Monday, 29. August 2016
16.08.2014
 
 

Nach dem Rausch: Journalisten wachen auf

Udo Ulfkotte

Über Jahre hin waren die Vertreter der Leitmedien nur eines: wichtig. Sie strotzten nur so vor Selbstüberschätzung. Jetzt schlagen sie auf dem Boden der Realität auf und erkennen, dass sie sich wohl bald einen neuen Job suchen müssen.

 

Vor wenigen Tagen mailte mich ein früherer FAZ-Kollege an und teilte mir mit, dass er sich nach Jahrzehnten bei der FAZ in aller Stille nach einem neuen Job umsehe. Das hat mich nicht überrascht. Und wenige Tage später erschien dann in der FAZ-Sonntagszeitung zufällig ein langer Artikel »In eigener Sache«, der unser aller Respekt verdient. Denn da schreiben mehrere FAZ-Mitarbeiter ganz sicher einmal die volle Wahrheit.

 

Wegen des Leistungsschutzrechtes darf ich hier (leider) nicht aus dem gelungenen Artikel zitieren. Die Verfasser gestehen endlich ein, dass es mit Zeitungen wie der FAZ rasant abwärtsgeht und dass es diese, wenn die Entwicklung so weitergehen wird, schon sehr bald nicht mehr geben wird.

 

Was mich an dem Artikel stört: Die Verfasser suchen die Schuld für die Entwicklung überall, nur nicht bei sich selbst. Ein Schuhmacher ist Spezialist für Schuhe, ein Automechaniker ist Spezialist für Fahrzeuge und ein Arzt Fachmann für Krankheiten und Beschwerden. Jeder Beruf hat eine Aufgabe. Worauf aber ist ein Journalist spezialisiert? Nicht jeder kann und darf die Tätigkeit eines Arztes, Automechanikers oder Schuhmachers übernehmen. Nur Journalist kann jeder werden. Und viele Journalisten sehen ihre Kunden nur als Umsatzbringer, als Geldgeber. Geld aber gibt es nur für eine Leistung, die dem Kunden auch gefällt. Wenn der Kunde die Leistung schlicht nicht mehr will, dann kann man ihn nicht dazu zwingen.

 

Der New Yorker Journalismusprofessor Jeff Jarvis hat den jammernden Zeitungsmedien gerade erst erklärt, dass die guten alten Zeiten, wo Leser alles geschluckt haben, endgültig vorbei sind. Wer als Journalist keinen Hunger nach Risiko hat, nach Abenteuer und nach Kampf, wer also keine neuen Ideen hat, der hat als Journalist bei Zeitungen keine Zukunft mehr. Seufzen allein nutzt da nichts. Ideen muss man haben. Denn Leben bedeutet Veränderung – auch in den Medien.

 

Da muss man schon auf Veränderungen reagieren und nicht wie das Kaninchen vor der Schlange sitzen und einfach abwarten. Was wollen die Menschen da draußen denn in der Mehrzahl? Was bewegt sie? Was suchen sie bei Journalisten? Die Antworten sind doch eindeutig:

 

Sie suchen Antworten auf die zunehmende Verunsicherung über Fakten. Denn für immer mehr Menschen wirkt die Berichterstattung in unseren Leitmedien wie gesteuert. Die Menschen sind doch auch – zu Recht – irritiert, wenn Leitmedien erklärungsbedürftige Verbindungen zu obskuren transatlantischen Organisationen haben und sich in deren Spinnennetzen verheddern. Und wer darüber berichtet, wird inzwischen sogar vor Gericht verfolgt.

 

Warum gibt es heute in den Leitmedien keine schonungslose Recherche mehr, die nach allen Seiten hin ergebnisoffen ist? Warum finde ich immer weniger Richtigstellungen, obwohl immer mehr Tatsachen falsch dargestellt werden? Und warum gibt es keine klare Kenntlichmachung von möglichen Interessenkonflikten, wenn Journalisten Reisen finanziert werden oder Geschenke und andere Zuwendungen erhalten? Wenn ein Journalist geschmiert wird, dann möchte ich das als Leser nicht erst lange nach dem Erscheinen des entsprechenden Gefälligkeitsartikels erfahren.

 

Weil die Menschen da draußen die Wahrheit wissen wollen, sind neue Verlage mit neuen Blickwinkeln nun einmal erfolgreich – und neue Informationsbriefe, in denen man Zusammenhänge liest, die andere verschweigen.

 

Was bedeutet das alles für Journalisten bei der FAZ? Aufwachen! Man kann als Journalist Geld verdienen und für sein Unternehmen Leser an sich binden. Überall entstehen da draußen in der Medienwelt neue Spieler, die mit innovativer Technik, neuen Ideen und alten journalistischen Werten den Markt aufrollen.

