Tuesday, 31. May 2016
18.02.2013
 
 

Gold: Warum Edelmetalle im Gegensatz zum Papiergeld ihren Wert behalten werden

Udo Ulfkotte

Seit vielen Monaten war der Goldpreis nicht auf einem so niedrigen Niveau wie derzeit. Erstaunlicherweise kaufen Menschen Gold jedoch nur, wenn der Preis steigt und steigt. Dann bilden sich lange Schlangen vor den Geschäften der Goldverkäufer. Intelligente Menschen kaufen antizyklisch.

Es ist bekannt, dass Russland und China seit vielen Monaten schon in aller Stille große Mengen an Gold kaufen. Im Falle Chinas weiß niemand, wie viel Gold Peking in den Tresoren der Staatsbank hat, weil es dazu nirgendwo verlässliche Angaben gibt. Nicht wenige erwarten, dass Russland und China in nicht ferner Zukunft den Ölhandel nur noch gegen Gold abwickeln werden, das wäre dann das sofortige Ende des Petrodollars und der Crash unseres

Finanzsystems. Es gibt viele realistische Szenarien, über die im Wirtschaftsteil durchschnittlicher Tageszeitungen in Hinblick auf Gold nicht berichtet wird, weil viele Hintergrundinformationen eben nicht über Nachrichtenagenturen laufen. Man muss dazu schon ein Buch in die Hand nehmen.

 

Jeder Verkäufer möchte sein Produkt verkaufen. Vor diesem Hintergrund sollten Sie Prognosen von Goldverkäufern zunächst einmal keinesfalls trauen. Im Zweifelsfall liegen alle Prognosen falsch. Man konnte das gut im September 2011 sehen. Anfang September erreichte Gold einen Höchstpreis von mehr als 1.900 Dollar – und viele prognostizierten einen Tag für Tag steigenden Goldpreis. Doch der Goldpreis hielt sich nicht an die Prognose. Er fiel Mitte September allein in einer Woche um rund 20 Prozent. Ende September 2011 stand er dann bei rund 1.600 Dollar. Der Goldpreis verlor innerhalb von nur drei Handelstagen 14 Prozent, beim Silberpreis lag das Minus in diesem Zeitraum sogar bei 34 Prozent. Einen derartig hohen Verlust hatte es bei Gold zuletzt 1981 gegeben – vor drei Jahrzehnten. Zur gleichen Zeit passierte etwas Außergewöhnliches: Die Menschen kauften in Massen Gold. Und das, obwohl der Preis rasant verfiel. Goldhändler wie pro aurum in München meldeten Anfang Oktober 2011 Lieferengpässe wie nach der Lehman-Bank-Pleite 2008. Goldbarrenproduzenten wie Heraeus mussten Extraschichten einlegen, und bei der ReiseBank AG ging zeitweise der Krügerrand aus. Nicht anders in Österreich: Dass das Geschäft boomte, zeigte dort der Umsatz der Schoeller Münzhandel GmbH. 2004 waren es 24,7 Millionen Euro, die allein bei dem kleinen Unternehmen in Gold getauscht wurden; 2008 bereits 246,7 Millionen Euro und 2010 mit 438,5 Millionen Euro doppelt so viel. Und dieser Trend hält eben auch in Österreich an.

 

Während die einen Edelmetallhändler davon ausgingen, dass der Goldpreis weiter fallen würde, prognostizierten andere einen steilen Anstieg auf mehr als 6.000 Dollar pro Feinunze binnen kurzer Zeit. Die Absurdität solcher Aussagen ist offenkundig – es geht manchen eben nur darum, möglichst schnell und möglichst viel Gold zu verkaufen. Klar ist: Der Goldpreis steigt keinesfalls unaufhörlich. Im Gegenteil: Es gibt immer wieder einmal auch große Kursschwankungen und Verluste. Diese treten dann plötzlich (aber keineswegs unerwartet) auf, wenn Menschen, die in Gold investiert haben, plötzlich Barmittel benötigen und sich aus physischem Gold zurückziehen. Das war bei der Pleite der Lehman-Bank im Herbst 2008 so (da fiel der Goldpreis um mehr als 20 Prozent) und das war auch so Ende September 2011, als klar wurde, dass die Finanzmittel des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht ausreichen würden, um alle bankrotten Euro-Staaten zu retten. Es wurden Barmittel gebraucht – und der Goldpreis fiel (vorübergehend). Am inneren Wert des Goldes hat das allerdings langfristig ganz sicher nichts geändert.

