Mafia und Islamisten: In Deutschland eine unbewusste Allianz
Udo Schulze
Nichts sehen, nichts sagen, nichts hören: Getreu diesem Motto haben Mafia-Organisationen seit Generationen überlebt, konnten sie sich über ganz Europa ausbreiten, in Stadtverwaltungen, Parteien und Parlamente einsickern, um dort ihre dunklen Geschäfte zu betreiben. Getreu diesem Motto scheinen allerdings auch große Teile der deutschen Politik bezüglich der Mafia zu handeln. Einfach nicht hinsehen und nicht darüber sprechen, dann wird schon nichts passieren. Dabei ist seit den Mafia-Morden von Duisburg im August 2007 alles nur noch viel schlimmer geworden. Jetzt gibt es sogar zwischen Mafiosi und Islamisten eine unheilige Allianz.
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Petra Reski, Journalistin und deutsche Mafia-Expertin, hat herausgefunden, dass sich Islamisten und Mafia-Banden gegenseitig Vorteile verschaffen ohne es zu wissen. Der Grund: Für den »Kampf gegen den Terror« werden in Deutschland immer mehr Polizisten benötigt. Dabei handelt es sich nicht um irgendwelche Beamte, sondern um jene, die Erfahrung haben im Ermitteln von abgeschotteten Strukturen, im Verborgenen handelnden Banden und kriminellen Netzwerken. Genau diese Qualitäten bringen in Deutschland Beamte mit, die ansonsten im Bereich der Organisierten Kriminalität eingesetzt werden. Ein bereits seit Jahren andauernder Umstand, der den Mafiosi in Deutschland Tür und Tor öffnet. Vor Verfolgung durch Behörden können sie derzeit so gut wie sicher sein. Hinzu kommt ihre deutliche Nähe zu Politikern höchster Ebene. So will Reski herausgefunden haben, dass in Duisburg lebende Mitglieder des »Pelle-Romeo-Clans« ein Luxushotel betreiben, in dem bei der Fußball-WM 2006 nicht nur die italienische Nationalmannschaft abgestiegen war, sondern auch der ehemalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) auf Wahlkampftour ging. Einer der Hotelbesitzer stammt aus San Luca, einem Dorf in Italien, aus dem auch die Mörder von Duisburg kommen. Er trägt den gleichen Namen wie einer der Clans dort. Und San Luca gilt als Hochburg der 'Ndrangetha, der inzwischen mächtigsten Mafia-Organisation italienischer Herkunft. Doch die Landesregierung, zu dem Zeitpunkt von Rüttgers geführt, ließ im Düsseldorfer Parlament verlauten, dabei handele es sich lediglich um Zufälle.
Es ist eine Tatsache, dass seit dem »Kampf gegen den Terror« das Bundeskriminalamt (BKA) wieder verstärkte Aktivitäten der italienischen Organisierten Kriminalität in Deutschland registriert werden. Im Lagebericht des Jahres 2009 heißt es dazu unmissverständlich: »Die Anzahl italienisch dominierter OK-Gruppen (30) ist im Vergleich zum Vorjahr (2008: 18) wieder angestiegen.« Dabei finden Schutzgelderpressungen nach Erkenntnissen der Fahnder nicht mehr im herkömmlichen Stil statt, sondern lautlos und über Geschäftsverträge. So werden Pizzabäcker und Restaurantbesitzer dazu gezwungen, ihre Zutaten und Restauranteinrichtungen bei bestimmten Firmen zu erwerben – natürlich zu weit überhöhten Preisen. Ein einseitiges, aber einträgliches Geschäft, dem deutsche Politiker und Behörden nach Meinung von Experten viel zu wenig Beachtung schenken. Und sollten immer mehr erfahrene Fahnder zugunsten des »Kampfes gegen den Terror« aus den Dezernaten für Wirtschafts- und Organisierter Kriminalität abgezogen werden, könnte es hierzulande bald noch zu einer ganz anderen Bedrohung als der islamistischen kommen.
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