 

Was am Ende dieser Entwicklung steht, kann heute niemand seriös sagen. Sicher ist nur, dass die Medienwelt eine andere sein wird. Aber man kann dort Leser gewinnen und Geld verdienen. Wiwo Green, das Green-Tech-Angebot der Wirtschaftswoche, war rein werbefinanziert bereits im ersten Jahr profitabel. Wie Modeblogger Geld verdienen, erklärt Jessica Weiß bei Lousy Pennies. Auch der Postillon kann prima von seiner Satire leben.

 

Ein weiteres Beispiel: Der Technikblogger Sascha Pallenberg lebt in Taiwan. Der Mann schrieb im Jahr 2011 mit seinen Blogs netbooknews.com und netbooknews.de einen Umsatz von gigantischen 350.000 US-Dollar. Und nach den Berechnungen des Hamburger Medienberaters Peter Littger sind auch der Weinwisser und First Class And More profitabel. Allein Weinwissen macht (ohne E-Commerce) mindestens 561.000 Euro. Man könnte diese Liste endlos fortsetzen.

 

Nur rumsitzen, seufzen und »In eigener Sache« über vergangene Zeiten jammern, ist ganz sicher der Weg in die absehbare Arbeitslosigkeit. Warum das so ist? Der Journalist steht in der neuen Medienwelt nicht mehr wie ein Lehrer vor seiner Klasse. Das aber macht die FAZ. Ein moderner Journalist, der von den Menschen da draußen akzeptiert werden will, der nimmt wie ein Freund unter Gleichgesinnten Platz und kommuniziert mit ihnen auf Augenhöhe.

 

 

 

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Leser-Kommentare (33) zu diesem Artikel

20.08.2014 | 09:07

Hans Mayr

ist alles vorhergesagt! wir leben mittlerweile in der Zeit in der der Geist erwacht. Die Menschen sich kein U für ein X vormachen lassen. Sie sind Mündig ! Alles nachzulesen im 3. Testament ! Auch das Rezept wie diese Umbruchzeit gemeister werden kann. Im Net zu finden unter " www.das-dritte-testament.com " Auch wollen die mündigen Menschen keinen Krieg mehr ! Es gibt schon viele die es begriffen haben - die anderen müssen es noch lernen !


19.08.2014 | 22:57

markus

nachdem mein komentar begriffe enthielt die so nicht frei geschaltet werden konnten, nun auf ein neues.üblicher dank an den kopp verlag für sachliche berichterstattung von interessanten themen.rüge an die öffentlich rechtlichen die ihre gremien ausschliesslich mit politisch orientierten der jeweiligen regierung besetzen. sicher, ich habs ursprünglich ein wenig ausschweifender formuliert, aber so leider kein einlass in euro komentarliste erhalten. schade eigentlich, obwohl ich in...

nachdem mein komentar begriffe enthielt die so nicht frei geschaltet werden konnten, nun auf ein neues.üblicher dank an den kopp verlag für sachliche berichterstattung von interessanten themen.rüge an die öffentlich rechtlichen die ihre gremien ausschliesslich mit politisch orientierten der jeweiligen regierung besetzen. sicher, ich habs ursprünglich ein wenig ausschweifender formuliert, aber so leider kein einlass in euro komentarliste erhalten. schade eigentlich, obwohl ich in keiner weise beleidigend war.


19.08.2014 | 08:42

Elisa

Dacht ich mir das doch! Je weiter verbreitet eine und dieselbe Nachricht in den Mainstream-Medien auftaucht, desto eher kann ich davon ausgehen, dass hier wieder Propagandalügen die Runde machen. Unterdessen haben auch die gutgläubigen Leser diese Taktik durchschaut. Noch nie kamen die Lügenkonstrukte der Medien und ihrer Hintermänner und -Frauen so deutlich ans Tageslicht wie heute. Sicher nimmt das Internet eine massgebliche Rolle in dieser Entwicklung ein - zum Glück. Denn die...

Dacht ich mir das doch! Je weiter verbreitet eine und dieselbe Nachricht in den Mainstream-Medien auftaucht, desto eher kann ich davon ausgehen, dass hier wieder Propagandalügen die Runde machen. Unterdessen haben auch die gutgläubigen Leser diese Taktik durchschaut. Noch nie kamen die Lügenkonstrukte der Medien und ihrer Hintermänner und -Frauen so deutlich ans Tageslicht wie heute. Sicher nimmt das Internet eine massgebliche Rolle in dieser Entwicklung ein - zum Glück. Denn die Vergleichbarkeit der Informationen unterschiedlichster Medienkanäle in kürzester Zeit haben die Mainstream-Medien gnadenlos blossgestellt.

