Dienstag, 6. Dezember 2016
16.10.2014
 
 

Die FAZ, die Huffington Post, Geheimdienste und mein Arbeitszeugnis

Udo Ulfkotte

In meinem Arbeitszeugnis von der FAZ steht, dass ich dort bei meinen Arbeitsgebieten auch für die Geheimdienste zuständig war und diese Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit der FAZ wahrgenommen habe. Nicht nur das hat man bei der FAZ heute offenkundig vergessen. Daher veröffentliche ich einfach einmal mein FAZ-Arbeitszeugnis.

 

Zu den eher merkwürdigen Erlebnissen zählt es, wenn man im Internet überraschend Dinge über sich selbst liest, die man bislang noch gar nicht kannte. Bei Wikipedia etwa stehen Dinge als Tatsachenbehauptungen über mich, da staune ich einfach nur noch. Da steht etwa, dass ich an einer pietistischen Universität in San Francisco lehre (Stand 2013).

 

Ich weiß nicht, ob das etwas Unanständiges ist, aber ich bin aus Gesundheitsgründen seit Jahren nicht mehr in den USA gewesen. Ganz sicher nicht 2013. Aber Wikipedia weiß das sicher besser. Ich lese bei Wikipedia seither lieber nicht weiter. Sonst begegne ich noch irgendwann einem virtuellen Doppelgänger, der mich fast perfekt imitiert.

 

Noch besser weiß es das US-Blatt Huffington Post. Die haben gerade einen langen Artikel über mich veröffentlicht, weil ich es gewagt habe, im russischen Fernsehen darauf hinzuweisen, dass es im Sommer 1988 in Deutschland ein Tabu-Thema war, darüber zu berichten, dass die Iraker mit deutschem (!) Giftgas Iraner vergast haben. Ich war bei der grausamen Aktion damals vor Ort dabei. Und ich bin wahrscheinlich der Einzige, der noch viele unveröffentlichte Fotos davon hat. Außer einem kleinen Bericht in der FAZ durfte 1988 darüber in Deutschland nichts erscheinen.

 

 

Erst ein Jahr später (!), als sich die Strategie der Amerikaner gegenüber ihrem Schützling Saddam Hussein änderte. Der Mitarbeiter der Huffington Post scheint eher geringe Geschichtskenntnisse zu haben, dafür muss man heute bei unserem Bildungssystem halt Verständnis haben.

 

Um es deutlich zu sagen: Wenn mit deutschem Giftgas unter amerikanischer Aufsicht Jahrzehnte nach dem Dritten Reich Menschen vergast werden, dann hätte ich 1988 wie auch jetzt bei der Huffington Post einen Aufschrei erwartet.

 

Der Versuch einer »Rechtfertigung«, dass doch irgendwann ein Jahr später darüber berichtet worden sei, ist so unterste Schublade, dass ich mich gar nicht weiter so tief bücken will.

 

Mein Mitgefühl gilt jedenfalls weiter den Angehörigen der Opfer des deutschen Giftgases 1988 und nicht irgendwelchen medialen Rechtfertigungsversuchen der US-hörigen Huffington Post.

 

Interessant und erstaunlich ist derzeit für mich eine Antwort der FAZ auf die vielen Anfragen dort von Lesern zum neuen Bestseller Gekaufte Journalisten. Da schreibt die Pressestelle der FAZ als Antwort jetzt:

»Udo Ulfkotte bezichtigt sich in seinem Buch ›Gekaufte Journalisten – Wie Politiker, Geheimdienste und Hochfinanz Deutschlands Massenmedien lenken‹, diese Grundsätze als Redakteur der F.A.Z. missachtet zu haben. (…)

Ulfkotte, von dem die F.A.Z. sich im Jahr 2003 trennte, ist während seiner Dienstzeit wiederholt aufgefordert worden, sich an die journalistischen Standards zu halten.«

 

Äh, wie bitte? Da war er wieder, der oben schon beschriebene Wikipedia-Effekt. Wo bitte ist mein Doppelgänger?

