Unter der Überschrift »Eva Herman und die Verschwörungstheoretiker« hat Antje Hildebrandt einen Artikel veröffentlicht, der es wahrlich in sich hat. Mit dem Charme eines Betonpfeilers tastet sich Frau Hildebrandt an Eva Herman heran, die von deutschen Qualitätsjournalisten in der Vergangenheit – höflich formuliert – eher unschön behandelt wurde. Die mediale Schlammschlacht eröffnet hatte damals eine Kollegin von Antje Hildebrandt.
Männliche Leser könnte der Schreibstil des jüngsten Schlammschlacht-Artikels nun schnell an die unter Frauen beliebte Seifenoper Sex and the City erinnern. Denn die Abfolge der in der Welt gegen Eva Herman abgeschossenen Giftpfeile ist schier atemberaubend. Frau Hildebrandt empört sich etwa über Frau Herman: »Sie trägt noch immer diese leuchtend bunten Outfits, in denen sich vom Hintergrund abhebt wie ein Smartie aus dem Weltall.« Jeder Ton der früheren Tageschau-Nachrichtensprecherin wird abwertend analysiert, selbst die Mimik passt der Welt-Qualitätsjournalistin nicht: »… einer Miene, von der man nicht genau weiß, ob sie vor Schreck oder vor Tapferkeit erstarrt ist.« Mit dem Stakkato eines Maschinengewehrs tastet sich Welt-Autorin Hildebrandt so an den Gipfel ihrer Boshaftigkeiten heran: Eva Herman hat nach Auffassung von Antje Hildebrandt ihr neues Zuhause im Umfeld von Rechtsextremisten gefunden, Frau Hildebrandt schreibt jedenfalls: »In diesem Umfeld also hat die ehemalige Miss Tagesschau eine neue Heimat gefunden. In einem mittelständischen Verlag, der neben Ratgebern gegen Haarausfall und Büchern von Erich von Däniken (›Götterdämmerung‹) auch Werke eines Autoren veröffentlicht, den das Bundesamt für Verfassungsschutz als Rechtsextremisten eingestuft hat: Jan Udo Holey alias Jan von Helsing.«
Aus der Sicht eines Lesers stellt die Welt-Autorin Antje Hildebrandt Eva Herman damit eindeutig in ein rechtsextremistisches Umfeld. Denn sie behauptet, dass der Verleger Jochen Kopp, für den Eva Herman nun tätig ist, Bücher des »Rechtsextremisten« Jan Udo Holey alias Jan von Helsing »veröffentlicht«. Doch Verleger Kopp »veröffentlicht« die Bücher von Holey/Helsing nicht. Er macht nur das, was fast alle deutschen Medienhäuser mit den Büchern von Holey/Helsing machen – er verkauft sie. Schauen wir also einmal per Mausklick im Internet nach, wer die Bücher des »Rechtsextremisten« Jan Udo Holey »veröffentlicht« … Wo werden wir sofort fündig? Im Internet-Shop der Süddeutschen Zeitung. Von Amazon über Libri bis zu vielen anderen Portalen – etwa der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder des Spiegel – findet sich trotz intensiver Suche kaum ein Portal, das die Bücher des »Rechtsextremisten« Holey nicht bewirbt und anbietet. Welt-Autorin Antje Hildebrandt stellt somit indirekt alle ihre Kollegen, die etwa bei vorgenannten Medienhäusern arbeiten, in die rechtsextremistische Ecke. Und das nur, um Eva Herman in ihrer Schlammschlacht in einer bedauerlichen und verhängnisvollen Wiederholung der Ereignisse in die »rechte Ecke« zu stellen. Ähnlich hatten sich zuvor ja auch schon die »Qualitätsjournalisten« Christopher Keil und Johannes Boie in der Süddeutschen Zeitung geäußert. Doch der Schuss ging nach hinten los, wurde zum Eigentor. Wie jetzt beim Welt-Artikel der Antje Hildebrandt. Denn in dem Welt-Artikel heißt es weiter: »Jochen Kopp verheimlicht nicht, dass sein Verlag auch in der ›Jungen Freiheit‹, dem Sprachrohr der Neuen Rechten, für seine Neuerscheinungen wirbt.« Vielleicht sollte Antje Hildebrandt einfach einmal die Junge Freiheit lesen und nachschauen, wer von ihren Kollegen aus dem Axel-Springer-Verlag denn dort bereitwillig Interviews gibt.
Wen finden wir? Springer-Autor Hugo Müller-Vogg etwa. Der hat in der Jungen Freiheit für sein neues Buch geworben. Ist Springer-Autor Hugo Müller-Vogg nun aus der Sicht der Welt-Autorin Antje Hildebrandt den Rechten zuzuordnen?
Nochmals, die Welt-Autorin schrieb: »Jochen Kopp verheimlicht nicht, dass sein Verlag auch in der ›Jungen Freiheit‹, dem Sprachrohr der Neuen Rechten, für seine Neuerscheinungen wirbt.« Nichts anderes machen renommierte Springer-Autoren eben auch.