Das wird in den nächsten Jahren massive Änderungen herbeiführen, da die globalen Machtstrukturen in ihren korrupten und kriminellen Vorgehensweisen für die Leser zunehmend einsichtig werden. Das bedeutet den Zusammenbruch vieler geachteter moralischer Instanzen und Institutionen sowie den Abbruch der bisan ernst genommenen Rechtsspechung, an die die Menschen doch gerne geglaubt haben. Die derzeitigen politischen Verhaltensweisen und Kriegsschauplätze zeigen dies. Überall, wo Gesetze im Wege stehen, werden sie übergangen. Maastricht, Schuldenbereinigung, Resourcen-Aneignungen, Völkerrecht und Vertreibungen, Vermummungsverbot (siehe die Rechtsradikalen in der Ukraine) usw.

Unendlich traurig ist dabei, dass so viele unschuldige Menschen, besonders auch Kinder, bei diesem gesetzlosen Treiben ihr Leben lassen müssen.


19.08.2014 | 08:14

Elisa

"Heute schaltet die FAZ sogar die Kommentarfunktion bei brisanten Themen ab." - Oder schaltet die Kommentarfunktion kritischer Leser aus, um nicht selbst bei der Leserschaft berechtigt angezweifelt zu werden. Das machen im übrigen auch andere bekannte Medien wie: WiWo, Handelsblatt, sogar DWN praktiziert diese Taktik, aber auch NZZ (CH), TA (CH) und Handelszeitung (CH). Weit sind wir gekommen. Das nennt sich "freie Meinungsäusserung", die Scheindemokratie...

"Heute schaltet die FAZ sogar die Kommentarfunktion bei brisanten Themen ab." - Oder schaltet die Kommentarfunktion kritischer Leser aus, um nicht selbst bei der Leserschaft berechtigt angezweifelt zu werden.
Das machen im übrigen auch andere bekannte Medien wie: WiWo, Handelsblatt, sogar DWN praktiziert diese Taktik, aber auch NZZ (CH), TA (CH) und Handelszeitung (CH). Weit sind wir gekommen. Das nennt sich "freie Meinungsäusserung", die Scheindemokratie lässt grüssen. Der Weg der Leser ist entsprechend klar gespurt, er führt hinaus zu neuen ehrlicheren Medien. Immer mehr Leser wollen keinen Cent mehr für die Lügenpresse ausgeben, und das mit gutem Recht. Adieu, ihr eingekauften Journalisten. Wird Zeit, dass ihr etwas anderes macht.


18.08.2014 | 21:55

Ernst

Vielleicht gilt für die Lehrer dasselbe wie für die Jounalisten. Wer vor dem Respekt des Mitmenschen und vor sich als Mensch zurückweicht, hat verloren. Der Respekt vor dem Menschen führt zum Wahren. Da müssen die Lügengebäude zusammenbrechen. Der respektvolle Mensch wacht JETZT auf. Es ist streng, braucht Geduld und eine sanfte, klare Sichtweise.


17.08.2014 | 06:50

dvvoid

@nersul321, @all ... zum ersten Mal sind die großen Medien nicht nur "gleichgeschaltet", sondern verwenden völlig identische (von wem??) VORGEFERTIGTE TEXTBAUSTEINE. Seht euch das mal an, das gibts doch nicht. 1) FAZ .... http://www.faz.net/aktuell/politik/ukraine-konflikt-russland-verlangt-waffenruhe-13101254.html ...... 2) WELT: ..... http://www.welt.de/politik/ausland/article131294706/Ukraine-bittet-EU-und-Nato-um-Militaerhilfe.html ..... 3) HANDELSBLATT: ........

@nersul321, @all ... zum ersten Mal sind die großen Medien nicht nur "gleichgeschaltet", sondern verwenden völlig identische (von wem??) VORGEFERTIGTE TEXTBAUSTEINE. Seht euch das mal an, das gibts doch nicht. 1) FAZ .... http://www.faz.net/aktuell/politik/ukraine-konflikt-russland-verlangt-waffenruhe-13101254.html ...... 2) WELT: ..... http://www.welt.de/politik/ausland/article131294706/Ukraine-bittet-EU-und-Nato-um-Militaerhilfe.html ..... 3) HANDELSBLATT: ..... http://www.handelsblatt.com/politik/international/ukraine-russland-fordert-waffenruhe/10342256.html ..... oder einfach GOOGLE: ..... https://www.google.de/#q=%22Galina+Balsamowa+vom+Roten+Kreuz+sagte+russischen+Nachrichtenagenturen%22 ..... TEXTBAUSTEIN beginnt mit "Für die umstrittene Verteilung von Hilfsgütern"

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