Sonntag, 4. Dezember 2016
23.11.2010
 
 

Mordopfer Uwe Barschel – Wann sagt die Regierung uns endlich die Wahrheit?

Udo Ulfkotte

Der Tod des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel vor 23 Jahren ist nach offiziellen Angaben ein Selbstmord gewesen. Der CDU-Politiker war am 11. Oktober 1987 im Zimmer 317 des Genfer Luxushotels Beau Rivage tot in einer Badewanne aufgefunden worden. Bereits ein Jahr nach seinem Tod hatte der Zürcher Toxikologe Hans Brandenberger in einem Fernsehinterview angedeutet, es gebe starke Indizien für Fremdeinwirkung. Nun hat der heute 89-jährige Brandenberger nachgelegt. In einem Gutachten, das von der Welt am Sonntag publiziert wurde, kommt er zum Schluss, dass die chemischen Befunde »einen Mord indizieren«.

Der Autor dieses Berichts hat 1996 als erster deutscher Journalist viele Tage lang den Bundesnachrichtendienst besucht und in allen Abteilungen mit den Mitarbeitern sprechen dürfen. Er hat zudem damals mit Geheimdienstlern des BND über den Tod Barschels gesprochen. In den folgenden Monaten entstand in jener Zeit ein Buch über den Bundesnachrichtendienst (Verschlusssache BND), das 1997 veröffentlicht wurde. Lesen Sie nachfolgend aus diesem Buch die Passage über den BND und Barschels Tod. Und vergleichen Sie die damaligen Ausführungen mit den neuen des Zürcher Toxikologen Hans Brandenberger. Dann müssen Sie nicht mehr lange darüber spekulieren, ob der BND weitere Erkenntnisse über Barschels Tod hat und ob es wirklich – wie weiterhin von der Bundesregierung dargestellt – ein »Selbstmord« war:

Manche Geheimnisse müssen der Öffentlichkeit angeblich vorenthalten werden, weil ihr Bekanntwerden für viele Menschen schwerwiegende Folgen haben würde. Ein Beispiel dafür ist wohl der Tod des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel. Barschel wurde am 11. Oktober 1987 in der Badewanne seiner Suite im Genfer Hotel Beau-Rivage tot aufgefunden. Ergebnis der Schweizer Ermittlungen: Selbstmord durch Medikamente. Seit Ende 1994 hat die Lübecker Staatsanwaltschaft eine eigene »Ermittlungsgruppe Genf«. Die Ermittlungsakte trägt die Signatur 705Js33247/87.

Geheimdienste kennen die Hintergründe des Barschel-Todes. Barschel wurde ermordet. Wer auch immer die Täter waren. Sie machten Fehler: Von einem Weinglas, aus dem Barschel vor seinem Tod getrunken haben muss, wischten sie die Fingerabdrücke, auch die des Kellners, der das Glas gebracht hatte. Nun könnte Barschel die Fingerabdrücke ja selbst abgewischt haben, doch es fand sich noch ein halber Fingerabdruck des Ringfingers an diesem Glas in einer Stellung, in der Barschel das Glas unmöglich gehalten haben konnte. Der Abdruck muss nachträglich angebracht worden sein. Und auch einer von Barschels Schuhen wurde offenkundig nicht von diesem, sondern von einem Unbekannten im Hotelzimmer gereinigt. Wer immer diesen Schuh gereinigt hat, müsste davon angefärbte Finger gehabt haben, befand ein Ingenieur des Reutlinger Lederinstituts am 7. April 1997; Barschel aber hatte saubere Finger.

Doch die Geheimdienste halten ihre Erkenntnisse weiterhin unter Verschluss. Der BND hat sich in diesem Zusammenhang jedenfalls nicht mit Ruhm bekleckert. Im Gegenteil: Dem Lübecker Oberstaatsanwalt Wille, der in Zusammenhang mit den Barschel-Ermittlungen und einer Spur zum internationalen Waffenhandel BND-Erkenntnisse über den saudischen Waffenhändler Kaschoggi anforderte, wurde schriftlich mitgeteilt, Kaschoggi sei in Pullach unbekannt. Das bestätigte mir Wille in einem Gespräch am 18. April 1997. Der ARD hatte er schon zuvor auf die Frage, ob er zufrieden sei mit der Unterstützung des BND beim der Aufklärung des Barschel-Todes, geantwortet: »Kein Kommentar.« Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, dass der Lübecker Oberstaatsanwalt Wille mutmaßt, der BND enthalte ihm wichtige Informationen vor. Nun, Wille hat recht, denn in der Mordnacht soll sich nach Angaben eines ranghohen Bonner Beamten mindestens ein BND-Mitarbeiter der Abteilung I (operative Aufklärung) in Barschels Hotel aufgehalten haben, möglicherweise sogar mehrere. Es muss somit eine Barschel-Akte beim BND über die Vorkommnisse in der Mordnacht geben. Jenem ranghohen deutschen Beamten, der in diesem Zusammenhang Aussagen machen könnte, würde im Falle, dass er dies täte, der Verlust seiner Pension und seines Arbeitsplatzes drohen, denn er ist zur Verschwiegenheit verpflichtet. Zudem erhielt er einen Anruf, in dem schlicht auf »die hohe Zahl der Verkehrstoten in Deutschland« hingewiesen wurde. Dann verschaffte sich auch noch ein Unbefugter Zutritt zu seiner Wohnung. Dieser durchsuchte die Wohnung nicht, sondern legte ganz offenkundig ausschließlich Wert darauf, einen deutlichen Hinweis für sein Eindringen zu hinterlassen, und platzierte eine von dem Beamten abonnierte Zeitschrift aus dem Briefkasten deutlich sichtbar auf einem Tisch in der Wohnung. Da der ranghohe Beamte und seine Frau beruflich außer Haus waren und kein anderer Zutritt zur Wohnung hatte, verstand das Ehepaar dies als eine »Mahnung an die Beamtenpflichten«.

Auch andere Geheimdienste waren im Genfer Hotel Beau-Rivage präsent. Doch die CIA teilte am 9. Dezember 1996 zum Fall Barschel schriftlich mit: »Aus grundsätzlichen Erwägungen wird die CIA irgendwelche Behauptungen über geheime Beziehungen weder bestätigen noch dementieren.« Wenn der BND wirklich trotz seiner Zusammenarbeit mit 200 Geheimdiensten der Welt und mindestens einem eigenen Mann vor Ort keine Anhaltspunkte dafür hätte, wer Barschel wirklich ermordete, wäre er sein Geld nicht wert. Auch wenn man es vielleicht dementieren wird: Beim BND gibt es eine »Akte Barschel«. Es ist höchst fraglich, ob der Fall Barschel ähnlich wie der Kennedy-Mord über Jahrzehnte, zumindest für die Öffentlichkeit, ein Geheimnis bleiben kann.

Zitiert nach Udo Ulfkotte, Verschlusssache BND

 

 


 

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