Saturday, 28. May 2016
10.03.2016
 
 

Hofnarren der Macht: Der Niedergang der Bild-Zeitung

Udo Ulfkotte

Wenn Historiker einmal nach den großen Versagern unserer Epoche suchen, dann werden sie neben Angela Merkel vielleicht auch auf den Namen Kai Diekmann stoßen. Der Mann hat geschafft, was wohl jeden anderen Firmenführer den Stuhl gekostet hätte: Er hat ein Unternehmen nach Kräften ruiniert und mehr als 50 Prozent der Kunden vergrault. Skrupellos hat er die von den Mächtigen einst gefürchtete Bild-Zeitung zum Hofnarren der Macht zurechtgestutzt, um selbst auf dem Schoße der Mächtigen sitzen zu können.

 

Von Januar bis November 2015 hat Volkswagen etwas mehr als fünf Millionen Fahrzeuge verkauft. Die deutsche Postbank hat fünf Millionen Girokonten. Ryanair, Europas beliebteste Billigfluglinie, beförderte im Dezember 2015 mehr als fünf Millionen Passagiere. Und der Flughafen Frankfurt hatte im April 2015 fünf Millionen Fluggäste. Man stelle sich einmal vor, Volkswagen würde in der Zukunft nur noch weit weniger als drei Millionen Fahrzeuge verkaufen.

 

Bei der Postbank würden mehr als 50 Prozent der Kunden die Konten kündigen. Und am Flughafen Frankfurt bräche die Zahl der Gäste ebenfalls um mehrere Millionen ein.

 

Die Folgen wären verheerend. Es käme zu Entlassungen. Und jene Bosse, die da als hoch bezahlte Manager nur noch versagt haben, würden ganz gewiss fristlos gefeuert. Vor allem: Als gigantische Versager dürften sie nicht darauf hoffen, in anderen Unternehmen jemals wieder Führungsverantwortung übernehmen zu können.

 

Aus wirtschaftlicher Sicht ist auch der langjährige Bild-Chef Kai Diekmann ein solcher kaum noch zu beschreibender Versager. Während er für Bild verantwortlich war, wurde die Leserschaft der einst großen Bild-Zeitung um weit mehr als 50 Prozent reduziert – von 4,5 auf kaum noch zwei Millionen. Peter Bartels, zusammen mit Hans-Hermann Tiedje einstmals legendärer Chefredakteur der Bild, hat nun ein lesenswertes und sensationelles Enthüllungsbuch über den Versager Diekmann und den mit seinen Eskapaden einhergehenden Niedergang von Bild veröffentlicht.

 

Das lesenswerte neue Sachbuch ist das Lebenswerk eines Mannes, der 50 Jahre Journalist war und Historikern nun feinfühlig dabei hilft, bislang unbekannte Hintergründe der deutschen Mediengeschichte einzuordnen. Weil Peter Bartels heute von keinem mehr abhängig ist, musste er beim Abfassen seines Manuskripts keine Rücksicht auf irgendetwas nehmen.

 

Man spürt das als Leser. Man merkt von der ersten Seite an, dass da mal einer schreibt, der nachfolgenden Generationen ein ungeschöntes Bild des einst wichtigsten deutschen Presseorgans hinterlassen möchte. Dabei erwähnt er Diekmanns Eitelkeiten, der die Gerichte allen Ernstes vor einigen Jahren auch schon zur Frage der Länge seines Penis beschäftigte, nur als Chronist der Vollständigkeit halber am Rande.

 

Wirklich wichtig sind ihm jene entlarvenden Momente, die Diekmann zeigen, wie ihn da draußen nach dem offiziell von ihm gezeichneten Bild wohl eher kaum einer kennt: als machtbesessenen und offenkundig skrupellosen Journalist, der sein wirtschaftlich folgenreiches Versagen einfach nicht wahrnehmen will. Bartels beschreibt zunächst die große Vergangenheit von Bild und ihr einstiges Motto: »Die Zeitung saß nie auf dem Schoß der Macht« (Seite 10). Millionen Menschen lasen Bild, weil Bild es wagte, die Mächtigen herauszufordern. Es war eine Zeitung, die an der Seite ihrer Leser stand. Millionen Menschen identifizierten sich mit Bild.

