Wednesday, 24. August 2016
27.07.2010
 
 

Nach der Loveparade: Journalisten schmeißen Eva Herman mal wieder einen Stein hinterher

Udo Ulfkotte

In deutschen Redaktionsstuben herrscht in diesen Tagen gute Stimmung. Denn endlich gibt es ein Thema, mit dem man die nachrichtenarme Zeit des medialen Sommerlochs füllen kann – die Toten der »Loveparade« kommen da wie gerufen. Was jetzt noch fehlt sind ein paar Bösewichte, die man in den kommenden Tagen wie Schweine durchs Dorf treiben kann. Das gleiche Schauspiel wiederholt sich in deutschen Redaktionsstuben Jahr für Jahr. Viele Politiker haben mit Journalisten diese unschöne Erfahrung gemacht. Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt hat deutsche Journalisten vor diesem Hintergrund einmal als »Wegelagerer« bezeichnet. Und Kanzler Konrad Adenauer sagte: »Mit kleinen Jungen und Journalisten soll man vorsichtig sein. Die schmeißen einem immer noch einen Stein hinterher.« Die erfolgreiche Kopp-Autorin Eva Herman macht in diesen Tagen - wieder einmal - ähnliche Erfahrungen mit einem Berufsstand, über den schon Agatha Christie schrieb: »Ich habe Journalisten nie gemocht. Ich habe sie alle in meinen Büchern sterben lassen.«

 

Da wagt es die auflagenstärkste deutsche Zeitung – BILD - allen Ernstes mit der Schlagzeile aufzumachen: »Eva Herman verhöhnt Opfer der Loveparade«. Zuvor hatte es Eva Herman gewagt, in einem Bericht auf den Kopp-Seiten die BILD-Zeitungs-Werbung für die »geilste Party der Welt« und die sexistische triebgesteuerte Jubel-Berichterstattung der BILD zu kritisieren.

Eva Herman beklagte in ihrem Bericht auch die Toten der Duisburger Loveparade und schrieb: »Zu Recht werden die Toten und Verletzten nun beklagt, ein derartiges Unglück hatte es noch nie zuvor gegeben.« Und sie schrieb: »Den Familien und Angehörigen der Toten gebührt tiefstes Beileid, sie haben schwerste Zeiten vor sich.« Dennoch fallen nun immer mehr Medien in den Jagdaufruf jener ein, die Eva Herman eine angebliche »Verhöhnung der Opfer« vorwerfen, weil sie in ihrem Kopp-Artikel auf den extremen Drogen- und Alkoholkonsum, auf Sexismus, Rausch und massenhaftes skrupellos-unmoralisches Verhalten hingewiesen hat. Deshalb wirft man Frau Herman nun allen Ernstes »Pietätlosigkeit« vor.

Ich möchte als Autor an dieser Stelle all jenen, die nun wie eine Meute über Eva Herman herfallen, einige nachdenkliche Fragen stellen:

Liebe Journalisten, haben Sie die Live-Bilder gesehen, auf denen Teilnehmer der Loveparade neben den Rettungs- und Leichenwagen tanzten, in denen die Opfer des Unglücks abtransportiert wurden? Die Bilder sind inzwischen auch an zahlreichen Stellen im Web dokumentiert. Es waren nicht einzelne Jugendliche, sondern viele. Sie tanzten in Ekstase um die Rettungs- und Leichenwagen. Könnte es sein, dass nicht Frau Herman, sondern diese Teilnehmer der Loveparade pietätlos waren?

Liebe Journalisten, haben Sie die zahlreichen Interviews Ihrer Kollegen mit Teilnehmern der Loveparade gesehen, bei denen Jugendliche mit den schlimmen Ereignissen konfrontiert wurden und dann in die Mikrofone brüllten, das sei ihnen völlig egal, sie wollten weiterfeiern? Auch das waren keine Einzelfälle. Wer hat denn hier die Opfer der Loveparade verhöhnt? War es Frau Herman oder waren es die zugekifften Teilnehmer der Loveparade, die trotz der Toten weiterfeiern wollten?

