Tuesday, 28. June 2016
18.02.2011
 
 

Copygate eines Hochstaplers: Hat Guttenberg nicht nur seinen Doktortitel erschlichen?

Udo Ulfkotte

Für die Leser des nur im Abonnement zu beziehenden Hintergrundinformationsdienstes Kopp Exklusiv kommen die Plagiatsvorwürfe gegen Verteidigungsminister Guttenberg nicht wirklich überraschend. Denn schon im April 2009 hatten wir in der Druckausgabe ausführlich darüber berichtet, was im Datensatz des adeligen Mitbürgers sonst noch so alles unstimmig war – vor allem wichtige Angaben in seinem Lebenslauf. Die Hochstapelei war so groß, dass sich ein Unternehmen, für das der damals frisch zum Wirtschaftsminister gekürte Guttenberg angeblich zuvor gearbeitet haben soll, öffentlich mit Pressemitteilungen  distanzierte. Schon 2009 avancierte Guttenberg zum Lügenbaron. Hat der Mann seine Doktorarbeit eigentlich selbst geschrieben? Während Guttenberg damals seine 475-seitige Arbeit verfasste, saß er im Bundestag, wurde zum Obmann im Auswärtigen Ausschuss gewählt, war zudem rüstungspolitischer Sprecher der Fraktion. Damit nicht genug: Guttenberg war zugleich auch noch Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Guttenberg und Kreisrat im Kreistag Kulmbach. Und er leitete den Fachausschuss Außenpolitik der CSU und hatte mehrere Ehrenämter inne. Zudem hatte er zwei Töchter daheim, sie waren noch nicht einmal in der Schule. Wie schreibt man da eigentlich nebenher eine wissenschaftlichen Anforderungen genügende Doktorarbeit? Guttenberg hat unterschrieben, er habe die Arbeit selbst verfasst. Aber auf der Seite des Bundestages stand ja - als er Wirtschaftsminister wurde - auch ein offizieller Lebenslauf von ihm, der merkwürdig unstimmig war. Wie so vieles bei Herrn Guttenberg. Eine Recherche brachte schon damals unschöne Dinge ans Tageslicht. 

Eloquent, jung und intelligent. So wurde der damalige neue Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) 2009 der Öffentlichkeit präsentiert. Doch wer sich genauer mit seiner Vergangenheit beschäftigte, der erlebte schon damals eine gehörige Überraschung. Der nachfolgende (aktualisierte) Text dieses Artikels stammt aus der Druckausgabe 14/09 des Hintergrundinformationsdienstes KOPP Exklusiv.

Freiherr von und zu Guttenberg war damals angeblich genau der Richtige für das Amt des Bundeswirtschaftsministers. Immerhin hatte er nach eigenem Bekunden lange Zeit Verantwortung für das Familienunternehmen derer von und zu Guttenberg getragen. In den Tagesthemen und im heute journal pries er damals offensiv seine Erfahrungen als wirtschaftlicher Leiter des Familienunternehmens an. Selbst auf der Homepage des Bundestages hieß es über seinen beruflichen Werdegang: »Leitung des Familienbetriebes in München und Berlin«. Das CSU-Wahlkreisbüro im fränkischen Kulmbach, wo Guttenberg CSU-Vorsitzender war, kannte damals auf Nachfrage allerdings keine Einzelheiten. Sein Berliner Abgeordnetenbüro war auf telefonische Nachfrage hin ratlos. Die Journalisten von FOCUS online, Spiegel, Tagesspiegel und anderen Zeitungen hatten Guttenberg als »geschäftsführenden Gesellschafter im Familienbetrieb (Trockenbau, Isoliertechnik, Dämmstoffe)« präsentiert. Der Tagesspiegel schrieb: »Der adelige Dr. jur. mit Prädikatsexamen hat eine Zeitlang in der Leitung des Familienunternehmens gesessen, einer Großhandelsfirma für Rigipsplatten und ähnlichen Baubedarf […].« Das klang doch absolut seriös.

