»Stuttgart 21« Wer anderen eine(n) Grube gräbt
Udo Schulze
Bahnchef Rüdiger Grube und sein besonderes Demokratieverständnis, das offensichtlich irgendwie mit seinem Nachnamen korrespondiert, weil es vielen Menschen so unterirdisch vorkommt. Der Mann ist seit Tagen aus der Diskussion um das umstrittene Projekt »Stuttgart 21« nicht mehr wegzudenken, dabei hätte er neben dem Stuttgarter Hauptbahnhof noch eine Menge anderer Baustellen zu beackern. Aber so ist das nun einmal: Wer anderen eine(n) Grube gräbt…
.jpg)
…fällt selbst hinein bzw. bleibt im Tunnel stecken. So heute in der Nähe von Würzburg geschehen. Laut der Deutschen Presse Agentur (DPA) blieb ein ICE der Deutschen Bahn AG am Vormittag nach einer Notbremsung auf der Strecke Frankfurt-Würzburg in der Nähe der Ortschaft Margetshöchheim einfach stehen und bewegte sich anschließend keinen Zentimeter mehr weiter. Warum das Flaggschiff der Bahn eine Notbremsung durchführen musste, wurde nicht mitgeteilt. Nach Angaben der DPA blieb ein ICE wegen Motorschadens erst Ende August in Baden-Württemberg im Tunnel stecken. Er war auf dem Weg nach Stuttgart, wo Grube und Freunde gerade dabei sind, ihr Lebenswerk gegen jegliche Widerstände durchzusetzen. Rüdiger Grube verstieg sich sogar darin zu behaupten, es gebe kein Recht auf Protest gegen den Bau eines Bahnhofes. Mal ganz davon abgesehen, dass weder der kleine – plötzlich vermeintlich ganz große – Herr Grube noch irgendjemand sonst neben dem Gesetz darüber bestimmt, gegen was protestiert werden darf, erlaubt die Äußerung des Bahnchefs einen kleinen Einblick in dessen Welt, die offensichtlich Machtausübung in Verbindung mit Seilschaften in fast jeder Form zum Mittelpunkt hat. Damit passt der Mann haargenau in den Kreis derer, die bei »Stuttgart 21« im Hintergrund die Fäden ziehen. U. a. sind mit dabei: Richard Rebmann, Medienmogul aus Südwestdeutschland und naher Verwandter des ehemaligen Generalbundesanwalts Dr. Kurt Rebmann, der ein schwerwiegendes Geheimnis bezüglich der RAF mit ins Grab genommen haben soll. Friederike Beyer, Lebensgefährtin des zur EU abgeschobenen ehemaligen Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, Günther Oettinger, und – natürlich rein zufällig – im Vorstand einer Gesellschaft aus Hamburg, die im Rahmen von »Stuttgart 21« ein riesiges Einkaufszentrum betreiben will. Daimler-Chef Dieter Zetsche, der Mitglied der »Initiative Pro Stuttgart 21« ist. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, der schon wissen wird, wie er auf Bundesebene Geld für das Projekt locker macht, selbstverständlich völlig uneigennützig. Stuttgarts Erster Bürgermeister Michael Föll. Der junge CDU-Politiker ist nicht nur Finanzfachmann, sondern soll auch im Beirat jener Stuttgarter Baufirma sein, die den Zuschlag zum Abriss des Bahnhof-Nordflügels erhielt. Vor Zufällen ist halt niemand sicher. Hani Azer, Ägypter, Ingenieur und Projektleiter von »Stuttgart 21«. Ein voll qualifizierter Mann, dessen Reputation auch nicht dadurch beschädigt wird, dass auf einigen seiner anderen Baustellen schon dann und wann mal der Zoll auftauchte, um sich wegen etwaiger illegaler Arbeiter umzusehen.
Eine Riege von Persönlichkeiten, die schon früh ein besonderes Verhältnis zu unserer Demokratie entwickelt haben und sich dafür bedingungslos einsetzen – natürlich immer nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Ohne solche sich für die Allgemeinheit engagierenden Mitbürger wäre der Zug schon längst abgefahren.
© 2010 Das Copyright dieser Seite liegt, wenn nicht anders vermerkt, beim Kopp Verlag, Rottenburg
Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Meinung des Verlags oder die Meinung anderer Autoren dieser Seiten wiedergeben.