Monday, 21. May 2012
24.11.2010
 

Schützen deutsche Polizisten jetzt auch Terroristen? In Dortmund trifft sich am Wochenende der Freundeskreis von Selbstmordattentätern

Udo Ulfkotte

Während in ganz Deutschland Angst vor einem Terroranschlag herrscht, scheint man in Dortmund davon noch nichts mitbekommen zu haben. Dort treffen sich an diesem Wochenende die Freunde und Angehörigen von Selbstmordattentätern und Terrorunterstützern bei einem »Heldengedenktag« in der Helmut-Körnig-Halle. Und draußen patrouillieren dann Polizisten auf der Jagd nach Terrorverdächtigen. Das ist nicht etwa Satire, sondern Realität – Deutschland 2010.

Überall in Deutschland herrscht in diesen Tagen Terroralarm. Die Kuppel des Berliner Reichstages wurde aus Angst vor Terroranschlägen für die Besucher gesperrt, an Atomkraftwerken, Bahnhöfen und Flughäfen wird die Zahl der Polizisten massiv verstärkt. Und bundesweit gilt für Polizisten eine Urlaubssperre – schließlich gilt es, den Terrorismus zu bekämpfen. Doch während bundesweit Sicherheitsbeamte nach Terroristen Ausschau halten, feiern Freunde und Angehörige einer in Europa verbotenen Terrorgruppe in aller Ausgelassenheit in einer 4.500 Personen fassenden Stadthalle mit großem Pomp bei einem »Heldengedenktag« Selbstmordattentäter und einen Terroristenführer. Sie halten das für einen Scherz? Nein, das ist es keineswegs. Die Stadt Dortmund hat für das Treffen der Anhänger einer von der Europäischen Union ganz offiziell als Terrorgruppe eingestuften und verbotenen Gruppe eine der größten Hallen vermietet.

Die Dortmunder Helmut-Körnig-Halle ist Teil des Olympiastützpunktes Westfalen. Sie fasst 4.500 Zuschauer und wird meist für Leichtathletik-Veranstaltungen benutzt. Am 28. November 2010, einem Sonntag (und dem 1. Advent), wird dort »Heldengedenktag« gefeiert. Dann wird man dort wohl mal wieder Selbstmordattentäter lobpreisen und mit dem Verkauf von Eintrittskarten, Souvenirs und Lebensmitteln Geld für eine in Europa verbotene Terrororganisation sammeln. Der Verfassungsschutz NRW hat das jedenfalls in den vorangegangenen Jahren bei ähnlichen Veranstaltungen der Gruppe beobachtet und genau so im Verfassungsschutzbericht 2009 aufgeschrieben (Zitate aus dem Bericht dazu siehe unten). Wahrscheinlich müssen nordrhein-westfälische Polizisten die Großveranstaltung der verbotenen Organisation in diesem Jahr sogar noch beschützen. Das Ganze ist ein Stück aus dem Tollhaus und erinnert an eine Bananenrepublik, was da mal wieder in Dortmund passieren wird.

Wenn man in Europa über Terrorverdächtige spricht, dann denken viele Menschen sofort an Al Qaida und an islamistische Terroristen. Den Weltrekord an Terroranschlägen halten jedoch keineswegs griesgrämige radikale Muslime, sondern aus Sri Lanka stammende Tamilen von der Organisation »Befreiungstiger von Tamil Eelam« (LTTE). Wegen der ungeheuren Zahl blutiger Selbstmordanschläge wird die LTTE von den Vereinigten Staaten, der Europäischen Union, Kanada und Indien als Terrorgruppe eingestuft. Zwar ist der Bürgerkrieg in Sri Lanka seit dem Sieg der Regierung über die LTTE 2009 für offiziell beendet erklärt worden, aber die LTTE treibt weiterhin – auch in Europa – Gelder von tamilischen Flüchtlingen ein, die nach den traumatischen Erlebnissen während des Bürgerkriegs oft auch freiwillig zahlen. Wer nicht zahlt, muss mit Telefonterror und demolierten Wohnungen rechnen.

Im Verfassungsschutzbericht NRW heißt es 2009 zur Terrorgruppe LTTE in NRW: »Das Hauptziel der LTTE im Ausland und damit auch in Deutschland ist es, Geld für den ›Befreiungskampf‹ in der Heimat zu beschaffen. Ohne die regelmäßige finanzielle Unterstützung aus dem Ausland wäre die LTTE nicht in der Lage, kontinuierlich für ihre Ziele einzutreten und den paramilitärischen Apparat in Sri Lanka aufrecht zu erhalten. Über die Höhe der Gelder, die von der LTTE jährlich für den Kampf, aber auch für die Versorgung von Flüchtlingen in der Heimat akquiriert werden, liegen keine gesicherten Angaben vor. (…) Als jährlich wiederkehrende Saalveranstaltung fand am 27. November 2009 der sogenannte ›Heldengedenktag‹ der LTTE in Essen mit 5.000 Teilnehmern statt.«