Doch der Baustoffhändler der »Von Guttenberg GmbH« mit Niederlassungen in Aschheim bei München, Thörey und Merseburg wusste schon damals Nachfrage nichts von der angeblichen Funktion des neuen Bundeswirtschaftsministers im Unternehmen. Man erklärte auf entsprechende Nachfrage, alle entsprechenden Angaben seien frei erfunden. In welchem Familienunternehmen hatte von und zu Guttenberg also die auf der Homepage des Bundestages genannte »Leitung des Familienbetriebes in München und Berlin« inne? Also eine telefonische Anfrage im Bundeswirtschaftsministeriums. Dort verwies man auf die Homepage des Baustoffhändlers »Von Guttenberg GmbH«. Und der wusste auch von nichts. Ein Anruf in der CSU-Zentrale in München brachte auch keine neuen Erkenntnisse. Und dann wehrte sich der Baustoffbetrieb der »Von Guttenberg GmbH« auf der Homepage im Internet 2009 mit folgender Mitteilung gegen die angebliche langjährige Tätigkeit des damaligen neuen Wirtschaftsministers Guttenberg im Familienbetrieb: »Aufgrund nicht zutreffender Informationen (u. a. FOCUS online, Tagesspiegel, Spiegel online u. a. basierend auf einer dpa-Mitteilung) wird unser Fachgroßhandel für Trockenbau, Isoliertechnik und Dämmstoffe mit dem CSU-Generalsekretär Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg in Verbindung gebracht«.

Die Wahrheit über Freiherr von und zu Guttenberg lautete also: Sein der Öffentlichkeit präsentierter Lebenslauf hält einer Überprüfung nicht stand. Die Geschäftsführer-Kompetenz des jungen Ministers hat es so nie gegeben. Es gab allerdings vor vielen Jahren einmal eine Guttenberg GmbH in München, die sich mit Vermögensberatung befasste. In dieser Mini-Firma verwalteten drei Personen eigene Vermögen. So stand es jedenfalls im Handelsregisterauszug. Seit vielen Jahren gibt es die Firma nicht mehr. Der neue Wirtschaftsminister hatte 2009 wohl nie die nach außen hin in den Tagesthemen und im heute journal präsentierte Erfahrung als großer Wirtschaftsführer.

Welche Kenntnisse haben ihn dann im inneren Führungskreis der CSU für das Ministeramt geeignet erscheinen lassen? Horst Seehofer hob 2009 im Gespräch auf Nachfrage das »fließende Englisch« von Herrn Guttenberg hervor. Das war wohl mehr der Verlegenheit geschuldet, überhaupt irgendetwas an fachlicher Qualifikation des damaligen neuen Wirtschaftsministers vorzubringen. Wer weiß – vielleicht wird der nächste Bundeskanzler ja dem Geschlecht derer von Münchhausen entstammen? Einer der Vorfahren soll ja alle Qualifikationen gehabt haben, die ein deutscher Karrierepolitiker offenkundig haben muss.

Abonnenten des Hintergrundinformationsdienstes KOPP Exklusiv haben den vorstehenden Text schon im Frühjahr 2009 in der Druckausgabe  14/09 lesen und sich ein Urteil über den Mann bilden können. Zwei Jahre später holt diesen nun sein offenkundiger Hang zur Hochstapelei ein...

 

 

 


 

 

Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

 

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

 

Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.

 

In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:

 

  • Blackout der Geheimdienste: Von arabischen Revolutionen überrumpelt
  • Amerikanische Bundesstaaten erwarten Dollar-Zusammenbruch
  • Die Muslimbruderschaft: Allahs grüne Nazis
  • Verhältnisse wie in Ägypten? Regierungen wollen »Aus-Knopf« fürs Internet
  • Windräder: Horrende Kosten für den Rückbau der Fundamente

 

 

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!

Ergänzende Beiträge zu diesem Thema

Stephanie zu Guttenberg – Frau frei von Fakten?

Udo Ulfkotte

Die Frau des Bundesverteidigungsministers beklagt das angeblich große Geschäft mit dem sexuellen Missbrauch von Kindern durch die kinderpornografische Industrie. Diese setzt angeblich jährlich viele Milliarden Euro um. Mit der Realität haben solche Aussagen allerdings nichts gemein.  mehr …

Bundeswehr: Von der Verteidigungsarmee zur Miet-Truppe?