 

Der Niedergang begann, als die Redakteure vergaßen, was ihnen der Bild-Gründer mit auf den Weg gegeben hatte: »Nichts korrumpiert mehr als Nähe« (Seite 13). Unter Kai Diekmann wurde Bild aus der Sicht des früheren Bild-Chefredakteurs Peter Bartels zahm, allen voran Kai Diekmann, der sogar Trauzeuge des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl wurde. Mit Diekmann begann bei Bild der »Trauzeugen-Journalismus«. Denn Bild berichtete von der Hochzeit, bei der Diekmann selbst Trauzeuge war (»Die Kohl-Hochzeit: Alle Fotos, Die Feier, Die Gäste, Die Reden«).

 

Irgendwann damals wurden die Leser misstrauisch. Sie sahen, dass Bild-Redakteure nicht nur Trauzeugen waren, sondern auch skrupellos in die Politik wechselten, etwa Regierungssprecher wurden. Bartels schreibt: »Die einst so große Zeitung hatte das Gespür für ihre Leser verloren. Darum war sie ja seit Jahren immer tiefer gestürzt.« Bartels skizziert, wie Diekmann das große Flaggschiff des Springer-Verlages in den Abgrund stürzte und die Leser verhöhnte, am Ende gar Millionen einstige Bild-Leser dreist zu »Rechtspopulisten« abstempelte, nur weil sie nicht als Marionetten der Macht den millionenfachen illegalen Zustrom von Wirtschaftsasylanten bejubeln wollten (Seite 15).

 

Bartels spricht Klartext. Und Diekmann, unfähiger Lotse des Bild-Desasters, dürfte wenig begeistert sein, wenn er über sich selbst liest: »Kurz vor Weihnachten 2015 gab der Chefredakteur der Zeitung bekannt, er werde zurücktreten. Nach fünfzehn Jahren. In denen er die Zeitung so klein gemacht hatte wie keiner vor ihm … Denn einen Absturz wie Kai Diekmann hatte vor ihm keiner geschafft« (Seite 16).

 

Schonungslos benennt Bartels die um Diekmann versammelten Speichellecker, welche ihrem Chef auf dem Weg in den Untergang stets nach dem Mund schreiben. Was die Leser da draußen denken, scheint ihnen egal zu sein – Hauptsache, es gefällt dem selbstverliebten Diekmann. Der ist laut Bartels ein Meister der Kunst, die Ideen anderer einzusammeln und sie zeitversetzt als angeblich eigene Geistesblitze unters Volk zu bringen.

 

Diekmann hat im Springer-Verlag offenkundig Narrenfreiheit. Hauptsache, das Blatt ist der Politik linientreu ergeben und bevormundet die Bürger so, wie es die Mächtigen erwarten. Wie skrupellos Diekmann dabei vorgeht, konnte man gut im Oktober 2015 sehen. Da befragte Bild die Leser zu Angela Merkel. Das schockierende Ergebnis: Lächerliche zehn Prozent stimmten für die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin. Und was machte Bild unter Diekmann daraus? Die Schlagzeile »Ansporn für die Kanzlerin« (Seite 188).

 

Bartels schreibt dazu: »Das, lieber Herr Chefredakteur, hätte Honeckers Neues Deutschland auch nicht besser hingekriegt.« Bartels nennt Bild heute eine »Reichsbeschwichtigungsbehörde«. Bild soll heute nicht mehr wie früher Stimme der Bürger sein, sondern die Bürger einlullen und ruhig halten. Bild verhöhne heute seine Leser (Seite 250).

 

Bild behandelt seine Leser jetzt so »wie früher die Fürsten ihre Untertanen«, schreibt Bartels. Wer verstehen will, warum das Blatt einen der größten Versager der deutschen Mediengeschichte noch immer nicht gefeuert hat und weiterhin finanziert, der darf sich beim neuen Sachbuch-Bestseller Bild von Peter Bartels auf eine spannende Lektüre gefasst machen.

 

 


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