Merkels neuer Sprecher hat eine Job-Rückfahrkarte
Udo Schulze
Millionen Menschen in Deutschland haben sie schon erleben müssen, so gut wie jeden kann sie treffen: plötzliche Arbeitslosigkeit. Zumindest darin sind wir Deutsche alle gleich, möchte man da sagen. Stimmt aber nicht ganz, denn manche sind gleicher. Zu denen zählt Merkels neuer Regierungssprecher Steffen Seibert.

Der ehemalige ZDF-Mann hat sich den Job des Lebens geangelt und ist jetzt Sprecher der Bundesregierung unter Angela Merkel. Gleichzeitig bekleidet er das Amt des Leiters des Bundespresseamtes und wurde dafür in den Stand eines »beamteten Staatssekretärs« befördert. Das bringt dem 50-Jährigen nach der Besoldungsgruppe B 11 monatlich immerhin 11.303 Euro Grundgehalt ein. Dem nicht genug, reihen sich in das Salär noch zahlreiche Nebenbezüge ein, sodass Seibert sich jährlich über rund 500.000 Euro freuen kann – Steuergelder, versteht sich. »Je mehr er hat, je mehr er will«, lehrt uns der Volksmund, da wollte auch Seibert nicht widersprechen und handelte mit Angela Merkel noch einen besonderen Passus im Vertrag aus: Sollte der Journalist nicht mehr das Sprachrohr der Bundesregierung spielen wollen oder diese von Seibert genug gehört haben, kann er ohne Probleme leise wie ein »Mainzelmännchen« zum Zweiten Deutschen Fernsehen zurückkehren, wieder in der höheren Etage Platz nehmen und weiterhin eine Menge Geld verdienen. Nur wären es in diesem Fall keine Steuergelder, sondern TV-Gebühren. Da Geld aber bekanntlich nicht stinkt, ist das dem Nachrichtenmann absolut gleichgültig.
Steffen Seibert hat sich beim ZDF im wahrsten Sinne des Wortes hochgearbeitet. Vom Volontär (Lehrling) zum wichtigsten Nachrichtensprecher des Senders bei den Heute-Nachrichten. Zwischendurch war der Merkel-Freund von 1992 bis 1995 im Außenstudio Washington beschäftigt. Und für seine Berichterstattung, in der er die offizielle Version der Anschläge vom 11. September 2001 gebetsmühlenartig verbreitete, erhielt er sogar die Goldene Kamera. Dieser unerschütterliche Hang zum »Mainstream«, dieses unkritische »Berichten«, das reine Weitergeben von vorgekauter Meinung der Regierenden muss den Mann schon früh für höhere Aufgaben qualifiziert haben. Als er im Jahr
2005 dann auch noch zusammen mit dem »Gutmenschen« Johannes B. Kerner den Publikums-Bambi für eine Spendensendung zugunsten der Tsunami-Opfer in Südostastasien erhielt, hatte er sich wohl endgültig in die erste Liga gespielt.
Da spielt Geld – zumal es ja nicht das eigene ist – keine Rolle mehr. Hauptsache, ein Regierungssprecher sagt das, was die Regierung hören möchte – auch dann schon, wenn der Sprecher erst noch einer werden will. Gegenüber dem Radiosender Antenne Bayern machte Seibert kürzlich klar, warum er den Posten des Regierungssprechers übernommen hat. Er findet die Politik der Bundesregierung einfach richtig gut!
Bilder: Bundesbildstelle, ZDF
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