Gefährliche Fußballer? Warum Diktatoren jetzt das Fußballspiel verbieten
Udo Ulfkotte
SPD-Politiker Uwe Hück fährt einen Porsche mit 500 PS. Dem Mann ist aufgefallen, dass in seiner Heimatstadt Pforzheim sozial schwache Jugendliche, denen es nicht so gut geht wie ihm, mit Schusswaffen rumballern. Das beunruhigt den Porsche-Fahrer jetzt gewaltig. Denn die Jugendlichen könnten den Ägyptern und Tunesiern nacheifern. »Wir müssen aufpassen, dass wir nicht ägyptische Verhältnisse bekommen.« Das hat SPD-Mann und Porsche-Betriebsratchef Uwe Hück gesagt. Was also tun? Sollten wir jetzt jedem unzufriedenen Jugendlichen einen Porsche schenken? Die tief beunruhigten arabischen Staatsführer gehen in diesen Tagen einen völlig anderen Weg: Sie verbieten das Fußballspiel. Aus ganz bestimmten Gründen.
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Deutsche Fernsehsender berichten über die Revolution in Tunesien. Und über die in Ägypten. Zwischen den beiden Ländern liegt Libyen. Erstaunlicherweise hat bislang kaum ein deutscher Journalist über die gegen Diktator Gaddafi gerichteten (zaghaften) Proteste in Libyen berichtet. Die Jugendarbeitslosigkeit ist dort mit 47 Prozent höher als in Tunesien oder in Ägypten. Doch trotz der strengen Zensur und der Überwachung durch den Geheimdienst gab es nicht nur in Benghazi, der
zweitgrößten libyschen Stadt, die ersten Anti-Gaddafi-Demonstrationen – die allerdings schnell von den Sicherheitskräften aufgelöst wurden. Das war schon vor dem Sturz des tunesischen Diktators Ben Ali. Diktator Gaddafi hat schneller als alle anderen Diktatoren der Region reagiert und in einem ersten Schritt alle Steuern auf Grundnahrungsmittel aufheben lassen. Das hat aber nicht wirklich viel geholfen. Auch die Libyer wollen sich weiter gegen die Diktatorenfamilie Gaddafi erheben und diese aus dem Land jagen.
Ebenso wie Algerien hat nun auch Libyen Fußballspiele verboten. Denn unter der Tarnung des Fußballsports könnten sich ja junge gewaltbereite Männer versammeln. Es waren ägyptische und tunesische Fußballclubs, die vor wenigen Wochen die ersten arabischen Unruhen gegen die arabischen Diktatoren organisiert hatten. Auch in Sudan, wo am 4. Februar 2011 das große afrikanische Fußballturnier eröffnet wurde, wollten Fußballfans Demonstrationen gegen die Khartumer Despotenregierung organisieren. Panik macht sich unter den Despoten breit: Angst vor Fußballern und ihren jungen männlichen Freunden.
Die Algerier hatten vor diesem Hintergrund das für den 5. Februar 2011 angesetzte
Freundschaftsspiel mit den Tunesiern verboten – aus Angst vor neuen Demonstrationen. Auch in Marokko, wo in Tanger und Rabat die Menschen gegen den despotischen König demonstrieren, sollen junge Männer vorerst nicht mehr Fußball spielen dürfen. In Libyen haben Fußballer die Bewegung »Khalas Gaddafi« (etwa »Es reicht, Gaddafi!«) gegründet. Und Gaddafi hat Angst vor den jungen Männern. Deshalb dürfen auch sie vorerst nicht mehr mit dem Fußball spielen.
Man muss dazu wissen, dass Saadi Gaddafi, Sohn des libyschen Herrschers Muammar, ebenso ein Fußballnarr ist wie sein Vater. Immerhin war er auch Präsident des Afrikanischen Fußballverbandes. Wenn eine in den Fußballsport vernarrte Familie das Fußballspiel verbieten lässt, dann hat sie offenkundig begründete Angst.
Wir Deutschen haben immer ein großes Herz für arabische Diktatoren und für ihre Kinder gehabt. Wir haben uns gefreut, wenn der Sohn des libyschen Diktators Gaddafi in München mit ohrenbetäubendem Lärm Straßenrennen fuhr. Wir finden so einen Diktatorensohn, der mit 110 Dezibel an uns vorbeirauscht, irgendwie cool.
Und wir freuen uns, wenn ein anderer arabischer Diktator, der schwule Sultan von Oman, bei uns mal wieder die Puppen tanzen lassen will. Denn dann besucht er Deutschland, wo ihm nahe Garmisch-Partenkirchen unter anderem eine Kneipe gehört (Qabus und seine Günstlinge haben mehrere Anwesen in der Umgebung von Garmisch). Da steht Diktator Qabus, der seinem Volk den Alkohol verboten hat, dann gern unter seinen männlichen Freunden am Tresen. Vielleicht wird ja auch der Sultan Qabus seinem Volk bald schon das Fußballspiel verbieten? Ob unser Außenminister Guido Westerwelle dann dafür wärmstes Verständnis haben würde? Auch im streng islamischen Sultanat Oman gibt es ja inzwischen die ersten Demonstrationen gegen den despotischen Diktator. Die BILD-Zeitung feiert Oman derweilen noch als Traum-Reiseziel. Im Nachbarland Jemen kracht es allerdings schon gewaltig, die Menschen demonstrieren gegen den seit mehr als drei Jahrzehnten regierenden Diktator Ali Abdullah Saleh. Und auch in Oman gehen die Menschen immer wieder auf die Straße und fordern höhere Löhne und ein Ende der Korruption. Solche Berichte werden den schwulen Diktator in der Hauptstadt Muskat nicht freuen. Aber er kann ja jederzeit nach Garmisch. Er hat sich ja auf eine solche mögliche Entwicklung gründlich vorbereitet.
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