 

Man muss also einige Fakten zur Goldpreisentwicklung kennen, wenn man möglicherweise Gold kaufen will. Gold hat in Tausenden von Jahren seinen inneren Wert behalten. Wie aber kann man die Entwicklung des Goldpreises als Nicht-Goldfachmann für die Zukunft mit großer Treffergenauigkeit vorhersagen? Das ist sehr einfach, wenn man sich gedanklich vollkommen von allen Werbeaussagen der Goldanbieter löst.

 

Der Goldpreis wird an den freien Börsen der Welt durch Angebot und Nachfrage ermittelt. Nur ein sehr kleiner Prozentsatz des Goldvolumens, das täglich an den internationalen Edelmetallbörsen gekauft und verkauft wird, hat tatsächlich einen warenwirtschaftlichen Hintergrund. Die größten Teile des Handelsvolumens sind reine Finanzgeschäfte. Der Goldpreis wird an den Börsen für die Feinunze (31,104 Gramm) bestimmt. Damit lassen sich über den Feinunzenpreis die Preise für alle anderen Gewichte errechnen.

 

Schaut man sich die bedeutendsten goldproduzierenden Länder der Welt und deren Jahresproduktion genauer an, dann sagt die Fördermenge in Wahrheit absolut nichts über den künftigen Goldpreis aus, solange man diese nicht mit anderen Bezugsgrößen in Verbindung sieht. Eine der wichtigsten Bezugsgrößen ist die Zahl der Menschen auf der Erde. Wenn eine jährliche Goldproduktion allenfalls von Jahr zu Jahr um wenige Hundert Tonnen schwankt, die Zahl der Menschen auf der Erde (potenzielle Käufer) aber im gleichen Zeitraum stark ab- oder zunimmt, dann hat man für eine in etwa gleichbleibende Angebotsmenge weniger oder mehr Käufer und damit einen höheren oder tieferen Preis. Im Klartext: Solange die Zahl der Menschen auf der Erde stark steigt, die jährlich geförderte oder recycelte Goldmenge aber in etwa gleich bleibt (oder gar rückläufig ist), kann es keinen extremen Wertverlust bei Gold geben. Denn Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.

 

Zwischen 1960 und 2010 stieg die Goldproduktion um den Faktor 2,1 und die Zahl der Menschen auf der Erde um den Faktor 2,2. Pro Kopf der Weltbevölkerung wurde also 2010 in etwa die gleiche Menge Gold gefördert wie 1960. Pro Kopf der Weltbevölkerung wurden 2010 etwa 0,36 Gramm Gold gefördert. Das entspricht dem Durchschnitt der letzten 100 Jahre (pro Kopf der Bevölkerung 0,37 Gramm). Es ist unstrittig, dass die Zahl der Menschen auf der Erde weiter stark steigen wird. Nach den Berechnungen der Vereinten Nationen soll die Weltbevölkerung sich im Jahre 2020 auf 7,2 Milliarden Menschen belaufen und 2030 sogar eine Größenordnung von etwa 8,2 Milliarden Menschen erreichen.

 

Das heißt, dass 2020 eine jährliche Goldproduktion von 2.803 Tonnen und 2030 von 3.034 Tonnen notwendig sein würde, um die Nachfrage nach Gold auf dem Jahresdurchschnitt von 0,37 Gramm der letzten 100 Jahre zu halten. Klar ist jedoch, dass man immer tiefer in die Erde gehen muss, um überhaupt noch Gold zu finden. Und es ist absehbar, dass das Niveau der derzeitigen Jahresförderung kaum auf Dauer gehalten werden kann. Die qualitativ hochwertigen Goldreserven mit einer Ausbeute von drei oder mehr Gramm je Tonne gefördertem Gestein gehen immer weiter zurück. Zwar hat 2011 ein kanadischer Konzern in Guayana in einer neuen Lagerstätte 5,2 Gramm Gold pro Tonne Gestein nachgewiesen. Doch häufig liegen neue und ergiebige Vorkommen in politisch unruhigen Gebieten. Um das Gold überhaupt abbauen zu können, muss man viel Geld in Sicherheit und Schutz durch paramilitärische Kräfte investieren. Die Vorteile einer auf den ersten Blick günstigen Lagerstätte sind dann schnell dahin.

 

Zwischen dem absehbaren Anstieg der Weltbevölkerung und dem tatsächlichen Goldangebot wird es somit künftig eine immer größere Lücke geben. Das wird von keinem Fachmann bestritten. Wer also heute Gold kauft, um einen bestimmten Wert an eine nachfolgende Generation (etwa an die Kinder) weiterzureichen, der kann sich sehr sicher sein, dass der heutige Gegenwert auch in Jahrzehnten noch Bestand haben wird. Langfristig wird das Gold also nach menschlichem Ermessen jenen Wert behalten, den es zum Kaufzeitpunkt hatte.

