Deutsche Bahn: Gesundheit der Fahrgäste offenbar egal
Udo Schulze
Weit über 30 Grad Celsius, da freut sich jeder, wenn er in einem der modernen ICE der Deutschen Bahn sitzt. Denn die haben Klimaanlagen, die die Hitze auf gut zwanzig Grad herunterschrauben und die Reise zu einem angenehmen Erlebnis machen. Wenn da nicht eine kleine Einschränkung wäre, die derzeit immer größer wird: Die Klimaanlagen in den Zügen fallen mit schöner Regelmäßigkeit aus. Und das ist kein Zufall.

Schlecht gewartete ICE mit gefährlich ramponierten Rädern sind wir ja schon gewöhnt. Dass dann und wann ein Unglück passiert wie am 3. Juni 1998 in Eschede, bei dem es über hundert Tote und 88 Verletzte zu beklagen gab, nehmen die Kunden der Deutschen Bahn AG ebenfalls zur Kenntnis. Genauso wie andere mysteriöse Vorfälle, beispielsweise der vom 23. November 2001, als ein ICE mit brennendem Triebkopf in den Bahnhof von Offenbach (Hessen) einfuhr oder das Ereignis vom 26. April 2008, bei dem einer der Superzüge nahe Fulda in eine Schafsherde raste und anschließend in einem Tunnel entgleiste. Nicht zu vergessen ist auch die Sache vom 16. Mai 2008. An diesem Tag brannte plötzlich der Trafo des ICE von Frankfurt/Main nach Paris. Die rund 300 Passagiere mussten über Stunden hinweg neben den Gleisen ausharren. Alles das kennen Vielfahrer der Deutschen Bahn bestens.
Und jetzt auch noch die Klimaanlagen. Dabei ist genau dieses Problem nicht – wie die Bahn ihren Kunden beibringen will – völlig neu und nur einem außergewöhnlichen Sommer geschuldet. Schon im Hitzesommer des Jahres 2003 fielen die Klimaanlagen in den ICE-Zügen der 3. Generation auf der Strecke Ruhrgebiet-München immer wieder aus. In ihren Sitzen nach Luft japsende und schimpfende Menschen waren schon damals an der Tagesordnung. Das Personal teilte Getränke aus, die in vielen Fällen allerdings schnell zur Neige gingen, weil zu wenig Vorrat an Bord war. Sollte es bei den Mitreisenden zu gesundheitlichen Problemen kommen, lautete die Anweisung der Konzernleitung ganz einfach und klar: Weiterfahren bis zum nächsten Bahnhof, egal wie weit er noch entfernt ist. Den wahren Grund für die schwächelnden Klimaanlagen nannte im Sommer vor sieben Jahren einmal eine Schaffnerin in einem Anfall greller Wut auf ihren Arbeitgeber.
Mutig baute sie sich im Gang eines Großraumwagens auf und sprach davon, dass die Deutsche Bahn beim Kauf der Klimaanlagen erheblich gespart habe.
Während der Hersteller dem Vorstand der DB zu verstehen gegeben habe, dass eine rundum funktionierende Anlage für den von der Bahn gebotenen Preis (ca. die Hälfte des eigentlichen Preises) nicht machbar sei, habe die Bahn darauf bestanden und die viel zu schwachen Klimaanlagen einbauen lassen. Während Ulrich Homburg aus dem Bahn-Vorstand laut Westdeutscher Allgemeiner Zeitung (WAZ) vom 12. Juli 2010 die jüngsten Ausfälle der Klimaanalgen auf »extreme Außentemperaturen und hohes Passagieraufkommen« zurückführte, ist inzwischen der Staatsanwalt mit eingestiegen. Die Bundespolizei im westfälischen Münster hat aufgrund der Vorfälle vom Wochenende Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung (§ 323c StGB) und fahrlässiger Körperverletzung (§ 229 StGB) erstattet. Im ersten Fall drohen bis zu einem Jahr Haft oder Geldstrafe, im zweiten bis zu drei Jahre Haft oder Geldstrafe.
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