Liebe Journalisten, der WDR hat die Aufforderung der Rettungssanitäter gefilmt, eine Gasse für die Rettungsfahrzeuge freizumachen. Vielleicht schauen Sie sich einfach einmal an, wie Massen von Teilnehmern der Loveparade stolz darauf waren, Widerstand gegen das »Vorrücken« der Sanitäter und Helfer geleistet zu haben. Auch da musste Eva Herman nichts erfinden. Es war für einen anständigen normal denkenden Bürger einfach nur widerlich, wie sich die zugekifften »Raver« verhielten.

Eva Herman hat geschrieben, viele Teilnehmer der Loveparade seien betrunken oder vollgekifft gewesen. Liebe Journalisten, ist es Ihnen wirklich entgangen, dass es auch in diesem Jahr bei der Loveparade 81 Festnahmen gegeben hat? So friedlich wie von vielen dargestellt, ist die Veranstaltung eben doch nicht. Es handelt sich immerhin um die größte öffentliche Rauschgiftparty der Welt. Jedes Jahr kommen im Drogenrausch bei solchen Veranstaltungen Menschen ums Leben – und nur glückliche Umstände haben eine Massenpanik in der Vergangenheit bei Loveparades verhindert.

Liebe Journalisten, haben Sie vergessen, dass die Duisburger Ärzte extra in Schulungen auf die vielen Kiffer und Junkies, die sich bei der Loveparade mit einer bunten Mixtur an Drogen zudröhnen würden, vorbereitet werden mussten? Und da soll es eine Verhöhnung der Opfer sein, wenn Eva Hermann diesen Drogensumpf geißelt, über den andere Journalisten auch schon zuvor berichtet hatten? Die deutsch-griechische DJane Marusha hat schon 2007 in einem Interview gesagt, die Loveparade »verkommt zur Drogen- und Alkoholparty«. Hat sich auch nur ein Journalist über diese Aussage aufgeregt?

Liebe Journalisten, wenn Sie einmal sehen wollen, wer die Opfer wirklich verhöhnt, dann rufen Sie einfach einmal diese Internetseite deutscher Muslime auf – da werden die Toten »Kuffar«  (Ungläubigen) als Strafe Allahs für ihren Lebenswandel dargestellt. Erregt sich auch nur ein Journalist der BILD-Zeitung darüber, dass deutsche Muslime den Tod der »Raver« als »Strafe Allahs« für die »Ungläubigen« und ihren Lebenswandel bezeichnen? Unsere muslimischen Mitbürger dürfen sich ungestraft so äußern – sie sind in diesem Land ja inzwischen auch Menschen erster Klasse. Eva Herman aber ist eine ethnische Deutsche, dazu noch blond und intelligent. Sie darf ihre Auffassung nicht einmal andeuten, sonst wird sie im Sommerloch zur willkommenen Sau, die eine Journalistenmeute johlend mit Stockschlägen durchs Dorf treibt.

Liebe Journalisten, schauen Sie sich jetzt noch einmal die tanzenden »Raver« der Duisburger Loveparade neben den Rettungs- und Leichenwagen an – ist es für einen normal denkenden Menschen nicht eine Situation, die pietätlos ist?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Polizisten beschreiben erschreckende Szenen bei der Loveparade: Aufgeputschte und aggressive »Raver« trafen auf überforderte Organisatoren. »Die Stimmung war explosiv, viele schienen berauscht«, sagt ein Beamter – diese Worte hat der Spiegel über die Lage vor Ort veröffentlicht. Und das schrieb Eva Herman: »Wer sich die Bilder der Loveparade ansieht, glaubt, in der Verfilmung der letzten Tage gelandet zu sein, wie sie in der Bibel beschrieben werden. Viele der Partygäste wirkten auch in diesem Jahr bereits vor dem Unglück wie ferngesteuert. Betrunken oder vollgekifft.«

Hat Eva Herman wirklich so unrecht? Oder will man ihr Unrecht tun? Warten wir es ab, denn vielleicht hat die BILD-Zeitung ja morgen schon auf der ersten Seite die Schlagzeile »Deutsche Muslime verhöhnen Opfer der Loveparade«… Vielleicht aber schreibt Eva Herman ja nun im Kopp Verlag einen Roman über ihre Erlebnisse mit der BILD-Zeitung und behandelt deren Chef Kai Diekmann darin so, wie Agatha Christie einst alle Journalisten in ihren Romanen behandelte…

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