Tankstellensterben durch Berliner Umweltpolitik
Udo Schulze
Fast genau 21 Jahre ist es her, dass die deutsche Teilung überwunden wurde – für alle Zeiten. Doch inzwischen hat sie sich wieder in unseren Alltag eingeschlichen. In Form des neuen Kraftstoffs E10. Den gibt es nämlich nur im Osten und Süden der Republik zu kaufen. Westliche und nördliche Tankstellen haben ihn erst gar nicht im Angebot. Dennoch stehen besonders in den Neuen Bundesländern inzwischen zahlreiche Tankstellen vor dem wirtschaftlichen Aus.
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Der Grund für das Desaster liegt in der Verweigerung der Autofahrer, E10 in den Tank füllen zu wollen. Zu unsicher ist ihnen das neuartige Gemisch, das unter Umständen den Motor ruiniert. Am stärksten betroffen von der Autofahrer-Skepsis sind Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.
Nach Angaben der Tageszeitung Rheinische Post laufen die E10-Lager bereits seit Wochen über – und die Tankstellen bekommen den Treibstoff einfach nicht los. Obwohl Mineralölkonzerne wie Esso bereits die Preise für E10 gesenkt haben (womit sich auch das Scheinargument, die Benzinpreise würden sich am Weltmarktpreis für Rohöl orientieren und seien deswegen so hoch, erledigt haben dürfte). Der Boykott des neuen, mit zehn Prozent Ethanol versetzten Kraftstoff hat viele Tankstellenpächter schon verzweifeln lassen. Inzwischen haben sie über ihren Dachverband einen Protestbrief an die Ölkonzerne geschickt, in dem sie Schadenersatz wie Pachtkürzungen und Unterstützung bei den anfallenden Betriebskosten verlangen. Und obwohl sich der Verkauf von herkömmlichem Super 95 in den betroffenen Regionen vervielfacht hat, kommt der Gewinn bei den Tankstellen nicht an. Hintergrund: Super 95 ist bei den meisten Tankstellen ausverkauft, Nachschub kommt nur schleppend. Da treten die Autofahrer besonders in Brandenburg lieber den nicht so weiten Weg nach Polen an und tanken ihre Wagen dort. Eine deutliche Ohrfeige für die Umweltpolitik der Bundesregierung.
Inzwischen sind die betroffenen Tankstellenbesitzer bei ihren verzweifelten Überlegungen schon so weit gekommen, zu philosophischen und zu psychologischen Erklärungen zu greifen. Die Misere mit dem E10, so glauben manche, habe ihre Wurzeln in der Bezeichnung des Kraftstoffs. Der erinnere nämlich in fataler Weise an das Pflanzenschutzmittel E 605, mit dem fast jeder Mensch Begriffe wie Gift, Schaden und Tod in Verbindung bringe.
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