Samstag, 10. Dezember 2016
28.02.2014
 
 

Fortschrittliche Sprachreinigung: Der Mohr soll gehen

Udo Ulfkotte

Die Evolution hat den Menschen Augen gegeben, mit denen sie ihre Umwelt betrachten können – und ein Gehirn, um die Eindrücke zu verarbeiten. Mitunter gibt es Sinnestäuschungen. Denn Politiker und auch Medien zeichnen oftmals gern ein Bild von unserer Umwelt, welches bei näherer Betrachtung völlig anders ist. Das ist zwar politisch so korrekt. Aber wir haben jetzt Angst vor der Wahrheit.

Aus dem einstigen Land der Dichter und Denker ist ein Volk von Feiglingen geworden. Das freie Nachdenken, die Voraussetzung für unseren einstigen Wohlstand, gilt jetzt als unanständig. Haben Sie etwa Zweifel am »Klimawandel«? Bloß nicht darüber sprechen. Es wäre mindestens so schlimm, als ob Sie dreist leugnen, dass der erstarkende Islam eine große Bereicherung für den deutschsprachigen Raum ist. Haben Sie vielleicht auch Zweifel daran, dass der Euro stabiler ist als D-Mark und Schilling es je waren? Und glauben Sie tief im Innern, dass jene Milliarden, mit denen wir südliche Pleitestaaten »retten«, rausgeworfenes Geld sind? Hinterfragen Sie etwa die Aussagen unserer Politiker, wonach die Kriminalität seit Jahren beständig zurückgeht? Pssst!

Behalten Sie das alles besser für sich. Denn das ist mindestens ebenso schlimm, als ob Sie neben Ihrer Wohnung kein multikulturelles Asylbewerberheim für die vielen diskriminierten Roma und andere Armutsflüchtlinge haben wollen.

 

Politisch korrekt sein, das heißt schließlich, die Lügen von Politik und Medien brav zu schlucken. Wer politisch korrekt ist, der glaubt, dass die Euro-Krise vorbei ist. Der hält die Energiewende für bezahlbar und die Renten für sicher. Der glaubt, dass die Mieten sinken werden, dass wir uns der Vollbeschäftigung nähern und deshalb ganz dringend viele Arbeitskräfte im Ausland anwerben müssen. Wer politisch korrekt ist, der glaubt, dass die Steuern nicht noch weiter erhöht werden. Und wer so denkt, der hält sogar die Schwulenehe für kinderfreundlich. Und er glaubt, dass es in Afghanistan nach dem Rückzug der westlichen Truppen Menschenrechte geben wird. Wer politisch korrekt ist, der lebt in einer Illusion. Und er weiß es, spielt aber mit. Der dänische Schriftsteller Hans Christian Andersen hat dieses Verhalten trefflich 1837 in seinem Märchen Des Kaisers neue Kleider beschrieben. Nur weil Autoritäten dort behaupten, der Kaiser trage ein Kleid aus einem Stoff, den nur intelligente Menschen sehen könnten, loben alle den in Wahrheit nackten Kaiser. Das Tabu, die gar nicht vorhandenen Kleider des nackten Kaisers zu bewundern, wird erst gebrochen, als ein kleines Kind bei einem Festumzug aus der Menge ruft, der Kaiser sei ja nackt. Auch wir huldigen den nackten Kaisern in Politik und Medien. Zumindest ist es tabu, die von ihnen vorgegebenen Denkschemata infrage zu stellen.

 

Wir sind umzingelt von einem engmaschigen Netz der Tabus und politischen Korrektheiten, die man nicht mehr offen ansprechen darf. Allein der Verdacht, die politische Korrektheit verletzt zu haben, stempelt einen Menschen für den Rest des Lebens bestenfalls zum Idioten oder aber zum Außenseiter. Jeder weiß das. Und jeder pariert jetzt, wenn es wie in einer Diktatur darum geht, die Sprach- und Denkvorgaben zu erfüllen. Wer klar denkt und sich außerhalb der politischen Korrektheit bewegt, der wird schnell zum bösen »Populisten« gestempelt. Wir haben Angst davor, »populistisch« genannt zu werden. Warum eigentlich? Das Wort »populistisch« kommt schließlich von lateinischen »populus« (Volk) und bezeichnet eine Nähe zum Volk. Ist es wirklich tabu, wenn man als Bürger volksnah ist?

