Nassau, um dort Pläne einzusehen, Musterstücke einzupacken und elektronische Daten abzugleichen. So kämen die Südamerikaner an das geschätzte Wissen der deutschen Tochtergesellschaft, die früher einmal im Besitz des Bundes gewesen sei. Dann flögen die Brasilianer wieder in die Heimat, wo von ihrem Werk aus auch Libyen beliefert werde. Selbst mit Iran steht man dort laut »Spiegel« in Verhandlungen.
Jetzt will die in Rheinland-Pfalz erscheinende »Rhein-Zeitung« nach einem Bericht in ihrer Online-Ausgabe vom 30. August festgestellt haben, dass der »Spiegel« nicht sauber gearbeitet habe. An der Darstellung des Blattes gebe es »einige Ungereimtheiten«. Konkret handele es sich dabei um die Darstellung, zum Komplex des Kriegswaffenkontrollgesetzes. Denn der kritisierte Technologietransfer falle nach Angaben des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) überhaupt nicht unter das Kriegswaffenkontrollgesetz, das nur Munition und Waffen, nicht aber Blaupausen und Testergebnisse umfasse.
Bleibt die Frage, wer in diesem Fall wen vor welchen Karren spannt und wer sich davor spannen lässt. Fest steht, dass ein 250-Mitarbeiter-Unternehmen in einem strukturschwachen Gebiet zunächst einmal einen Image-Schaden erlitten hat. Doch das wird bei den »Qualitätsmedien« sicherlich nicht so sehr beachtet.
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