Iran-Krise: Forscher befürchten langen Krieg
Udo Schulze
Im Falle eines israelischen Angriffs auf den Iran steht der Welt ein unabsehbar langer Krieg bevor. Diese Einschätzung äußerten jetzt hochrangige Mitarbeiter des Think-Tank (Deutsch: Denkfabrik) Oxford Research Group (Forschungsgruppe Oxford) aus der britischen Universitätsstadt.
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Demnach sei der Iran nicht zu unterschätzen, da er mit allen Mitteln die Schwelle zu einem hochentwickelten Land überwinden möchte. Aufgrund seiner soliden Basis, bestehend aus der geographischen Lage, dem Vorkommen an fossilen Brennstoffen und einer großen Bevölkerung, müsse der Iran lediglich technologisch vorankommen, heißt es in Oxford. Doch nicht nur die Anstrengungen auf dem Gebiet der Atomkraft könnten die islamische Republik schon in Kürze in erhöhte Verteidigungsfähigkeit versetzen. Auch die Trägersysteme für Atomraketen, so die britischen Wissenschaftler, stünden Teheran bereits zur Verfügung. Dabei soll es sich um Raketen handeln, die auf älteren russischen Mustern basieren und eine Reichweite bis nach Israel aufwiesen.
Sollte Israel den Iran tatsächlich angreifen, ist nach Darstellung der Forschungsgruppe auch das Erstschlag-Szenario bereits bekannt. So würden zu allererst Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen ins Visier genommen, um einen weiteren technologischen Fortschritt Irans zu verhindern. Dabei, fürchten die Briten, würden auch zivile Einrichtungen wie Universitäten und Labors zerstört. Desweiteren könne die angreifende Armee auch nicht darauf verzichten, so viele technisch gut ausgebildete Leute wie möglich zu töten. Im Falle des bewaffneten Konflikts werde die israelische Armee u. a. mit Flugzeugen oder Bodenraketen des Typs Jericho in die Schlacht ziehen. Diese Raketen könnten ohne weiteres mit Atomsprengköpfen bestückt werden, von denen Israel zwischen 200 und 600 Stück besitze. Zudem seien Nuklearsprengköpfe in der Entwicklung, die sich von U-Booten aus abfeuern ließen. Dabei, so die Briten, könnten auch deutsche Boote der
Klasse Dolphin Verwendung finden. Bisher habe Israel drei dieser Boote in Dienst gestellt, zwei weitere sollen 2012 folgen. Vor allem befürchten die britischen Wissenschaftler einen Einsatz von kleinen taktischen Atomwaffen, etwa zur Zerstörung unterirdischer Bunkeranlagen. Dies würde die Hemmschwelle zum Gebrauch solcher Technologie auf modernen Schlachtfeldern erheblich senken.
Unterdessen hat das Auswärtige Amt in Berlin weiterhin Reise- und Sicherheitshinweise zum Iran auf seiner Internetseite veröffentlicht. Dort heißt es u. a.: »Vor einer Reise nach Iran sollten die dortigen politischen Entwicklungen aufmerksam verfolgt werden.« Zudem wird Reisenden dringend empfohlen, »jegliche Kundgebungen, Menschenansammlungen oder Demonstrationen weiträumig zu meiden.«
Bilder (2): Wikipedia
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