Freitag, 24. März 2017
01.11.2011
 
 

Geheimdienste im Euro-Krieg: Wie Paris die Bundesregierung überwacht

Udo Ulfkotte

Während Politiker in den 17 Mitgliedsstaaten der Eurozone über Rettungspakete verhandelten, griff die französische Regierung in aller Stille zu unlauteren Mitteln. Kein James-Bond-Film ist so spannend wie die Realität. Das mussten gerade erst mehrere Abgeordnete erfahren. Und einigen EU-Bankern erging es noch schlimmer: die Franzosen überraschten sie beim Besuch in einem Frankfurter Bordell.

Die Europäische Union hat eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik. Und es gibt innerhalb der EU für 17 Staaten eine gemeinsame Währung. Doch hinter den Kulissen bekämpfen sich die Staaten mit allen Mitteln so, als ob sie verfeindet wären. Zumindest die Geheimdienste arbeiten weiter, als ob es die Europäische Union nicht gäbe. Die Franzosen etwa hören ranghohe deutsche Politiker, Wissenschaftler und deren Mitarbeiter ab. Das belegt ein Einblick in aktuelle französische Geheimdienst-Operationen. Präsident Sarkozy wollte demnach seit Monaten schon rund um die

 

Uhr wissen, was ihn aus Deutschland in Zusammenhang mit den Euro-Rettungsschirmen und der EFSF (Europäische Finanz-Stabilisierungs-Fazilität) erwartete – es ist für ihn politisch überlebenswichtig. Er beauftragte seine Geheimdienste. Sarkozy interessierte vor allem auch, ob die Deutschen insgeheim einen Austritt aus der Eurozone vorbereiten und wie dieser bei welchen möglichen Szenarien aus der Sicht der Bundesregierung aussehen könnte.

 

 

Der französische Auslandsnachrichtendienst Direction Générale de la Sécurité Extérieure (DGSE) soll in den vergangenen Monaten engste Berater und führende Mitglieder der deutschen Bundesregierung abgehört haben. Zudem wurden offenkundig menschliche Quellen eingesetzt, um im Umfeld der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und des Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble (CDU) Informationen abzuschöpfen. Der Auftrag lautete, den französischen Staatspräsidenten Sarkozy vor den jeweiligen Euro-Treffen möglichst umfassend darüber zu unterrichten, wie weit die deutsche Bundesregierung maximal auf französische Vorschläge eingehen könne. Abgehört wurden die Mobiltelefone von mehr als fünfzig Personen aus dem Umfeld der Kanzlerin und des Finanzministers. Unter den Betroffenen sind keineswegs nur die für Finanzen und die EU zuständigen Mitarbeiter der großen politischen Parteien. Lesen Sie die Namen und wann und wo sie überwacht wurden.

 

Dass die Franzosen bei der Gier nach Informationen in Deutschland auch mit klassischen Fallen arbeiteten, belegt ein Blick auf die geheimen Treffen der EU-Zentralbanker im Frankfurter »Eurotower«: Jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat speisen die Direktoren der Europäischen Zentralbank und die Vorsitzenden der Zentralbanken der EU-Staaten in einem eigens dafür eingerichteten Saal im EZB-Gebäude. Das Beisammensein ist seit rund einem Jahrzehnt eine Tradition. Mit diesem entspannten Treffen am Vorabend beruflicher Strapazen soll eine zwanglose Atmosphäre für das Arbeitsgespräch am Folgetag geschaffen werden. Keiner der Teilnehmer darf über die Veranstaltung sprechen. Das gilt auch für die Besprechungen im abhörsicheren Konferenzraum am folgenden Tag im 36. Stock des »Eurotowers«. Doch zwischen den beiden Verhandlungstreffen liegt eine lange Nacht. Und die nutzen einige Teilnehmer fern der Heimat regelmäßig wie der in die Schlagzeilen geratene frühere IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn. Dummerweise waren die EU-Banker bei den letzten amourösen Eskapaden in Frankfurt nicht unbeobachtet. Das hatte Folgen, die die Öffentlichkeit wohl besser nicht erfahren sollte. Wer waren die Teilnehmer? Und was passierte dann – unmittelbar vor den wichtigen Abstimmungen über die Zukunft des Euro? Lesen Sie, was andere Medien Ihnen verschweigen.

 

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