Mysteriöser Absturz: Starben Nazi-Größen in Flugzeugtrümmern?
Udo Schulze
Es ist eines der letzten Rätsel des Zweiten Weltkrieges und gleichzeitig eines der mysteriösesten. Am 21. April 1945 stürzte eine Maschine der Lufthansa in der Nähe von Regensburg ab. Es war der letzte zivile Flug, der aus dem zu diesem Zeitpunkt heftigst umkämpften Berlin noch heraus kam. Bei dem Unglück starben 25 Menschen. Darunter sollen hohe Nazi-Funktionäre gewesen sein.

Die viermotorige Condor FW 200B-2 war die damals modernste Maschine Europas und trug den Namen »Hessen«. An Bord waren u. a. die Flugbetriebsleitung der Lufthansa, die von Berlin nach München verlegt werden sollte und weitere Passagiere, über die bis heute, 65 Jahre danach, nicht viel bekannt ist. Kurz nach dem Absturz machte das Gerücht die Runde, unter ihnen sei die gesamte Führungsriege der Nazis einschließlich Hitler persönlich gewesen. Fest steht allerdings, dass sich an Bord auch ein SS-Standartenführer befand, der in seiner Tasche ein Geheimschreiben des Reichssicherheitshauptamtes hatte. Den Brief, über dessen Inhalt nur spekuliert werden kann, sollte er nach Spanien bringen. Die »Hessen« war am 21. April, einen Tag nach Hitlers 56. Geburtstag, gegen 20.25 Uhr in Berlin-Tempelhof gestartet und hatte Kurs Richtung Süden genommen. Kapitän des Fluges war August Künstle aus dem Schwarzwald. Unterwegs verschlechterten sich die Wetterverhältnisse zusehends, so dass die Maschine um 21.50 Uhr in der Region über Regensburg in orkanartige Böen und Schneestürme geriet. Plötzlich brach die Funkverbindung mit München ab. Zeugen hörten eine Explosion und sahen das brennende Flugzeug in einen Wald stürzen. Die Maschine hatte das linke, äußere Triebwerk verloren, ein Teil der Tragfläche fehlte. Fast senkrecht bohrte sich die Maschine in den weichen Waldboden. Erst am anderen Tagen konnten Rettungskräfte zur Unglückstelle gelangen, wo sich ihnen ein grauenhaftes Bild bot. In den Flugzeugtrümmern stießen sie auf zerfetzte und verkohlte menschliche Körper, auch auf den eines Kindes. Gepäckstücke, Kleider und Papiere lagen verstreut an der Absturzstelle. In einer braunen Aktentasche fanden die Helfer über 2000 Reichsmark und gelbe Tücher mit aufgedruckten Landkarten von Spanien sowie weitere geheime Papiere von der Fernschreibstelle des Reichssicherheitshauptamtes. Waren darauf etwa Fluchtwege für Nazi-Größen eingezeichnet? Die Antwort wird wohl für immer in den Panzerschränken der US-Geheimdienste schlummern, denn kurz nach der deutschen Kapitulation wurden die Papiere von US-Soldaten abgeholt.
Erst 1950 wurden die Leichen, die man nach dem Absturz eilig an Ort und Stelle bestattet hatte, exhumiert und auf einem Friedhof beerdigt – allerdings aus unerfindlichen Gründen ohne Köpfe, die angeblich nicht mehr auffindbar waren. Ein weiteres Rätsel im Fall der abgestürzten »Hessen«. Heute erinnert eine kleine Gedenkstätte in dem Ort Piesenkofen an die Opfer des mysteriösen Absturzes der Lufthansa-Maschine.
Eine weitere Maschine mit dem Namen »Hessen« verlor die Lufthansa 29 Jahre später. Am 20. November 1974 stürzte eine Boeing 747-130 (Jumbo) kurz nach dem Start in Nairobi ab. Von den an Bord befindlichen 157 Menschen fanden 59 den Tod.
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