Saturday, 23. July 2016
22.08.2010
 
 

Ist Benehmen wirklich Glückssache? Der tiefe Fall des Johannes B. Kerner

Udo Ulfkotte

Es ist noch nicht wirklich lange her, da lernte man in Deutschland noch Manieren: Stil und Etikette. Doch aus dem Land der Dichter und Denker wird allmählich das Land der Hilfsarbeiter. So wandeln sich halt auch die Manieren. Das hat gerade erst wieder ein Gast bei Johannes B. Kerner erleben müssen. Johannes B. Kerner ist demnach unverdächtig, auf den Spuren eines Adolph Freiherr Knigge und seiner Schrift »Über den Umgang mit Menschen« zu wandeln. Wahrscheinlich kennt man im Studio des Johannes B. Kerner jene Schrift nicht einmal, die seit 1788 zu Takt und Höflichkeit gegenüber Mitmenschen auffordert. Leider hat Johannes B. Kerner seine wohl eher prollige jüngste Einlage aus der Sendung schneiden lassen, die bei Zuschauern den Eindruck erwecken will, live stattzufinden. Denn wieder einmal hat Johannes B. Kerner einen Gast aus seiner Sendung geworfen, dieses Mal einen Russlanddeutschen. Es ist nicht die erste Einlage, die die Schattenseiten des Fernsehmoderators beleuchtet.

Man kann von Johannes B. Kerner halten, was man will. Doch auch seine Neider müssen eingestehen, dass er ein Talent dafür hat, sich selbst in Szene zu setzen. Der 1964 geborene Studienabbrecher setzte sich schon für Gutfried-Fleischprodukte in Szene, für Tafelwasser, für eine Fluggesellschaft und die für die BILD-Zeitung. Noch mehr Bürger kennen ihn als Fernsehmoderator aus Sendungen wie »ran« oder »Johannes B. Kerner«. In solchen Sendungen gibt es Gäste. Mitunter erfahren Kerners Gäste, dass ein Zusammentreffen mit ihm ganz bestimmt kein Beginn einer wunderbaren Freundschaft ist. Denn Johannes B. Kerner, der vom Bravo-Otto über den Deutschen Fernsehpreis bis zum Verdienstkreuz mit zahlreichen Auszeichnungen überhäuft wurde, ist vor allem eines nicht: fair.

Die frühere Tagesschau-Sprecherin Eva Herman hat er am 9. Oktober 2007 sehr unfair aus seiner Sendung geworfen. Kerner wollte damals den Eklat. Kerner brauchte die Quote. Und nur um der Quote willen hat er Eva Herman mit völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten fertig gemacht. Kerner hatte die Sendung mit Eva Herman aufgezeichnet. Und noch bevor diese gesendet wurde, verschickte er Pressemitteilungen, dass Eva Herman die Sendung habe vorzeitig verlassen müssen. Es war somit klar, dass er eine möglichst hohe Quote anstrebte. Ein seriöser Sender hätte Kerner nach dem inszenierten Rauswurf fristlos gefeuert. Ein Treffen mit Kerner ist also für Menschen, die Werte vertreten, mitunter der Beginn keiner wunderbaren Freundschaft.

Diese Erfahrung hat nun auch Kerner-Gast Rasputin Stowasser machen müssen. Kerner, dessen Quote sich steil abwärts bewegt, hat den Russlanddeutschen nach dessen Angaben aus seiner Sendung werfen lassen – und diesen Teil einfach vor der Ausstrahlung herausschneiden lassen.

Hier eine Pressemeldung über den neuerlichen Rauswurf bei Kerner:

two44media protestiert scharf gegen den Vorfall bei der Sat1-Show »Kerner« am Donnerstag, den 19. August 2010: Vor laufender Kamera wurde ihr Klient und Deutschlandweit-bekannte Internet-Persönlichkeit Rasputin Stowasser nach einer Beleidigung des Moderators Johannes B. Kerner gewaltsam aus dem Hamburger Fernsehstudio entfernt. Diese Szene wurde bei der späteren Ausstrahlung der als »live« betitelten Aufzeichnung herausgeschnitten.

