Monday, 26. September 2016
18.08.2010
 
 

Neuer Superradar wird zum Auge des Staates

Udo Schulze

Ein neuer Superradar sorgt derzeit in der Schweiz bei Autofahrern für Aufregung. Das Gerät wurde in Genf getestet und soll ab Ende August regulär eingesetzt werden. Das Unangenehme daran: Mithilfe der neuen Entwicklung ist eine totale Verkehrsüberwachung möglich.

Für 80.000 Schweizer Franken (etwa 60.000 Euro) ist das gute Stück zu haben, das seine Anschaffungskosten offenbar locker in kürzester Zeit wieder einspielt. Das aus Zürich stammende Radargerät kann 22 Autos auf einmal erfassen und gleich mehrere Situationen festhalten. Gemessen wird nicht nur die Geschwindigkeit des Fahrzeugs, sondern auch der Abstand zum nächsten Auto, die rote Ampel, sämtliche Überholmanöver, das Verhalten am Fußgängerüberweg, beim Abbiegen und in Einbahnstraßen. Und das Ganze über eine Distanz von 500 Metern. »Trackingradar«, so die offizielle Bezeichnung des Geräts, ist wie ein herkömmlicher Blitzer mit Blechkästen getarnt, kann vom Autofahrer allerdings nur ungenau wahrgenommen werden.

Was die Verkehrspolizei in der Schweiz und sicherlich demnächst auch in Deutschland in Verzückung versetzt, ist nicht nur dort begehrt. Die Erfindung lässt sich auch hervorragend zur Überwachung ganz anderer Situationen als im Straßenverkehr verwenden. So eignet sich das Gerät zum Beobachten ganzer Straßenzüge und Wohnanlagen. Ohne Weiteres können »Sicherheitsinstitutionen« damit speichern, wann bestimmte Häuser oder Wohnungen betreten werden, wo sich Personen innerhalb eines Viertels versteckt halten oder wer mit welchen Fahrzeugen anreist – die perfekte Überwachung mit sechs Fotos pro Sekunde, die eine ganze Bilderstrecke darstellen und nicht nur das »Vergehen« selbst, sondern auch die vorherige Entwicklung dahin aufzeigt.

So wirbt der Schweizer Hersteller Multanova auf seiner Internetseite zwar damit, lediglich die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen zu wollen, verrät allerdings auch Nebulöses, wenn er schreibt, dass »systemergänzende Produkte die Produktpalette« abrunden würden, was nichts anderes bedeutet als die Tatsache, dass in dem Zürcher Haus offenbar auch Kunden gern gesehen sind, die mit der Sicherheit im Stadtverkehr nicht viel anfangen können und sich für ganz andere Dinge interessieren. Z. B. für die von Multanova angebotenen »speziellen Lösungen«. Dazu zählen technische Einrichtungen zur automatischen Nummernschilderkennung, genannt »wanted car« (gesuchtes Auto), die deutlich über das Maß einer normalen Verkehrsüberwachung hinausgehen.

Street View einmal anders: ohne Widerspruchsmöglichkeit, heimlich, still und leise.

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