Dienstag, 27. Juni 2017
26.11.2010
 
 

»Das ist pure Volksverdummung« – Interview mit Michael Grandt

Udo Ulfkotte

Bestsellerautor Michael Grandt über die Zukunft des Euros, sichere Geldanlagen und den Umgang der Mainstreammedien mit seinen politisch unkorrekten Publikationen.

 

Zur Person:

Michael Grandt, Jahrgang 1963, ist seit 1992 als freier Journalist, Autor und Fachberater tätig. Er hat an zahlreichen Fernsehreportagen unter anderem für BBC, Channel 4, ORF, RTL, SAT 1 und PRO 7 mitgearbeitet, war Co-Autor von Drehbüchern und hat bisher 20 Bücher publiziert. Für das Buch Unternehmen Wüste – Hitlers letzte Hoffnung wurde ihm im Jahr 2005 durch den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg die Staufermedaille für besondere Verdienste für das Land verliehen. In den vergangenen Jahren hat er sich verstärkt auf die Bereiche Wirtschaft, Finanzen und Zeitgeschichte konzentriert, dazu bisher drei Bücher und über 350 Artikel veröffentlicht.

www.michaelgrandt.de

 

 

Udo Ulfkotte: Die bekannten Indizien zeigen, dass ein Zusammenbruch der Euro-Währung langfristig nicht vermieden werden kann. Was aber wird der Auslöser für diesen Zusammenbruch sein? Und wann wird er kommen?

 

Michael Grandt: Der Auslöser wird die exorbitante Verschuldung verschiedener Euro-Staaten und ihrer Banken sein. Schon längst ist die EU zu einer Transfergemeinschaft geworden, das heißt, die reichen Länder, vornehmlich Deutschland, müssen die schwachen Länder immer wieder finanziell unterstützen. Das geht auf Dauer nicht gut. Man kann aus wirtschaftlich ungleichen Staaten nicht eine europäische Wirtschaftsmacht machen. Der Fehler liegt in der Konstruktion der EU, die zwar eine politische Gleichmacherei versprach, aber den ökonomischen Sektor weitgehend ignorierte. Wir sehen das an den de facto bankrotten Ländern wie Griechenland und jetzt aktuell Irland. Portugal und Spanien werden innerhalb von ein oder zwei Jahren folgen, dann stehen die osteuropäischen Staaten an. So wird es weitergehen, deshalb gebe ich dem Euro noch etwa fünf bis zehn Jahre.

 

Udo Ulfkotte: Wäre der Austritt Deutschlands aus der Eurozone die Lösung der Euro-Krise?

 

Michael Grandt: Aus der Eurozone vielleicht nicht, aber aus der Währungsunion. Aber das wird zunächst kein Grund zum Jubeln sein, denn die darauf folgende Währungsreform wird das Geld der Menschen entwerten. Nach einer Übergangszeit wird sich dann eine DM2 an den internationalen Märkten durchsetzen, wenn Kritiker dies auch als unwahrscheinlich sehen und immer wieder das Argument bringen, durch den Euro sind wir Exportweltmeister gewesen. »Gewesen«, darauf lege ich die Betonung. Mit der alten DM waren wir lange Jahre Exportweltmeister.

 

Udo Ulfkotte: Die Szenarien sehen für die Zukunft nicht gut aus. Haben die Bundesbürger und ihre Kinder überhaupt noch eine Chance, aus den ganzen Schuldenfallen herauszukommen, ohne alles zu verlieren?

 

Michael Grandt: Meiner Meinung nach nicht. Die ganzen europäischen Hilfspakete verlagern die Probleme nur in die Zukunft. Das ist clever, denn so sind diejenigen, die jetzt regieren, weitgehend aus der Verantwortung und aus der Schusslinie. Es wird die Zeit kommen, wo der deutsche Steuerzahler auf die Straße geht, weil er nicht mehr bereit ist, für das Unvermögen der anderen Euro-Staaten zu bezahlen. Aber erst in zehn oder 15 Jahren kommt die Generalabrechnung, dann heißt es: noch weniger Sozialleistungen, noch mehr Steuern, eine immer größere Enteignung von Privatvermögen und eventuell sogar ein Währungsschnitt. Unsere Kinder werden es noch viel schwerer haben und die innere Sicherheit wird nicht mehr gewährleistet sein, wie Sie es ja selbst in ihrem Bestseller Vorsicht Bürgerkrieg beschrieben haben.

 

Udo Ulfkotte: Wenn weder Sparguthaben sicher sind, noch Rentenpapiere, Lebensversicherungen oder Festgelder – wie schützt man sich denn dann noch einigermaßen? Früher hat man einem Kind ein Sparbuch geschenkt, ergibt das heute noch einen Sinn?

 

Michael Grandt: Das ist eine gute Frage, die schwer zu beantworten ist. Denn sicher ist: Nichts mehr ist sicher. Immobilien und Edelmetalle können eine tragende Säule sein. Doch auch hier muss man aufpassen. Vorsichtig wäre ich jedoch bei langlaufenden Verträgen. Wer kann schon wissen, was in 15, 20 oder 30 Jahren mit dem Geld passiert, das man brav jeden Monat einbezahlt hat? Ein individueller Mix aus Edelmetallen, Rohstoffen, Immobilien, Grundstücken und Tagesgeld wird die beste Lösung sein. Aber man muss jede einzelne finanzielle Situation genau und seriös analysieren. Eine Pauschalantwort kann ich so nicht geben.

