Loveparade: Geplant war alles ganz anders
Udo Schulze
Herr P. und Frau F. von der Stadt Duisburg haben seit dem 24. Juli 2010 ein Problem. Was sie quält, ist die Tatsache ihrer Mitgliedschaft in einer besonderen Arbeitsgruppe zur Vorbereitung der Loveparade. »Arbeitsgruppe 4« nannte sich das Gremium und war für die Sicherheit der Veranstaltung zuständig.

Die Aufgaben waren klar umrissen: Betreuung von An- und Abreisenden, Rettungs- und Sanitätskonzept, Kontakte mit Krankenhäusern, die Absicherung von Gebäuden und Grünflächen, z. B. Kantpark, die Ermittlung der Besucherzahl und die Sicherheit auf dem Gelände. Doch standen Frau F. und Herr P. damit nicht allein, sondern befanden sich in Gesellschaft von Polizei, Feuerwehr, Lopavent GmbH, Jugendamt, Ordnungsamt, Call Duisburg und diverser Hilfsdienste. Nach KOPP online vorliegenden Informationen nahm Frau F. bereits Anfang März 2010 an einem Gespräch mit mehreren Beteiligten, u. a. Vertreter des Veranstalters, teil. Damals klang das Sicherheitskonzept noch völlig anders, als es am 24. Juli dann tatsächlich aussah. Demnach war vorgesehen, eine großzügige Fläche nördlich des Veranstaltungsortes freizuhalten, um im Notfall das Publikum über die A 59 abziehen lassen zu können. Tatsächlich konnte am 24. Juli niemand über dieses Gelände flüchten. Seitens der Stadtverwaltung sei bei dem Gespräch darauf hingewiesen worden, »dass die zuletzt bekannt gewordene Fläche« ,auf der die Parade stattfand, »zu klein für die geschätzte Zahl der Besucher sei.« Doch am Tag der Todesparade war sie plötzlich nicht mehr zu klein.
Vorgesehen war auch eine »Überlauffläche« für etwa 30.000 Personen, die die Parade dann auf einer Video-Leinwand hätten verfolgen können. Wo war diese Fläche am Veranstaltungstag, wo die Video-Wand? Auch den Duisburger Todes-Tunnel hatten die Teilnehmer der Besprechung in ihre Überlegungen mit einbezogen und sich dafür ausgesprochen, dass er an den Absperrungen jeweils nur in eine Richtung begehbar sein sollte. Zudem sollte eine flächendeckende Kameraüberwachung für Sicherheit sorgen. Weder davon noch von der einseitigen Begehbarkeit des Tunnels war am 24. Juli etwas übrig geblieben. Im Rathaus war man sich einig: »Der Besucherzu- und abstrom soll auf jeden Fall
durch den Karl-Lehr-Tunnel gelenkt werden. Es kann allenfalls zu kurzfristigen Zugangssperren kommen, um eine Bewegungsdynamik zu erreichen. Nachströmende Besucher würden dann wie geschildert ggf. auf die Auslauffläche im Süden umgeleitet.« Die Realität hingegen sah völlig anders aus.
Zudem hatte die Runde an diesem Tag noch ein besonderes Thema auf der Tagesordnung: Teile des Veranstaltungsgeländes und Nebenflächen waren offensichtlich mit Schlaglöchern und anderen Unebenheiten übersät, die geebnet werden sollten. Und zwar mit Schotter vom Güterbahnhofgrundstück selbst. Der Schotter sollte zerkleinert und die Löcher damit gefüllt werden. »Da Teile des Geländes kontaminiert sind (PAK) soll diese Maßnahme durch das Umweltamt begleitet werden. Eine Umschichtung soll selbstverständlich nicht zu einer Vermischung von belastetem mit unbelastetem Material führen.« Selbstverständlich nicht. Bei PAK handelt es sich um einen krebserregenden Stoff, der auch durch Staub freigesetzt wird. Am 24. Juli war es heiß, trocken und staubig in Duisburg – am Nachmittag auch noch blutig.
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