 

Ich weiß, die FAZ hat alles erwartet. Nur nicht, dass ich jetzt mein FAZ-Arbeitszeugnis veröffentliche. Vielleicht hat man das auch dort längst vergessen. Also lesen Sie doch einfach selbst, was darin steht und wie ich mich zu FAZ-Grundsätzen verhalten habe. Das Arbeitszeugnis wurde am 30. November 2003 von der FAZ ausgestellt und liegt mir natürlich im Original vor, Zitat daraus:

 

»Herr Dr. Ulfkotte arbeitete zunächst in der Nachrichtenredaktion, anschließend in der politischen Redaktion mit den regionalen Schwerpunkten Afrika sowie Naher Osten. Weitere Arbeitsgebiete waren die Geheimdienste im In- und Ausland (…).

Herr Dr. Ulfkotte identifizierte sich mit seinen Aufgaben und zeigte stets Engagement, Eigeninitiative und Zielstrebigkeit. Er war ein ausdauernder Mitarbeiter, der fachlich hohe Anforderungen an sich stellte und diese jederzeit voll erfüllte. Aufgrund seiner ausgesprochen guten Auffassungsgabe arbeitete sich Herr Dr. Ulfkotte schnell und erfolgreich in neue Themengebiete ein. (…)

Sein solides, detailliertes und jederzeit äußerst aktuelles Fachwissen in den ihm übertragenen Schwerpunktgebieten wendete Herr Dr. Ulfkotte laufend mit großem Erfolg in seinem Arbeitsbereich an. Dabei eignete er sich im Laufe der Jahre eine Fachkompetenz an, die weit über dem üblichen journalistischen Maß liegt. (…)

Herr Dr. Ulfkotte erfüllte alle Aufgaben stets zu unserer uneingeschränkten Zufriedenheit. (…)

Wir bedauern, ihn zu verlieren und danken ihm für seine guten Leistungen sowie die angenehme Zusammenarbeit.

 

Arbeitsrechtler haben mir jetzt auf Nachfrage bestätigt, dass man dieses Zeugnis in Schulnoten mit »sehr gut« oder »gut« übersetzen würde. Sie haben mir zugleich davon abgeraten, das Original als PDF komplett im Internet zu veröffentlichen, weil Dritte im Internet mit der Vorlage dann jederzeit viel ärgerlichen und folgenreichen Unsinn anstellen könnten.

 

Ich habe damals keinen bei der FAZ dazu gezwungen, das Arbeitszeugnis zu unterzeichnen oder es so auszustellen. Wenn die FAZ also heute als Reaktion auf den Bestseller Gekaufte Journalisten schreibt:

 

»Ulfkotte, von dem die F.A.Z. sich im Jahr 2003 trennte, ist während seiner Dienstzeit wiederholt aufgefordert worden, sich an die journalistischen Standards zu halten.«,

 

dann sollte niemand den Eindruck gewinnen, dass mir gekündigt worden wäre. Ich habe vielmehr viel Lob von der FAZ für meine Arbeit bekommen, ich kann das gern bei Bedarf nach und nach veröffentlichen, nehme davon aber derzeit Abstand.

 

Die FAZ, so belegt nicht nur mein hervorragendes Arbeitszeugnis, war vielmehr sehr zufrieden mit meiner Arbeit und bedauerte meinen Weggang. Das scheint man in der Pressestelle der FAZ nicht zu wissen, daher helfe ich den jungen FAZ-Kollegen hiermit sehr gern nach.

 

Mögen sie sich bei der FAZ jetzt bitte nicht gegenseitig die Schädel einschlagen. Das bringt doch nichts. Lest lieber in Gekaufte Journalisten nach, wie das mit den Geheimdiensten bei mir in der FAZ war. Denn auch das wird ja im Arbeitszeugnis zumindest erwähnt. Sorry für diese Veröffentlichung, aber die Wahrheit kommt einfach immer irgendwann raus. Also: Gekaufte Journalisten lesen, es lohnt sich!