Rasputin Stowasser, der zu den populärsten Gesichtern des deutschsprachigen Internets zählt wurde ursprünglich als Experte zum Thema »Russische YouTube-Stars in Europa« in die Sendung eingeladen. Er sollte neben der Sand-Art-Künstlerin Aljona Voynova Stellung zu der Frage beziehen, weshalb russische Videokünstler so viel populärer sind als andere Web 2.0-Persönlichkeiten in Deutschland. Als Rasputin Stowasser eine Demonstration seiner populären Videoreihe »Rasputins Vlog« (http://www.rasputin.tk) vor Live-Publikum darlegen sollte und während des kreativen Prozesses von Moderator Johnannes B. Kerner ständig unterbrochen wurde, entwickelte sich ein Wortduell zwischen JBK und RST. Im Zuge dessen bezeichnete Kerner Rasputin Stowasser als »Soziopath« , »verhaltensauffällig« und »alkoholisiert«.

»Diese Anschuldigungen von Johannes B. Kerner entbehren jedweder Grundlage und sind unverzeihlich, zumal es sich bei Kerner um einen ausgewiesenen Medienprofi handelt, der um die Wirkung seiner Worte wissen müsste«, so Malte von Spitz, Executive Production Manager von two44media, verantwortlich u.a. auch für die Betreuung der Internetseite http://www.rasputin.tk. Internetstar Rasputin Stowasser empörte sich insbesondere über den haltlosen Vorwurf, er sei mit einer »Fahne« im Studio erschienen und forderte umgehend eine Entschuldigung von Kerner. Als diese ausblieb, wies Stowasser auf die mangelnde Zuschauerresonanz der Sendung hin, woraufhin Kerner Rasputin Stowasser in scharfen Worten zum Verlassen des Studios aufforderte.

Als Stowasser der Aufforderung Kerners nicht folgte, erschien aggressives Sicherheitspersonal, welches den Gast körperlich bedrängte. Stowasser wies lautstark darauf hin, dass er als nicht förmliches Mitglied des Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur (AK-Zensur) gegen diese Bevormundung protestiere, was zu noch mehr Tumulten führte.

»Ich bin es ja gewohnt, dass ich als Russe in Deutschland mit Vorurteilen und Ressentiments kämpfen muss, doch es ist unverantwortlich, von einer der größten deutschen Fernsehpersönlichkeiten auf den »Vodka-trinkenden Russen« begrenzt zu werden«, so Stowasser: »Wie meine zahlreichen Fans im Internet wissen, lehne ich den Alkoholgenuss grundsätzlich ab. In meinen regelmäßigen Videoveröffentlichungen bei YouTube, die durchschnittlich von 25.000 Usern gesehen werden, bin ich mir meiner Vorbildrolle stets bewusst und werbe für Toleranz und Völkerverständigung.« Malte von Spitz führt weiter aus: »Laut Aussagen der Produktionsfirma soll Rasputin Stowasser Herrn Kerner unprovoziert ein Glas Wasser ins Gesicht geschleudert haben. Dies entbehrt jeder Grundlage.«

Die Zuschauer vor den heimischen Fernsehern bekamen indes von all dem nichts mit, denn anders als es dem Publikum fälschlicher Weise vorgegaukelt wird, finden die Aufzeichnungen für »Kerner« eine Stunde vor der Ausstrahlung auf Sat1 statt. So blieb der Regie noch genügend Zeit, alle Szenen mit Rasputin Stowasser aus der Sendung zu entfernen und stattdessen einen rund zwanzigminütigen Auftritt der Sandkünstlerin Aljona Voynova zu improvisieren, die im ursprünglichen Sendeplan nur für drei Minuten eingeplant war.

Rasputin Stowasser zum genannten Vorfall: »Selbstverständlich behalte ich mir zivilrechtliche Schritte gegen Johannes B. Kerner und den Produzenten vor, vertraue unabhängig davon auf das Votum meiner tausenden Fans, die ab sofort alle Sendungen mit Johannes B. Kerner sowie jedes Produkt dem er als Testomorial zur Verfügung steht, boykottieren. Ich werde mich in absehbarer Zeit zu diesem Thema nochmals ausführlich in einem meiner Vlogs auf http://www.Rasputin.tk äußern, zumal Kerner während seiner Sendung die gesamte Internet-Community verunglimpft hat.«

Johannes B. Kerner war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Arthur Schopenhauer hat einmal gesagt: »Natürlicher Verstand ersetzt jeden Grad der Bildung, aber keine Bildung den natürlichen Verstand.« Es macht wahrscheinlich wenig Sinn, den Studienabbrecher und quotensüchtigen Selbstinszenierer Johnnes B. Kerner darum zu bitten, einmal über das Zitat nachzudenken.

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