Copygate eines Hochstaplers: Hat Guttenberg nicht nur seinen Doktortitel erschlichen?
Udo Ulfkotte
Für die Leser des nur im Abonnement zu beziehenden Hintergrundinformationsdienstes Kopp Exklusiv kommen die Plagiatsvorwürfe gegen Verteidigungsminister Guttenberg nicht wirklich überraschend. Denn schon im April 2009 hatten wir in der Druckausgabe ausführlich darüber berichtet, was im Datensatz des adeligen Mitbürgers sonst noch so alles unstimmig war – vor allem wichtige Angaben in seinem Lebenslauf. Die Hochstapelei war so groß, dass sich ein Unternehmen, für das der damals frisch zum Wirtschaftsminister gekürte Guttenberg angeblich zuvor gearbeitet haben soll, öffentlich mit Pressemitteilungen distanzierte. Schon 2009 avancierte Guttenberg zum Lügenbaron. Hat der Mann seine Doktorarbeit eigentlich selbst geschrieben? Während Guttenberg damals seine 475-seitige Arbeit verfasste, saß er im Bundestag, wurde zum Obmann im Auswärtigen Ausschuss gewählt, war zudem rüstungspolitischer Sprecher der Fraktion. Damit nicht genug: Guttenberg war zugleich auch noch Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Guttenberg und Kreisrat im Kreistag Kulmbach. Und er leitete den Fachausschuss Außenpolitik der CSU und hatte mehrere Ehrenämter inne. Zudem hatte er zwei Töchter daheim, sie waren noch nicht einmal in der Schule. Wie schreibt man da eigentlich nebenher eine wissenschaftlichen Anforderungen genügende Doktorarbeit? Guttenberg hat unterschrieben, er habe die Arbeit selbst verfasst. Aber auf der Seite des Bundestages stand ja - als er Wirtschaftsminister wurde - auch ein offizieller Lebenslauf von ihm, der merkwürdig unstimmig war. Wie so vieles bei Herrn Guttenberg. Eine Recherche brachte schon damals unschöne Dinge ans Tageslicht.
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Eloquent, jung und intelligent. So wurde der damalige neue Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) 2009 der Öffentlichkeit präsentiert. Doch wer sich genauer mit seiner Vergangenheit beschäftigte, der erlebte schon damals eine gehörige Überraschung. Der nachfolgende (aktualisierte) Text dieses Artikels stammt aus der Druckausgabe 14/09 des Hintergrundinformationsdienstes KOPP Exklusiv.
Freiherr von und zu Guttenberg war damals angeblich genau der Richtige für das Amt des Bundeswirtschaftsministers. Immerhin hatte er nach eigenem Bekunden lange Zeit Verantwortung
für das Familienunternehmen derer von und zu Guttenberg getragen. In den Tagesthemen und im heute journal pries er damals offensiv seine Erfahrungen als wirtschaftlicher Leiter des Familienunternehmens an. Selbst auf der Homepage des Bundestages hieß es über seinen beruflichen Werdegang: »Leitung des Familienbetriebes in München und Berlin«. Das CSU-Wahlkreisbüro im fränkischen Kulmbach, wo Guttenberg CSU-Vorsitzender war, kannte damals auf Nachfrage allerdings keine Einzelheiten. Sein Berliner Abgeordnetenbüro war auf telefonische Nachfrage hin ratlos. Die Journalisten von FOCUS online, Spiegel, Tagesspiegel und anderen Zeitungen hatten Guttenberg als »geschäftsführenden Gesellschafter im Familienbetrieb (Trockenbau, Isoliertechnik, Dämmstoffe)« präsentiert. Der Tagesspiegel schrieb: »Der adelige Dr. jur. mit Prädikatsexamen hat eine Zeitlang in der Leitung des Familienunternehmens gesessen, einer Großhandelsfirma für Rigipsplatten und ähnlichen Baubedarf […].« Das klang doch absolut seriös.
Doch der Baustoffhändler der »Von Guttenberg GmbH« mit Niederlassungen in Aschheim bei München, Thörey und Merseburg wusste schon damals Nachfrage nichts von der angeblichen Funktion des neuen Bundeswirtschaftsministers im Unternehmen. Man erklärte auf entsprechende Nachfrage, alle entsprechenden Angaben seien frei erfunden. In welchem Familienunternehmen hatte von und zu Guttenberg also die auf der Homepage des Bundestages genannte »Leitung des Familienbetriebes in München und Berlin« inne? Also eine telefonische Anfrage im Bundeswirtschaftsministeriums. Dort verwies man auf die Homepage des Baustoffhändlers »Von Guttenberg GmbH«. Und der wusste auch von nichts. Ein Anruf in der CSU-Zentrale in München brachte auch keine neuen Erkenntnisse. Und dann wehrte sich der Baustoffbetrieb der »Von Guttenberg GmbH« auf der Homepage im Internet 2009 mit folgender Mitteilung gegen die angebliche langjährige Tätigkeit des damaligen neuen Wirtschaftsministers Guttenberg im Familienbetrieb: »Aufgrund nicht zutreffender Informationen (u. a. FOCUS online, Tagesspiegel, Spiegel online u. a. basierend auf einer dpa-Mitteilung) wird unser Fachgroßhandel für Trockenbau, Isoliertechnik und Dämmstoffe mit dem CSU-Generalsekretär Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg in Verbindung gebracht«.
Die Wahrheit über Freiherr von und zu Guttenberg lautete also: Sein der Öffentlichkeit präsentierter Lebenslauf hält einer Überprüfung nicht stand. Die Geschäftsführer-Kompetenz des jungen Ministers hat es so nie gegeben. Es gab allerdings vor vielen Jahren einmal eine Guttenberg GmbH in München, die sich mit Vermögensberatung befasste. In dieser Mini-Firma verwalteten drei Personen eigene Vermögen. So stand es jedenfalls im Handelsregisterauszug. Seit vielen Jahren gibt es die Firma nicht mehr. Der neue Wirtschaftsminister hatte 2009 wohl nie die nach außen hin in den Tagesthemen und im heute journal präsentierte Erfahrung als großer Wirtschaftsführer.
Welche Kenntnisse haben ihn dann im inneren Führungskreis der CSU für das Ministeramt geeignet erscheinen lassen? Horst Seehofer hob 2009 im Gespräch auf Nachfrage das »fließende Englisch« von Herrn Guttenberg hervor. Das war wohl mehr der Verlegenheit geschuldet, überhaupt irgendetwas an fachlicher Qualifikation des damaligen neuen Wirtschaftsministers vorzubringen. Wer weiß – vielleicht wird der nächste Bundeskanzler ja dem Geschlecht derer von Münchhausen entstammen? Einer der Vorfahren soll ja alle Qualifikationen gehabt haben, die ein deutscher Karrierepolitiker offenkundig haben muss.
Abonnenten des Hintergrundinformationsdienstes KOPP Exklusiv haben den vorstehenden Text schon im Frühjahr 2009 in der Druckausgabe 14/09 lesen und sich ein Urteil über den Mann bilden können. Zwei Jahre später holt diesen nun sein offenkundiger Hang zur Hochstapelei ein...
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