 

Jeden Tag begegnen wir einer neuen Tabuisierung. Unsere vorgeformten Denkschablonen sind allumfassend, haben sich wie Mehltau über eine geistig absterbende Gesellschaft gelegt. Muss uns ein Beobachter, der uns von einem fremden Stern zuschaut, nicht für die Insassen eines großen Irrenhauses halten?

 

Haben Sie schon einmal das Wort »Neger« gesagt? Wissen Sie, was dann passiert? Da gab es einen deutschen Bundespräsidenten, der 1962 bei seiner ersten Reise durch Afrika in Liberia eine Rede angeblich mit den Worten begann: »Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger«. Der Mann hieß Heinrich Lübke (1894-1972). Er war der zweite Bundespräsident. Bis heute wird Heinrich Lübke mit den zitierten Worten als Beispiel für einen rassistischen Deutschen ins Feld geführt, der von Natur aus tumb, ausländerfeindlich und ganz sicher nicht weltoffen ist. Dieser Eindruck verfestigte sich endgültig, als der Spiegel damals auch noch berichtete, Lübke habe beim Staatsbesuch der englischen Königin am Rhein vor dem Aufbruch zu einer Schiffsfahrt gesagt: »Equal goes it loose«. Der rassistische Tollpatsch Lübke hatte angeblich »gleich geht’s los« auf seine eigene Art in die Muttersprache der englischen Königin übersetzt.

 

Dummerweise war das alles eine Erfindung des Spiegel, die aber erst 2006 – also rund vier Jahrzehnte später – von einem Spiegel-Mitarbeiter eingestanden wurde. Nicht nur das Nachrichtenmagazin Spiegel stellte das deutsche Staatsoberhaupt in den 1960er-Jahren als trotteligen Idioten hin. Andere Journalisten erlogen, er habe gegen politische Korrektheiten und Tabus verstoßen. Und schon war das Staatsoberhaupt für alle Zeiten abgestempelt. So einfach macht man Menschen fertig. Selbst das eigene Staatsoberhaupt. Bis heute glauben viele Menschen da draußen, dass Lübke ein rassistischer Idiot war, der Menschen als »Neger« ansprach und nicht einmal Englisch konnte. Dieses kleine Beispiel belegt eindrucksvoll, wie sehr Medien das Denken der Massen bestimmen. Vor allem bestimmen sie, was richtig und was falsch ist. Und niemand protestiert. Ja, wir denken nicht einmal mehr darüber nach, wenn Medien uns die Denkschablonen vorgeben. In Hinblick auf Lübke hatte das grauenvolle Folgen. Denn zum Ende seiner Amtszeit hatte der dann tatsächlich immer mehr Versprecher. Und einen, der Afrikaner angeblich als »Neger« bezeichnet hatte, machten die Journalisten dann doch erst recht lächerlich.

 

Doch Lübke, so stellte sich wenige Tage vor seinem Tod 1972 heraus, hatte eine Krebserkrankung mit vielen Metastasen, welche auch sein Gehirn befallen hatten. Und eine Zerebralsklerose begünstigte Versprecher. Rückblickend haben die deutschen Medien also erst unwahre Behauptungen über einen großen Mann aufgestellt und diesen dann später, als er wehrlos und schwer an Krebs erkrankt war, zur Gaudi des Publikums am Nasenring durch die Arena geführt. Noch verheerender: Die Journalisten machten damit auch noch viel Geld. Denn sie pressten die Versprecher des kranken deutschen Staatsoberhaupts auf eine Langspielplatte und vertrieben diese unter dem Titel »Heinrich Lübke redet für Deutschland«. Millionen wurden seither damit verdient. Es waren Journalisten, die so alle bestehenden Tabus gebrochen haben. Und dennoch steht ihr Opfer bis heute als Idiot da. Die Erkenntnis lautet somit: Da draußen gibt es Menschen, die können alle Tabus brechen und auch noch Geld damit verdienen, wenn sie wehrlose Menschen fertigmachen. Das hat einfach keine Folgen für sie.