 

 

 

 

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Leser-Kommentare (57) zu diesem Artikel

18.10.2014 | 23:24

bohrwurm.nett

Herr Dr. Ulfkotte gehört zu der außergewöhnlich wertvollen Spezies "lumbricus terrestris", also der Regenwürmer, die durch das Bohren ihrer Löcher in den betonstarken korruptiv-kriminellen Mediensumpf, der sich über uns ausgebreitet hat, für überlebensnotwendige "Belüftung" sorgt. Danke, Herr Dr. Ulfkotte, auch wenn Sie mir eine Nacht gestohlen haben, weil es unmöglich war, das Buch wegzulegen, bevor ich es durchgelesen hatte. Bleiben Sie stehen, auch wenn...

Herr Dr. Ulfkotte gehört zu der außergewöhnlich wertvollen Spezies "lumbricus terrestris", also der Regenwürmer, die durch das Bohren ihrer Löcher in den betonstarken korruptiv-kriminellen Mediensumpf, der sich über uns ausgebreitet hat, für überlebensnotwendige "Belüftung" sorgt. Danke, Herr Dr. Ulfkotte, auch wenn Sie mir eine Nacht gestohlen haben, weil es unmöglich war, das Buch wegzulegen, bevor ich es durchgelesen hatte. Bleiben Sie stehen, auch wenn die Kohorten der medialen Biedermänner nun reflexartig nach
gewohntem Muster mit Lehm werfen. Selbst habe ich bereits vor geraumer Zeit nach 17-jährigem Abonnement die Süddeutsche Zeitung dies abbestellt, weil ich die dortige teilweise plumpe Kriegshetze gegen unser Nachbarland Rußland und die Faustdicken Desinformations-Ergüsse nicht mehr ertragen mochte....Ihr Werk paßt ins Bild.


18.10.2014 | 13:06

rene

Dice Wahrheit siegt immer!


18.10.2014 | 12:03

claudia

Wow... noch ein superheld... alles schön und gut, aber über die Lebensweise des menschen und dem zustand des Herzens Hat der vogel hier keine Ahnung... natürlich meint er, er habe sie


18.10.2014 | 10:29

Bernd Zehfeld

Vielen Dank dafür dass Sie den Menschen die Augen öffnen. Bitte weiter so!


18.10.2014 | 09:18

Martin Voigt

Mäh, mäh, mäh; ihr Schäflein merket ihr nicht? Der Ulfkotte ist ein Wicht! Veröffentlicht wieder mal nur die Hälfte. Er ist ein Trojaner, genau wie sein Verlag. Aufgabe: "Channeling"; Kanalisierung des Protests.


18.10.2014 | 07:12

Peter Meier-Schlittler

Ich gratuliere Ihnen für Ihr Buch "Gekaufte Journalisten", das ich mit grossem Interesse gelesen habe und vor allem für Ihren Mut, damit an die Öffentlichkeit zu treten! Für mich ist das Fazit klar: seit langem ist in den westlichen Demokratien - auch in der Schweiz - eine Parallel-Welt entstanden. Diese bildete sich in Form von Stiftungen, Vereinen, Lobby-Organisationen, NGO´s, staatsnahen Institutionen, geheimen Treffen von Führungspersonen....usw. Diese...

Ich gratuliere Ihnen für Ihr Buch "Gekaufte Journalisten", das ich mit grossem Interesse gelesen habe und vor allem für Ihren Mut, damit an die Öffentlichkeit zu treten! Für mich ist das Fazit klar: seit langem ist in den westlichen Demokratien - auch in der Schweiz - eine Parallel-Welt entstanden. Diese bildete sich in Form von Stiftungen, Vereinen, Lobby-Organisationen, NGO´s, staatsnahen Institutionen, geheimen Treffen von Führungspersonen....usw. Diese "Parallel-Welt" - ein Machtmissbrauch - ist gebildet worden um abseits langwieriger, erklärungsbedürftiger, transparenter und der Wahrheit verpflichteter demokratischer Prozesse, agieren zu können. Und wie Sie ja wissen ist eigentlich das Bedauerlichste, dass sich dieser Machtmissbrauch so allmählich bis in die höchsten politischen Gremien eingeschlichen hat und diese ohne Bedenken - und noch ohne Murren der Bevölkerung - sich dazu verleiten lassen, mehr und mehr auch gravierende Rechtsbrüche zu begehen oder die Rechtslage je nach ihrem Gutdünken und Bedarf auszulegen.

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