Dienstag, 27. Juni 2017
16.04.2012
 
 

Deutschlands schärfste Geldanlage: Geheimtipp Damaststahl

Udo Ulfkotte

In Ostwestfalen gibt es in einer alten Schmiede noch einen Damastschmied. Dort werden bei einer schweißtreibenden Arbeit Jagd- und Kochmesser hergestellt, die wegen ihrer nicht mehr zu überbietenden Qualität weltweit gefragt sind. Die Käufer stammen aus allen Schichten der Bevölkerung. Doch selbst Prominente und Adlige werden als Kunden auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Mehr als 25 Messer, die aus Hunderten hauchdünner Schichten geschmiedet werden, kann der Schmied pro Jahr nicht herstellen. Wohl deshalb sind seine Produkte inzwischen begehrter als Gold.

Unseren Wohlstand verdanken wir jenen, die beständig Erfindungen machen oder tüfteln. Tüftler und Erfinder zählen ganz sicher nicht zu jenen, die häufig in der Arbeitslosenstatistik auffallen. Es sind

hochintelligente Menschen, die Ideen verwirklichen und ein Land voranbringen. Dabei handelt es sich keinesfalls nur um Forscher in wissenschaftlichen Einrichtungen. Manchmal findet man die größten Tüftler auch in den ältesten Hütten. Ein solcher Deutscher ist der Ostwestfale Hans-Jürgen Kugland. Der Mann hat ein uraltes Handwerk wieder zum Leben erweckt und als Tüftler über viele Jahrzehnte seit Jahrhunderten weitgehend verloren gegangenes Fachwissen reaktiviert. Er arbeitet in der tausend Jahre alten Fachwerkstadt Warburg am Flussufer der Diemel in einer kleinen Schmiede. Dort scheint die Zeit seit einem Jahrhundert stehengeblieben zu sein. Kuglands Großvater war Schmied, Kuglands Vater war Schmied und auch Hans-Jürgen Kugland erlernte den alten Handwerksberuf, der früher in jedem Dorf vertreten war. Das Schmiedehandwerk liegt bei ihm seit 1909 in der Familie. Wenn er in die Schmiede kommt, dann ist das für ihn wie ein Zeitsprung mit einer Zeitmaschine. Er vergisst dann bei der schweißtreibenden Arbeit die industrielle Welt da draußen.

 

»Die Schmiede war schon als Kind meine Welt«, sagt Kugland. Doch während seine Vorfahren früher wie viele andere Schmiede etwa Hufeisen für die Pferde in der Warburger Börde anfertigten, schmiedet Hans-Jürgen Kugland heute erlesene Kostbarkeiten, die seltener wohl kaum sein könnten: Der drahtige Mann ist Damastschmied. Er ist im deutschsprachigen Raum einer von nur noch sehr wenigen Schmieden, die in Jahrtausende alter Tradition Damaszener Stahl zu Messern von höchster Präzision schmieden können. Es sind Kunstwerke, die inzwischen zu einem Geheimtipp bei Sammlern und Anlegern geworden sind.

 

Seit frühester Zeit wurden Schwerter, Messer und andere Waffen aus Damaszener Stahl hergestellt. Die Bezeichnung »Damast« stammt wahrscheinlich aus dem Italienischen und ist abgeleitet von der syrischen Stadt Damaskus. Sie war im späten Mittelalter der Haupthandelsplatz für Damaszenerklingen, die aus Indien und Persien nach Europa eingeführt wurden. Das Problem bei der Herstellung von Klingen jeder Art ist schon immer die Konsistenz, also eine Materialfrage. Ist der Stahl zu weich, dann verbiegt sich die Klinge. Und wenn er zu hart ist, dann zerbirst sie. Hart wie Kruppstahl – diesen Vergleich braucht eine Damaszenerklinge nicht zu scheuen. Die bleibende extreme Schärfe, die Zähigkeit und die unglaubliche Härte sind dem uralten Verfahren zu verdanken: Verschiedene Stahlsorten werden in Hunderten dünner Schichten bei 1.150 Grad zusammengeschweißt und geschmiedet. Ein gutes Jagdmesser aus Damaststahl besteht aus mindestens 320 bis 380 Schichten Stahl. Man sagt, dass solch ein Damastmesser sogar Nägel durchtrennen kann – ohne dabei Schaden zu nehmen. Welche Wirkung ein Hieb mit einem Damaszenerschwert im Mittelalter auf eine gegnerische Ritterrüstung erzielen konnte, lässt sich leicht erahnen.

 

Im Zeitalter der industriellen Massenfertigung geriet die Damastschmiedekunst lange Zeit in Vergessenheit. Die »Geiz-ist-geil«-Kultur war lange Zeit auf Billigramsch und Wegwerfware fixiert. Und deshalb kennen nur noch wenige Menschen die schärfsten Messer, Schwerter und Äxte der Welt aus Damaststahl. Und noch viel weniger können sie schmieden. Warum das so ist, belegt ein Besuch in Kuglands alter Schmiede, die man ohne die geringsten Umbauten sofort als Filmkulisse für Dreharbeiten nutzen könnte, wenn man dabei auch den Zauber eines längst vergangenen Jahrhunderts einfangen möchte.

