Thursday, 26. May 2016
23.09.2010
 
 

Amoklauf von Lörrach: Das Scheinkonzept der Polizei

Udo Schulze

Nicht abwarten, sondern sofort handeln und den Täter unschädlich machen. So lautet der Kern eines neuen Konzeptes der Polizei in Baden-Württemberg. Anderthalb Jahre nach dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen wurde nach genau diesem Konzept verfahren – beim Amoklauf von Lörrach, bei dem eine Anwältin ihren Ex-Mann, ihren Sohn und einen Krankenpfleger umbrachte, bevor sie von der Polizei erschossen wurde. Glaubt man der Polizeiführung, war der Einsatz erfolgreich. Aber es gibt auch andere Stimmen.

»Erfolgreich« ist natürlich immer relativ. Und so sehen zahlreiche Kritiker den Polizeieinsatz von Lörrach denn auch als nicht gelungen an. Der Hauptgrund: Die einschreitenden Beamten hatten die 41-jährige Amokläuferin mitten in einem Krankenhaus erschossen, wobei ein bereits durch die Frau getöteter Krankenpfleger noch von einer Polizeikugel getroffen wurde. Genau 17 Schüsse aus den Waffen der Polizisten hatten die Täterin zu Tode gebracht. Waren die Beamten, geschult durch eine Kurzzeitausbildung, mit der Situation überfordert? Allem Anschein nach war das, was sie da taten, alles andere als ein besonnenes Vorgehen. Es glich mehr einer wilden Schießerei. Einer Schießerei, bei der Patienten und Personal der Station in höchster Gefahr schwebten. Zwar sieht das von Landesinnenminister Heribert Rech (CDU) politisch zu vertretende Einsatzkonzept vor, den Amokläufer auszuschalten, doch scheint das nötige Inventar dazu zu fehlen. Das könnte darin bestehen, mindestens einen Beamten jeder Dienststelle zum Scharfschützen ausbilden zu lassen, damit dieser im Fall des Falles mit dem notwendigen Rüstzeug auch das Notwendige erledigen kann. Momentan scheint allerdings – wie so oft, wenn es um die Sicherheit des einfachen Bürgers geht – die Verpackung mehr zu versprechen als der Inhalt. Denn eine fundierte Ausbildung zum Scharfschützen kostet natürlich Zeit und vor allem Geld. Was übrigens bei den Personenschützern von Heribert Rech überhaupt keine Rolle zu spielen scheint. Bei ihnen handelt es sich eben nicht um einfache Streifenbeamte mit einer Zusatzausbildung in der Qualität besserer Volkshochschulkurse, sondern um absolute Spezialisten mit besonderer Bewaffnung, zusätzlicher Fahr- und Nahkampfausbildung sowie speziellen Kenntnissen in der Rettungsmedizin.

Dazu passt die Tatsache, dass es zur Schulung der einfachen Beamten von vornherein bereits zu wenig Trainingsstätten gab und der Inhalt des Kurses offenbar nur dazu da ist, das Adrenalin bei einem Amok-Einsatz besser in den Griff zu kriegen. Bei 17 Schüssen kann aber auch das nicht ganz geklappt haben. Offenbar handelt es sich bei dem Training um nichts anderes als Augenwischerei, das der Bevölkerung Baden-Württembergs (und demnächst ganz Deutschlands?) Scheinsicherheit verkaufen soll. Ein Konzept, von dem vor allem die Politik, nicht aber die Bürger in Deutschland profitieren.

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Studentin vermisst: Das Mysterium um Tanja Gräff

Udo Schulze

Ganz Deutschland bangt derzeit mit den Eltern von Mirco aus Grefrath bei Düsseldorf um das Leben des Jungen. Der Zehnjährige ist seit dem 3. September verschwunden, lediglich sein Rad und Kleidungsstücke wurden gefunden. Jetzt haben Tornado-Flieger der Bundeswehr das Gebiet der Fundstücke mit Wärmebildkameras aufgenommen – bislang ohne Erfolg.  mehr …

Schlaraffenland für Kriminelle

Udo Ulfkotte

Zwischen 40 000 und 60 000 Polizeistellen werden in Großbritannien aus Kostengründen abgebaut. Die Londoner Regierung ist pleite. In vielen Regionen zieht sich die britische Polizei demnächst komplett zurück – und überlässt kriminellen Gruppen das Land. Die Entwicklung wird zeitversetzt auch Deutschland treffen. Denn auch in der Bundesrepublik  mehr …

Loveparade: Was treibt die Duisburger Polizeiführung?

Redaktion

Schon bei der ersten Pressekonferenz zu den schrecklichen Ereignissen der Loveparade hat auch die Polizeiführung von Duisburg ein erbärmliches Bild abgegeben. Jetzt wurde bekannt, dass ein hochrangiger Kriminalbeamter der Duisburger Polizei eine Sichtung sichergestellter Beweismittel vorgenommen hat, obwohl die Ermittlungen aus  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Rumänien steht vor dem Staatsbankrott

Michael Grandt

Der rumänische Premierminister musste vor dem Parlament zugeben, dass niemand mehr seinem Land Geld leihen will, die Zahlungsunfähigkeit droht.  mehr …

»Der Tag der Abrechnung ist nah!«

Michael Grandt

Der Markt mit US-Kommunalanleihen steht vor dem Crash. Das könnte neue Schockwellen an den Märkten auslösen.  mehr …

Nach ARD-Auftritt: Morddrohungen gegen Udo Ulfkotte

Redaktion

Gestern Abend ging es hoch her in der ARD bei Maischberger: Unter dem Titel: »Kopftuch und Koran – hat Deutschland kapituliert?« traf KOPP-Autor Udo Ulfkotte auf den islamischen Hassprediger Pierre Vogel. Ulfkotte, der u.a. auch mit dem Islamexperten Peter Scholl-Latour und dem ehemaligen TV-Pastor Fliege diskutierte, zitierte aus seinem aktuellen  mehr …

Studentin vermisst: Das Mysterium um Tanja Gräff

Udo Schulze

Ganz Deutschland bangt derzeit mit den Eltern von Mirco aus Grefrath bei Düsseldorf um das Leben des Jungen. Der Zehnjährige ist seit dem 3. September verschwunden, lediglich sein Rad und Kleidungsstücke wurden gefunden. Jetzt haben Tornado-Flieger der Bundeswehr das Gebiet der Fundstücke mit Wärmebildkameras aufgenommen – bislang ohne Erfolg.  mehr …

Stammheim: Zeitreise in den RAF-Terror

Udo Schulze

Wenn sich in einer Woche die gut gesicherten Türen eines Gebäudes in Stuttgart öffnen und Journalisten wie Zuschauer erwartungsvoll eintreten, hat sich auch der Eingang zu einem Museum wider Willen aufgetan. Gemeint ist die »Mehrzweckgebäude« genannte Halle des berühmtesten Gefängnisses Deutschlands: Stuttgart-Stammheim. Hier fanden die großen  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.