Udo Schulze

Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) hat es wieder einmal an die Spitze der Medien gebracht. Mit seiner umstrittenen Reform der Bundeswehr beherrscht er derzeit die Schlagzeilen. Was er vorhat, scheint vordergründig vertretbar zu sein. Doch was am Ende dabei herauskommen kann, hört sich gar nicht mehr so gut an.  mehr …

Bundeswehr: Verstrickt in heimliche Kriegsvorbereitungen?

Udo Schulze

Gut getarnt hinter der Alltagspolitik bereiten sich die Bundesregierung und Teile der Bundeswehr offenbar auf eine erneute kriegerische Auseinandersetzung vor. Ziel der heimlichen Bemühungen, die vom Einsatzführungskommando in Potsdam vorangetrieben werden, ist – zusammen mit den USA und Israel – ein militärischer Sieg im arabischen Raum. Der  mehr …

Wer diesen Artikel gelesen hat, hat sich auch für diese Beiträge interessiert:

Von der Schande, ein Amerikaner zu sein…

Dr. Paul Craig Roberts

Die Regierung der Vereinigten Staaten hat das Ausmaß an Schande überschätzt, die die amerikanischen Bürgerinnen und Bürger und sie selbst vergessen machen kann. Am 15. Februar musste die »unentbehrliche Nation« die Scheinheiligkeit der Außenministerin ertragen, die in einer Rede Amerikas Entschlossenheit bekräftigte, für die Freiheit des Internets  mehr …

Genosse Schwerverbrecher: Die kriminellen Schwesterparteien der SPD

Udo Ulfkotte

Deutsche Sozialdemokraten hatten in den vergangenen Jahren keine Skrupel, mit den schlimmsten Menschenrechtsverletzern und Diktatoren der Welt fröhlich vereint an einem Tisch zu sitzen. Was haben die SPD, der zurückgetretene ägyptische Diktator Mubarak, der ins Exil geflohene tunesische Diktator Ben Ali und Laurent Gbagbo, der Diktator der  mehr …

Stephanie zu Guttenberg – Frau frei von Fakten?

Udo Ulfkotte

Die Frau des Bundesverteidigungsministers beklagt das angeblich große Geschäft mit dem sexuellen Missbrauch von Kindern durch die kinderpornografische Industrie. Diese setzt angeblich jährlich viele Milliarden Euro um. Mit der Realität haben solche Aussagen allerdings nichts gemein.  mehr …

Ägypten begrüßt den neuen Herrscher – eine Trendvorhersage

Gerald Celente

Die ägyptische Bevölkerung auf dem Freiheitsplatz feierte, die führenden Politiker der Welt schalteten sich dazu und die Medien plapperten weltweit davon, hier werde »Geschichte gemacht«. Der große Bösewicht Husni Mubarak habe »auf die Stimme des ägyptischen Volkes gehört« und sich ihren Forderungen nach dem Ende seiner 30-jährigen Herrschaft als  mehr …

Nicht systemrelevant: Wer schützt die Polizisten?

Udo Ulfkotte

Was passiert, wenn ein Verbrecher einem Polizisten in den Kopf schießt? Sorgt der Staat dann für das Opfer oder für den Täter? Polizisten wie Mario K. kennen die Antwort. Der 42 Jahre alte Berliner Polizist Mario K. versteht die Welt nicht mehr. Nachdem im Sommer 2009 ein Russlanddeutscher in einem Dresdner Gerichtssaal eine Ägypterin tötete,  mehr …
Newsletter-
anmeldung!
Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten und brisante Hintergrundanalysen
(Abmeldung jederzeit möglich)

Werbung

KOPP EXKLUSIV – Jetzt bestellen

Brisante Hintergrundanalysen wöchentlich exklusiv nur bei uns.

Katalog – Jetzt kostenlos bestellen

Bestellen Sie unseren Katalog kostenlos und unverbindlich.