Verhaltensregeln für Moslems: Arzt gerät unter Druck
Udo Schulze
Weil ein hessischer Arzt in seiner Praxis Verhaltensregeln für muslimische Patienten ausgehängt hat, soll er jetzt Schwierigkeiten bekommen. Dabei wollte der Mediziner nur im Sinne seiner Besucher handeln, die ihm eine ordentliche Untersuchung oft unmöglich machen.
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Nach Angaben der Deutschen Presse Agentur (DPA) soll der Allgemeinmediziner die schlechten Deutschkenntnisse seiner türkischen Patienten genauso bemängeln wie das Verhalten der Kinder. »Mir wurde bereits von Kindern, die mit in die Praxis kamen, das halbe Inventar demoliert«, wird der Arzt von DPA zitiert. Jetzt dürfen keine Familien mit mehr als fünf Kindern mehr in seine Praxisräume. Zudem klagt der seit 16 Jahren als Arzt niedergelassene Mann, hätten Gespräche und Appelle nicht gefruchtet. Deswegen habe er nun den Ton verschärft und »Spielregeln« in seinem Haus ausgehängt. Korrekte Untersuchungen werden nach Angaben des Mediziners dadurch erschwert, dass muslimische Patientinnen selbst in den Behandlungsräumen verschleiert säßen. Statt den Arzt in seinem Bemühen zu unterstützen, trat jetzt die Kassenärztliche Vereinigung Hessen mit einer Drohung auf den Plan. DPA zufolge könne dem Arzt unter Umständen ein Disziplinarverfahren bevorstehen. Auch die Landesärztekammer habe sich zu dem Vorgehen des Arztes negativ geäußert, hieß es.
Nach einem Gespräch mit dem Vorsitzenden des örtlichen islamischen Kulturvereins ersetzte der Mediziner sein in der Praxis hängendes Plakat durch ein anderes. Der Wortlaut des ursprünglichen lautete: »In dieser Arztpraxis gilt ein striktes Kopftuchverbot bei islamistischen Frauen und Mädchen. Es werden Grundkenntnisse der deutschen Sprache in Wort und Schrift und in der Aussprache zwingend vorausgesetzt. Kinderreiche islamistische Familien mit mehr als fünf leiblichen Kindern werden in dieser Arztpraxis nicht behandelt.« Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen bezeichnete diese Formulierungen als »verwerflich« und »absolut inakzeptabel«. Das Verhalten des Mediziners schädige die gesamte Ärzteschaft, hieß es, denn jeder Patient müsse gleich behandelt werden. Ärzte seien Vorbilder. Das wird sich auch der Arzt gedacht haben, als er die »Extrawürste« für muslimische Patienten abschaffte, denn seine »ungläubigen« Besucher erscheinen schließlich auch nicht verschleiert in der Praxis.
Aufgrund des Drucks der Verbände, die einen Mediziner letztendlich in den Ruin stürzen können, hat der Mann jetzt seine Äußerungen zurückgenommen. Er habe sich im Ton vergriffen, gab er an, und mit seinen Worten Menschen verletzt, das sei nicht seine Absicht gewesen. Dennoch lassen die Kassenärztliche Vereinigung Hessen und die Landesärztekammer nicht locker. Sie wollen den Fall rechtlich prüfen. Der Ausschluss kranker Menschen von der Behandlung stelle einen Verstoß gegen den Hippokratischen Eid dar.
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