 

Udo Ulfkotte: In Argentinien hat es 2002 einen Bankenrun gegeben, in Russland 1998. Und in beiden Ländern leben die Menschen auch weiterhin. Werden die Europäer es genauso verkraften oder wird es hier schlimmer?

 

Michael Grandt: Das lief dort auch nicht ohne soziale Unruhen ab. Ich denke, das Gewaltpotenzial, das in der Gesellschaft schlummert, ist heute größer als vor zehn oder 15 Jahren. Zurecht kritisieren viele Menschen, dass die Verursacher der Krise ungeschoren davon kommen, während der »kleine Mann« die Zeche zahlen muss. Das wird auf die Dauer den sozialen Frieden in Europa ganz massiv gefährden. Schon jetzt gibt es ja Ausschreitungen in den Ländern, die harte Sparmaßnahmen beschlossen haben. Aber die Einsparschrauben werden immer noch fester angezogen und so wird die Stimmung immer explosiver werden. Auch bei uns.

 

Udo Ulfkotte: In welchem Land der Welt würden Sie heute noch Geld deponieren, um dann ruhig schlafen zu können? Hat die Globalisierung nicht jeden Ort der Welt zum finanziellen Risikozentrum gemacht?

 

Michael Grandt: Sie haben recht, kein Land der Welt ist heute mehr sicher. Natürlich gibt es vermeintlich sichere Länder wie die arabischen Staaten oder Inseln in der Karibik, aber vor zehn Jahren hätte auch niemand gedacht, dass die Schweiz ihr Bankgeheimnis einmal weitgehend aufgeben wird. Die Schweiz hat sich seit 100 Jahren dadurch definiert, und aufgrund des Druck der EU, vornehmlich Deutschland, das meiste davon aufgegeben. Durch die Globalisierung können bestimmte Staaten so viel wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Druck auf die einzelnen Länder ausüben, dass diese früher oder später nach deren Pfeife tanzen. Also auch hier gilt: Nichts mehr ist sicher.

 

Udo Ulfkotte: Wie reagieren eigentlich die Eliten auf Ihre Veröffentlichungen? Erst der Bestseller "Der Crash der Lebensversicherungen", dann "Der Staatsbankrott kommt!"? Immerhin hat sogar die renommierte Wirtschaftswoche Ihren Titel "Der Crash der Lebensversicherungen" auf dem Titel der Zeitschrift groß übernommen. Ändert sich da etwas Ihnen gegenüber?

 

Michael Grandt: Nein, viel konnte ich davon bisher nicht spüren, nur dass man einige meiner Thesen und Aussagen einfach übernimmt, ohne sich aber auf mich zu beziehen. Zwar sind die von Ihnen angesprochenen Bücher lange Zeit auf den Bestsellerlisten gewesen, aber man hat sie nicht, wie bei anderen, deswegen groß besprochen oder darauf aufmerksam gemacht. Es gab zwar hier und da mal ein Interview im Fernsehen oder im Radio, aber im Großen und Ganzen wurde und werde ich ignoriert. Hier zeigt sich wieder die Angst der Mainstreampresse vor politisch unkorrekten Publikationen. Politisch korrekte Bücher mit einer Auflage von 5.000 Stück werden frenetisch bejubelt und überall besprochen, andere, die nicht in das Schema passen, aber vielleicht eine Auflage von 80.000 oder 100.000 haben, werden ignoriert. Ich habe es vor allem meinen treuen Lesern und dem Mut meines Verlegers zu verdanken, dass sich meine Bücher gut verkaufen. Viele Zuschriften zeigen mir, dass ich den Nerv der Menschen getroffen habe. Zudem kann ich jede Aussage auch belegen. Die Leser lassen sich von den Mainstreammedien immer weniger für dumm verkaufen – und das ist gut so.

 

Udo Ulfkotte: Wie reagieren Professoren, wenn Sie Vorträge vor Ihnen halten wie etwa in Dresden?

 

Michael Grandt: Bei meinen Vorträgen bekomme ich ein überwiegend positives Feedback. Der Grund ist fast immer der gleiche: Solche klaren und ungeschminkten Worte hört man in den Systemmedien nicht. Mich wundert es also nicht, dass die Zeitungen immer weniger Auflage verkaufen. Zwischenzeitlich sind viele Leser nicht mehr daran interessiert, selektierte und ideologisch verfärbte Informationen zu konsumieren. Bestes Beispiel hierfür sind die monatlich präsentierten Arbeitslosenzahlen. »Unter drei Millionen« wird uns verkauft, in Wirklichkeit aber werden fast zwei Millionen Menschen einfach nicht mehr als arbeitslos in der Statistik geführt, obwohl sie es de facto sind. Das ist pure Volksverdummung.

 

Udo Ulfkotte: Haben Sie eigentlich Ihr Leben in den letzten Monaten auch selbst verändert?

 

Michael Grandt: Ich bin noch vorsichtiger und skeptischer geworden und glaube grundsätzlich nichts mehr, was uns Politiker und Konsorten über ihre Medien weismachen wollen. Deshalb recherchiere ich immer nach den wahren Hintergründen zu brisanten Themen. Die Leser vom Kopp Verlag werden also auch weiterhin von mir hören.

 

Udo Ulfkotte: Ich danke für das Gespräch.

 

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Publikationen von Michael Grandt im Kopp-Verlag:

 

 

 

 

 

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