 

Doch beim Brechen und Verfolgen von Tabus und politischen Korrektheiten sind nicht alle gleich: Denn wie wir noch sehen werden, macht es einen großen Unterschied, ob ein früherer Wafen-SS-Mann mit Nachnamen »Grass« oder »Tappert« heißt. Der eine ist links angehaucht, der andere eher konservativ. Wenn in der christlichen Kirche vor Jahrzehnten Kinderschänder in den Reihen der Priester von christlichen Würdenträgern geschützt wurden, dann ist das (zu Recht) ein Skandal. Wenn Politiker wie der Grüne Jürgen Trittin sich vor Jahrzehnten für Kinderschänder engagierten, dann sollen wir politisch korrekt darüber hinwegschauen. Das alles folgt einem ganz bestimmten Schema, bei dem eine bestimmte Gruppe die politisch korrekten Denkschemen vorgibt. Und wir, das Publikum, wir nehmen das (noch) wie selbstverständlich hin. Wir sind tatsächlich Statisten in einem Irrenhaus.

 

Früher fanden Hinrichtungen auf dem Marktplatz statt. Heute erledigen das die Medien, bei all jenen, die der verordneten politischen Korrektheit noch trotzen. Wer ihre Vormachtstellung und damit ihre Deutungshoheit infrage stellt, mit dem wird kurzer Prozess gemacht – sollte er nicht bereits durch den politisch korrekten Lynchmob medial aufgeknüpft worden sein.

 

Journalisten stehen nur noch dann auf, wenn sie selbst betroffen sind oder sein könnten. Man sieht das gut an der Mohrenstraße. Die soll in Berlin aus Gründen der Politischen Korrektheit umbenannt werden. Schließlich steht die Straße allein wegen ihres Namens unter Rassismusverdacht. Und nun macht sich auch der Journalist Reinhard Mohr Gedanken über seinen Namen. Mohr schreibt:

Willkommenskultur, Inklusion, Gendergerechtigkeit, strukturelle Nachhaltigkeit, postkonventionelle Partizipationsformen, interkulturelle Sensibilität, Transparenz: Schaumgummi-Vokabeln wie diese sollen die freie Anschauung der vielfältigen und konfliktreichen Wirklichkeit a priori standardisieren und vereinheitlichen. Die perfekte Sprachregelung.

Öffnen wir endlich die Augen: Wir haben da draußen wieder Blockwarte, die politisch nicht korrekte Texte löschen oder ändern. Profile von Politikern werden gereinigt, Klimaleugner, Euro-Rebellen, Gender-Verweigerer und Liberale werden in die rechte Ecke gedrückt. Fragwürdige wissenschaftliche Arbeiten dienen als Quellennachweise für nicht minder fragwürdige politische Einordnungen all jener, die nicht so recht auf den Wogen des Zeitgeistes mitschwimmen wollen. Sich regender Protest wird rasch im Keim erstickt. Die Bevormundung beim Denken und Sprechen, die Gängelung der einst so frei denkenden Menschen im deutschsprachigen Raum ist unübersehbar. Die Denkschablonen werden vor allem von Journalisten vorgelebt. Sie haben die Menschen eingezwängt in einen Käfig voller Ängste. Wir haben jetzt eine neue Sprache, Schönsprech. Wir nennen hässliche Menschen jetzt »ästhetisch herausfordernd« und dumme »geistig herausfordernd«. Wir sagen »Generation 60 plus« statt »Rentner« und »anderweitig begabt« statt behindert. Das alles gehört zum politisch korrekten Umgangston.

 

In den letzten Jahren wurden Tausende von Worten unmerklich durch andere ersetzt. Oftmals ist uns das gar nicht aufgefallen. Jene, welche in den Medien die Deutungshoheit haben, verändern unser Denken, indem sie uns die politisch korrekten Begriffe vorgeben. Die Tötung von Zivilisten nennen wir »Kollateralschäden« und eine Entlassung ist jetzt eine »Freisetzung«. George Orwell nannte diese heimliche Umgestaltung der Sprache im Jahre 1949, als er sein Meisterwerk 1984 verfasste, »Neusprech«. Dieses »Neusprech« wurde in seinem Roman entwickelt, um die Vielfalt der Gedanken zu verringern. Im Klartext: um das Denken von Menschenmassen zu vereinheitlichen.

 

 

 

 


 

 

 

 

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