
André Kostolany war im vergangenen Jahrhundert über viele Jahrzehnte hin der wohl bekannteste Anlagefachmann der Welt. Er starb 1999 im Alter von 93 Jahren. Kostolany hielt angeblich nichts von Gold. Bei seinen wöchentlichen Fernsehauftritten behauptete der legendäre Kostolany stets, Gold sei »totes Kapital«. Doch als Privatmann kaufte Kostolany regelmäßig Gold. Er sagte in seinem Freundeskreis: »Sagen Sie mir, wann sich der Mensch verändern wird und ich werde Ihnen sagen, wann die Bedeutung von Gold aufhören wird. Wer Gold hat, der hat immer auch Geld«. Wer sich mit Gold befasst, der muss wissen, wer auf diesem Gebiet warum welche Äußerungen tätigt. Er muss vor allem einen klaren Kopf bewahren und sich mit Hintergründen befassen. Nur dann kann er sich beruhigt zurücklehnen.
In diesen unsicheren Tagen prophezeien erstaunlich viele Fachleute einen fallenden Goldpreis. Doch solange der Realzins im Euro-Raum unter drei Prozent liegt, ist Gold als Wertspeicher für Anleger interessant. Sicher ist jedenfalls, dass die Ausweitung der Geldmenge in Europa den Goldpreis auf Euro-Basis nicht ins Bodenlose fallen lassen wird. Hauptgründe für die steigende Nachfrage nach Gold in Europa sind Zukunftsängste und Spekulationen. Immer mehr Deutsche fahren derzeit nach Österreich und in die Schweiz oder nach Luxemburg, um dort anonym Gold zu kaufen. Darüber berichtete unlängst der Informationsdienst Kopp Exklusiv.
Immer mehr Menschen flüchten jetzt offenkundig noch ins Gold und tauschen ihre Ersparnisse gegen das Edelmetall ein. Seriöse Goldhändler wie Dr. Neugebauer im sauerländischen Menden, für die Diskretion Ehrensache ist, haben alle Hände voll zu tun. Auch Goldhändler Heiko Ganß von pro aurum in Berlin hat mit vielen seiner Kunden gesprochen. Er sagt: »Die Leute haben ganz einfach Angst, dass das Geld, was sie ihr Leben lang erarbeitet haben, von heute auf morgen weniger oder plötzlich nichts mehr wert ist«. Wenn Banken der Zusammenbruch droht, wenn die Rezession vor der Tür steht und die Inflation die Preise treibt, dann kaufen die Menschen in Panik Gold. Dabei ist Panik und Angst ganz sicher kein guter Ratgeber. Wer Gold erwerben will, der sollte einen kühlen Kopf haben. Denn es gibt einige Fakten und Gesetze, die man unbedingt kennen sollte, wenn man einen Teil seiner Ersparnisse in Gold investiert.
Krisen und Inflationsangst der vergangenen Jahre haben den Goldpreis immer wieder einmal in ungeahnte Höhen steigen lassen, weil Menschen überall auf der Welt Gold in schweren Zeiten für wertbeständiger halten als das Geld. Gold kommt zwar fast überall auf der Erde vor, doch es ist fast nirgendwo leicht zu gewinnen. Schon in den ersten Goldminen im alten Ägypten war die Arbeit so schwer und lebensgefährlich, dass sie komplett den Sklaven überlassen wurde. Der Aufwand zum Goldabbau ist auch Jahrtausende später noch enorm. Und so bleibt Gold auf lange Sicht gesehen stabil im Wert. Das Edelmetall glänzt zudem nach Jahrtausenden noch genauso wie früher. Kupfer setzt Grünspan an, Silber läuft an und muss geputzt werden. Aber Gold hört auch nach Jahren nicht auf zu glänzen.
Als der Goldpreis im Oktober 1999 mit 255 Dollar (182 Euro) den tiefsten Stand seit 30 Jahren erreichte, da schrieben viele das Metall ab. Während des Booms der New Economy wollte kaum ein Anleger etwas von Gold wissen. Der Preis fiel über lange Zeit. Minen machten dicht. Die großen Bergbaugesellschaften verkauften den Rohstoff so weit im Voraus wie möglich, um sich vor dem weiteren Preisverfall zu schützen. Und dann platzte die Internetblase. Plötzlich empfahlen Finanzberater ihren Kunden wieder Edelmetalle. Der Goldpreis schnellte in die Höhe. Wenn die Aktienkurse fallen, dann steigt der Goldpreis – und umgekehrt. Das ist fast ein Gesetz. Und mit jeder neuen Horror-Nachricht aus den bankrotten EU-Südstaaten wächst die Chance auf einen neuen Aktien-Crash. Als Wertspeicher ist Gold daher ganz sicher keine schlechte Empfehlung. Auch die Deutsche Bank setzt für die nächsten Monate bekanntlich auf einen steigenden Goldpreis – und nicht auf steigende Aktienkurse.
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