 

Hans-Jürgen Kugland war schon als Kind der einzige Warburger, der beim Indianerspiel mit selbst geschmiedeten Pfeilspitzen, Messern und Äxten aufwarten konnte. Schließlich wusste er, wie man mit dem Schmiedehammer umgeht. Als Bogenschütze reiste er viele Jahre später in die Vereinigten Staaten, wo er in Colorado Springs den berühmten amerikanischen Messerschmied Bob Schultz kennenlernte. Dieses zufällige Treffen sollte Kuglands Leben später entscheidend verändern. Denn statt Treppengeländern oder Eisengittern schmiedete Kugland fortan als Hobby Messer im heimischen Schmiedeofen. Und zwar nicht irgendwelche Messer, sondern ausschließlich jene, die im uralten Damastverfahren in Hunderten von Schichten in Verbundtechnik zusammengeschweißt werden. Das Wichtigste bei der Verarbeitung ist die Temperatur. Der Metallblock muss genau 1.150 Grad heiß sein, wenn er verarbeitet wird. Ist das Material auch nur einige Grad kälter, dann verbinden sich die Metallschichten unter den Hammerschlägen nicht richtig. Ist es zu heiß, dann verbrennt der Stahl. Hier den richtigen Zeitpunkt nur visuell anhand der Glühfarben zu erkennen, erfordert jahrelange Übung. Es sind nicht nur Feinheiten wie diese, die Kugland so schnell kein anderer in dieser Präzision nachmachen kann. Und deshalb gibt es seine Messer inzwischen auf fast allen Kontinenten. Jäger, Adlige, Prominente und auch immer mehr Durchschnittsbürger haben Damastmesser inzwischen nicht nur als trendige Gebrauchsgegenstände, sondern auch als Kunstobjekte und als Geldanlage entdeckt.

 

»Nicht ein Messer gleicht dem anderen, jedes ist ein absolutes Einzelstück«, sagt Kugland. Schließlich gibt es mehr als dreißig verschiedene Fertigungsschritte, die alle von Hand vollbracht werden. Auch wenn er den Auftrag bekäme, zwei absolut gleiche Stücke herzustellen – das ist unmöglich. »Jedes Messer hat eine Seele, es sind keine Stücke von der Stange. Ich habe sie alle mit meinen Händen bearbeitet«, sagt Kugland, der auch als Kampfsportler über Nordrhein-Westfalen hinaus einen Namen hat.

 

Bis zu fünfzig Arbeitsstunden kostet ihn die Herstellung eines Messers. Und das ist dann wirklich nur die Bearbeitung des Stahls. Hinzu kommen beispielsweise noch der Griff, der individuell für die jeweilige Handgröße maßgefertigt ist und auch noch die Lederscheide. Und dann muss das Messer ja auch noch ein optischer Leckerbissen werden, wie es für Damaszener Stähle typisch ist. Man erkennt Kuglands Damaszenerarbeit an den abwechselnd dunkel und hell gezeichneten Linien. Diese entstehen durch Ätzung der Oberfläche, weil hier die verschiedenen geschmiedeten Lagen heraustreten. Die verwendeten unterschiedlichen Stahlsorten reagieren dann auf die Säure mit unterschiedlichen Verfärbungen. Eine meisterliche Kunst ist es, wenn die Klinge nicht nur wilde Muster, sondern zum Beispiel Wellen, Rosen oder gar Torsionsmuster haben soll, wobei die Klinge hierbei aus mehreren Bahnen Torsionsdamast zusammengesetzt ist und eine zusätzliche Schneidleiste aus Schichtdamast aufgesohlt wird.

 

Wer heute ein Messer aus echtem Damaszener Stahl bestellt, der wird von Kugland auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Er muss viele Monate warten. Und er sollte sich seelisch auf einen drei- bis vierstelligen Betrag einstellen. Es ärgert den Ostwestfalen Kugland, wenn Interessenten beim Preis feilschen wollen. Denn ein anderer Damastschmied verkauft seine Damastmesser im deutschsprachigen Raum immerhin zum zehnfachen Preis. Auch das hat sicher seine Berechtigung. Denn was sich in diesem Bericht so einfach liest, ist nicht nur körperliche Schwerstarbeit, sondern erfordert vor allem viel Geschick und eine absolute Perfektion bei der Abstimmung der vielen Arbeitsschritte. Beim Verschweißen der Stahlpakete und beim späteren Formen der Klinge ist höchste Konzentration sowie jahrelange Übung gefragt, sonst ist das Ergebnis wertlos. Ein einziger Fehler während des gesamten Fertigungsprozesses kann die Arbeit vieler Tage zunichtemachen. Und dann fängt man wieder ganz von vorn an. Das erklärt, warum die filigran verzierten Einzelstücke inzwischen auch als Geldanlage so begehrt sind. Schließlich kann man Edelmetalle wie Gold jederzeit in beliebiger Menge kaufen. Aber bei den wenigen Damastschmieden muss man sich als Kunde geduldig anstellen und hoffen, dass der Auftrag überhaupt angenommen werden kann. Kugland sagt stolz: »Viele Kunden freuen sich wie kleine Kinder und haben strahlende Augen«, wenn sie nach vielen Monaten ihr ganz persönliches Einzelstück bekommen. Und die Kunden sind keineswegs nur Männer. Frauen, die auch nur einmal ein Küchenmesser aus Damaststahl benutzen durften, wollen es nicht wieder hergeben. Seine Kochmesser haben bis zu 525 verschiedene Lagen aus den besten Kohlenstoffstählen.

 

Kugland demonstriert die Schärfe gern mit einer verblüffenden Vorführung. Er reißt sich ein Haar aus und spaltet dieses auf der Schneide von einem seiner Jagdmesser. Wohl nur die besten Rasierklingen sind ähnlich scharf. Kein Industrieprodukt kann damit konkurrieren. Man kann in unsicheren Zeiten in Edelmetalle investieren und man kann Feld, Wald oder Teiche kaufen. Aber man bekommt mit einem Messer aus Damaststahl wohl Deutschlands schärfste Geldanlage.

 

 


 

 

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