Doch es kommt noch dicker, die »Qualitätsjournalistin« Antje Hildebrandt schreibt: »Ob dieser Rahmen geeignet ist, die nach ihren umstrittenen Äußerungen zur Familienpolitik im Dritten Reich entlassene Nachrichtensprecherin zu rehabilitieren, darf bezweifelt werden.«
Die Axel-Springer-Autorin verschweigt ihren Lesern dabei, dass der Axel-Springer-Verlag Eva Herman 25.000 Euro Schmerzensgeld zahlen musste, weil er sie durch falsche Zitate wahrheitswidrig in eine Nähe zum Nationalsozialismus rückte, in der sie auch nach Auffassung des Kölner Oberlandesgerichts nicht stand. Das Urteil hätte auch die Springer-»Qualitätsjournalistin« Antje Hildebrandt leicht im Internet einsehen können.
Wer so arbeitet wie Antje Hildebrandt, der muss sich nicht wundern, dass deutschen Zeitungen immer mehr Leser davonlaufen. Wenn sie so weiter recherchiert, dann wird man bald sagen können: Über dem Kopp Verlag lacht die Sonne, über die »Qualitätsjournalistin« Antje Hildebrandt die Welt.
Diesen Eindruck erhält man auf jeden Fall auch bei Durchsicht der Leserkommentare. Nein, Frau Hildebrandt hat sich mit diesem Artikel wirklich keinen Gefallen getan, und fast bekommt man Mitleid, wenn man lesen muss, wie hier nahezu ausschließlich heftig auf sie eingedroschen wird – auf Frau Hildebrandt, nicht etwa auf Eva Herman. Deutlich wird hier jedoch auch, dass es den Lesern allmählich zu reichen scheint. Sie wollen sich dem Anschein nach nicht mehr einseitig bevormunden lassen, sondern sie machen ihrem Unmut immer deutlicher Luft. Ob ihr das vielleicht zu denken gibt, der Frau Hildebrandt?
Das teils sehr kritische Leserecho auf den Welt-Artikel wurde den Verantwortlichen offenbar schon zu viel. Die Kommentarfunktion im Onlineauftritt der Welt zu dem Artikel war jedenfalls schon nach rund einer Stunde abgeschaltet. Da hätte es sicher nicht mehr lange gedauert, bis ein Kommentar dort auf den Fauxpas der Süddeutschen verwiesen hätte. »Honi soit qui mal y pense.«
Vielleicht sollte sich Antje Hildebrandt deshalb auf das beschränken, was sie wirklich gut kann: bei sich selbst aus vorherigen Stücken abschreiben. Das beherrscht sie bis zur Perfektion. Frau Hildebrandt wiederholt in ihren Stücken offenkundig gern den selbst kreierten Satz »Any motion is promotion«. Sie finden ihn von ihr etwa hier und hier und hier … Vielleicht ist ihr bösartiger Artikel gegen Eva Herman aus der Perspektive von »Any motion is promotion« ja in Wahrheit eine ganz persönliche Werbekampagne für Eva Herman. Das wäre dann eine Seifenoper ganz nach dem Strickmuster von Sex and the City. Ich gestehe als Autor dieses Beitrages offen und ehrlich ein, dass ich Frauen wie Antje Hildebrandt manchmal einfach nicht verstehe. Aber vielleicht bin ich da ja auch nicht allein …
Denn was sollen die vielen seriösen Verlags- und Autorenkollegen der Antje Hildebrandt im renommierten Axel-Springer-Verlag jetzt nur von ihr denken? Hochnäsig hat sie ja auch dem im Kopp Verlag erschienenen Ratgeber gegen Haarausfall mit dem Titel »Haarausfall natürlich heilen« in ihrem Bericht noch beiläufig einen Tritt verpasst. Doch eben jener Ratgeber und Bestseller der Haarexpertin Brigitte Hamann wurde unlängst auf einer kompletten Doppelseite redaktionell von Deutschlands größter Frauenzeitschrift Bild der Frau als »natürliche Hilfe« gegen Haarausfall gelobt (Ausgabe vom 5. März 2010, Seite 60 u. 61). Und die Autoren- und Verlagskollegen von Deutschlands größter Tageszeitung Bild haben erst vor wenigen Tagen am 4. Juni über Eva Herman und ihre Nachrichtensendung beim Kopp Verlag berichtet. Völlig sachlich, ganz seriös und ohne Häme. Antje Hildebrandt hat mit ihrer unseriösen Berichterstattung vielen ihrer seriösen und renommierten Verlags- und Autorenkollegen einen Tritt versetzt. Aber Menschen machen Fehler. Und die Größe eines Menschen erkennt man daran, wie er mit Fehlern umgeht.
© 2010 Das Copyright dieser Seite liegt, wenn nicht anders vermerkt, beim Kopp Verlag, Rottenburg
Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Meinung des Verlags oder die Meinung anderer Autoren dieser Seiten wiedergeben.