 

Ganz anders sieht es aus, wenn man kurzfristig denkt. Alle Prognosen, die Ihnen suggerieren, der Goldpreis steige oder sinke innerhalb von drei, sechs oder zwölf Monaten um den Betrag X sind nichts als reine Spekulation. Nicht einer jener »Fachleute«, die ständig kurzfristige Prognosen über die Entwicklung des Goldpreises abgeben, ist seriös. Aus einem ganz einfachen Grund: Es gibt nicht einen solchen Fachmann, der selbst auf seine Prognosen vertraut und damit wirklich reich geworden wäre. Jene, die kurzfristige Prognosen abgeben, leben vielmehr davon, dass sie sich äußern. Entweder tun sie das als Angestellte im Auftrag einer Bank oder eines Edelmetallhändlers, oder sie handeln selbst mit Gold.

 

Wo auch immer Sie Gold kaufen, suchen Sie sich einen jener Händler, bei dem Sie anonym kaufen können. Damit der Staat davon nichts mitbekommt.

 

Lassen Sie sich von den nachfolgenden Fakten davon überzeugen, dass Sie selbst bessere Prognosen abgeben können als jeder »Gold-Fachmann«. Und vertrauen Sie keiner kurzfristigen Prognose zum Goldpreis. Fachleute prognostizierten in einem kurzen Zeitraum den künftigen Goldpreis in einer Bandbreite zwischen 500 und 4.000 Dollar – je nachdem, wen man fragte. Schauen wir uns einige der Prognosen an, um die Absurdität solcher Aussagen zu erkennen:

 

Als der Goldpreis im Dezember 2010 bei 1.400 Dollar je Feinunze stand, da prognostizierte der renommierte amerikanische Ökonom James Turk für die nächsten Monate:

»Für eine Unze des gelben Edelmetalls wird man bald 3.500 Dollar zahlen.«

Die Realität: Der Goldpreis stieg von Dezember 2010 bis August 2011 von 1.400 auf 1.800 Dollar.

 

Schauen wir uns weitere gewagte Prognosen von »Fachleuten« zum Goldpreis an – die Aussagen haben eine Bandbreite von 500 bis 4.000 Dollar:

Hedgefonds-Manager John Paulson verdiente im Zuge der Finanzkrise 3,7 Milliarden Dollar, indem er rechtzeitig auf den Zusammenbruch des US-Häusermarktes wettete. Er sagte im Dezember 2010, als der Goldpreis 1.400 Dollar pro Feinunze betrug, in Hinblick auf die nächsten Monate: »Die Feinunze Gold wird auf 2.400 Dollar steigen. Sollte der Goldpreis überschießen, so wie in der letzten Goldhausse 1980, wären auch 4.000 Dollar denkbar.« Der Mann lag im Herbst 2010 völlig falsch.

 

Der vermeintliche Gold-Fachmann Doug Kass von Seabreeze Partners sagte im Dezember 2010: »Ich sehe Anzeichen für eine Goldblase. Seit einigen Monaten bekomme ich mehr Spam-Mails zu Goldkäufen als zu Viagra und Penis-Verlängerungen. Der Goldpreis dürfte volatiler werden und könnte in diesem Jahr innerhalb von vier Wochen um 250 Dollar einbrechen.« Und für das Jahr 2011 prognostizierte der ehemalige Chef-Volkswirt der HypoVereinsbank, Martin Hüfner, im Dezember 2010: »Der Goldpreis fällt von 1.400 Dollar je Feinunze auf 500 Dollar. Es entsteht eine Panik unter den Goldbesitzern. Sie versuchen auf Teufel komm raus ihre Bestände an dem gelben Metall zu verkaufen. Es zeigt sich, dass Gold nicht nur ein Schutz gegen Krisen sein kann, sondern auch selbst Krisen auslöst.«' In der Realität passierte genau das Gegenteil – der Goldpreis stürzte nicht um zwei Drittel ein, er erreichte im August 2011 zum ersten Mal in der Geschichte den Rekordwert von 1.900 Dollar. Zwar fiel er danach für einige Wochen, stieg aber sogleich wieder an.

 

Solche »Experten« beeinflussen die Entscheidungen von Anlegern, in Gold zu investieren oder dieses zu verkaufen. Wie wir gesehen haben, stimmte nicht eine der Prognosen. Aber eines ist sicher: Viele Menschen vertrauen auch weiterhin solchen »Experten«. Lassen Sie sich also niemals von der Prognose eines »Experten« beeinflussen. Schließlich ist es Ihr Geld, das Sie im Zweifelsfall verlieren. Und deshalb sollten Sie sich die Zeit nehmen, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Informieren Sie sich und werden Sie Ihr eigener Gold-Fachmann. Eines ist sicher: So günstig wie derzeit war Gold schon lange nicht mehr.

 

 

 


 

 

 

 

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