Da haben wir ihn also im Verfassungsschutzbericht stehen, den »Heldengedenktag« der Terrorgruppe LTTE. In diesem Jahr findet er in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle statt. In tamilischer Sprache wird auf Flyern und Plakaten erneut zum »Maavierenaal« eingeladen – eben dem »Heldengedenktag«. Am 27. November 2007 hatte dieser schon einmal in dieser Dortmunder Halle stattgefunden. Das Ganze wird jährlich neu verpackt und als »Gedenkveranstaltung an die Opfer des Bürgerkrieges in Sri Lanka« tituliert. Gefeiert wird dann immer auch der Geburtstag des inzwischen wohl von der Regierung getöteten LTTE-Terrorführers Velupillai Prabhakaran, dessen Foto alle Plakate und Flyer ziert, mit denen in Deutschland lebende Tamilien zu der Veranstaltung eingeladen werden. Natürlich ist die LTTE nicht der offizielle Veranstalter der »Heldengedenktage«. Der Verfassungsschutzbericht NRW schreibt:

»Die LTTE tritt in Deutschland nicht unter ihrem Namen auf. Ihre Ziele und Interessen werden hier durch das ›Tamil Coordination Committee‹ (TCC) mit Sitz in Oberhausen vertreten. Die LTTE-Sektion Deutschland wird durch konspirative Zellen gebildet, die sich nach außen völlig abschotten. Der LTTE nahestehende Organisationen sind: ›Tamil Youth Organization‹ (TYO), Sitz: Hamm; ›Tamil Rehabilitation Organization e.V.‹ (TRO), Sitz: Wuppertal; ›Tamil Student Organization e.V.‹ (TSV), Sitz: Neuss; ›Tamilische Bildungsvereinigung e.V.‹, (TBV) Sitz: Stuttgart.«

Der Generalbundesanwalt hat im Frühjahr einige der LTTE-Führer in Oberhausen festnehmen lassen.

Auch in der Schweiz gedenken die Terrorunterstützer der LTTE in diesen Tagen ihrer »Helden« und feiern den Geburtstag des LTTE-Terrorführers Velupillai Prabhakaran, und zwar am 27. November 2010 um 12.30 Uhr im Forum Fribourg – also einen Tag vor der Veranstaltung in Dortmund. Offizieller Veranstalter ist in Deutschland wie auch in der Schweiz ein »tamilischer Kulturverein«, der wohl als vorgeschobene Tarnung für die LTTE agiert. Denn ganz deutlich sind auf den in der Schweiz verteilten Flyern die Hoheitszeichen der LTTE zu erkennen. Wie das Schweizer Fernsehen schon in seiner Ausgabe vom 30. Juni 2006 berichtete, hat die EU die LTTE auf ihrer Terrorliste. Dennoch dürfen die Anhänger einer in der EU verbotenen Terrororganisation sich in der Schweiz und in Deutschland ganz offen treffen und dem Terrorführer Velupillai Prabhakaran huldigen. Dieser Terrorführer hat mehr Menschenleben auf dem Gewissen, als alle islamistischen Terrorgruppen zusammen. Er hat Kindersoldaten ausgebildet, unzählige Selbstmordkommandos in den Tod geschickt, Frauen-Bataillone aufgestellt und ethnische Säuberungen befohlen. In deutschen Medien kommt sein Name nicht vor – denn LTTE ist eine sozialistische Terrorgruppe, also aus Sicht von »Qualitätsmedien« eine »anständige« Terrorgruppe. Und deutsche Polizisten müssen die Veranstaltung im rot-grün regierten Bundesland NRW mit den Lobpreisungen auf Terrorführer Prabhakaran nun schützen. Schließlich könnte es deutsche »Störer«geben, die es nicht gut finden, dass man in Deutschland in diesen Tagen ganz offen Terrorführern huldigen darf, während die von den Steuerzahlern finanzierten Polizisten da draußen nach Terroranhängern suchen müssen.

Wir haben den Verfassungsschutz in NRW um eine Stellungnahme gebeten, warum eine Jubelveranstaltung für Terrorführer Velupillai Prabhakaran in Dortmund genehmigt und von deutschen Polizisten geschützt werden muss. Wir haben trotz Nachfrage keine Antwort bekommen. Wie würde die Öffentlichkeit wohl reagieren, wenn nach dem Tode Bin Ladens mit dessen Konterfei zum öffentlichen »Heldengedenktag« in eine der großen Hallen dieses Landes eingeladen würde, Tausende Sympathisanten in die Halle strömten und deutsche Polizisten das ganze Spektakel auch noch schützen müssten? Das alles ist wohl nur in einer Bananenrepublik möglich.

 

 


 

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