Tuesday, 27. September 2016
19.10.2012
 
 

Warum es Krieg geben wird

Udo Ulfkotte

Die europäische Gemeinschaftswährung Euro ist auf dem besten Weg, den Frieden in Europa zu ruinieren. Die Massenproteste werden eskalieren. Und Unruhen werden immer wahrscheinlicher. Und zeitgleich entstehen rings um uns herum viele gefährliche Brandherde.

Erinnern Sie sich noch daran, wie unsere politischen Führer gejubelt haben, als im Frühjahr 2011 der »Arabische Frühling« ausbrach? Genau jene politischen Führer, die ständig behauptet haben, der Euro bringe uns Frieden und Wohlstand und sei ebenso stabil wie einst die D-Mark, behaupteten damals unentwegt, der »Arabische Frühling« werde Demokratie und ein neues

friedliches Zeitalter bringen. Die Wahrheit lautet: Ebenso wie beim Euro irren die Politiker auch beim »Arabischen Frühling«. Schlimmer noch: Beide Entwicklungen zusammen werden uns nicht nur Elend und Unruhen, sondern ganz sicher auch Krieg bringen. Und man kann das selbst dem politisch-wirtschaftlichen Laien mit wenigen Zeilen nüchtern erklären.


Fangen wir zunächst weit entfernt an. Man mag von der Islamischen Republik Iran halten, was man will. Aber man muss die Realitäten akzeptieren: Unbestritten ist, dass das Land Ölexporte als einzige große Einkommensquelle hat. Und ebenso unbestritten ist, dass genau dieser Staat Iran ein gewaltiges Bevölkerungsproblem hat. Als der Schah 1979 gestürzt wurde, da bekam eine iranische Frau statistisch gesehen sieben Kinder – heute sind es nur noch 1,6. Die Zahl der Geburten ist im Iran extrem rückläufig. Das ist völlig unbestritten. Ebenso unbestritten ist es, dass acht Prozent der Iraner heute im Rentenalter sind. Nun gibt es in der Islamischen Republik Iran aber keine Rente. Und in wenigen Jahren wird eine extrem rückläufige Zahl junger Menschen im Iran eine immer größere Zahl von Älteren ernähren müssen. Das klappt, solange man immer mehr Rohöl verkaufen kann. Dummerweise gehen genau dann, wenn der Iran zur Ernährung der Bevölkerung (also für den Sozialsektor) erheblich mehr Ölexporte brauchte, die Förderkapazitäten zurück, weil die Lagerstätten erschöpft sind. Auch das ist unbestritten. Die einzige Chance des Überlebens besteht für Teheran darin, ölreiche Gebiete in unmittelbarer Nähe zu annektieren: die irakische Provinz Basra, Bahrain, Teile von Aserbaidschan und die schiitischen Provinzen Saudi-Arabiens. Und genau für diese Kulisse braucht der Iran Nuklearwaffen. Es ist egal, ob man den Bau von Atomwaffen im Iran um ein oder zwei Jahre mit Tricks und Sanktionen hinausschiebt – verhindern kann man das geschilderte Szenario ebenso wenig wie die rasante konventionelle Aufrüstung des Irans und den Krieg, den jede künftige iranische Regierung (das hat nichts mit den Mullahs zu tun) führen muss, um der Bevölkerung das Überleben zu sichern.


Ein ähnliches Problem hat die Türkei, die ganz langsam von einem »Feind im Innern« erdrückt werden wird. Türkische Frauen bekommen heute statistisch gesehen 1,5 Kinder - während kurdische Frauen im Land vier Kinder bekommen. In wenigen Jahren wird schon die Hälfte der »Türken« in der Türkei aus Kurden bestehen, die mit aller Macht eines wollen: Unabhängigkeit von der Türkei. Die türkische Regierung weiß, dass sie gegen die rasante demografische Entwicklung im eigenen Land keine Chance mehr hat. Ministerpräsident Erdoǧan ist bei näherer Betrachtung nicht mehr als ein hilfloser Hampelmann, der Mut zeigen will ohne Muskeln zu haben.

 

Seine Drohungen, in Syrien zu intervenieren, waren nichts als ein Bluff, denn eine größere Freude könnte er den Kurden in Syrien wohl kaum machen: Nicht nur sie, sondern alle außerhalb der Grenzen lebenden Kurden würden die Chance für den Angriff auf türkische Truppen sofort nutzen. Man hat das ja im Irak gesehen: Die türkischen Militäroperationen gegen Kurden im Irak bewogen die Regierung in Bagdad dazu, sich enger an den Iran anzulehnen und ein Militärbündnis zu suchen. Das aber brachte die USA in Rage und auch die Türkei muss besorgt sein. Denn die türkische Wirtschaft lebt ja derzeit nur von großzügigen Leistungen aus jenen reichen Golfstaaten, die Ankara zur Eindämmung iranischen Einflusses in der Region brauchen. Schafft die türkische Regierung es nicht, die Gönner in den Golfstaaten zufrieden zu stellen, dann  fließt auch kein Geld mehr. Und die Türkei geht dann schnell den Weg Griechenlands. In jedem Fall kann Ankara sich drehen, wie es will: Die entscheidende Schlacht mit den Kurden hat das Land schon jetzt verloren. Die Türkei als Ordnungsmacht im Osten Europas wird ganz sicher zerfallen. Und jene Politiker bei uns, die das Land jetzt noch schnell in die EU holen wollen, haben entweder keine Kenntnis von der sich dort abzeichnenden Entwicklung - oder aber sie hassen uns Bürger so sehr, dass sie Europa ganz gezielt noch einen weiteren Kriegsherd einverleiben wollen.


Nicht anders ist es im Falle Ägyptens, dessen Revolution uns von unseren Politikern als »demokratischer Aufbruch« verkauft wurde. Angeblich wollten Massen gebildeter Ägypter endlich die Demokratie. Doch anderthalb Jahre nach dem Sturz Mubaraks wird auch dem Dümmsten klar, dass dort in Ägypten noch immer 45 Prozent der Einwohner Analphabeten sind, 90 Prozent der Frauen beschnitten sind, 30 Prozent der Eheschließungen Inzucht sind (man heiratet bevorzugt im engsten Verwandtenkreis, um das Geld in der Familie zu behalten) – und die Mehrheit der Bevölkerung unterstützt nun einmal die Islamisten. Und die von der Muslimbruderschaft geführte Regierung hat gerade zum Dschihad aufgerufen. Zum Krieg gegen Israel. Erinnern Sie sich noch: Vor einem Jahr behaupteten unsere Politiker, vor der ägyptischen Muslimbruderschaft müsse man keine Angst haben. Und jetzt ruft diese die Bevölkerung zum Krieg auf. Überall um uns herum entstehen gefährliche Brandherde. Und unsere Politiker behaupten ständig, sie hätten alles im Griff.


Ist das nicht merkwürdig: Die Schweiz bereitet sich auf kriegerische Ereignisse mitten in Europa und auf die Abwehr von Flüchtlingsströmen an den Grenzen vor. Vielleicht täten wir Bürger gut daran, uns auch etwas vorzubereiten und uns nicht länger auf jene Politiker zu verlassen, die uns mit ihrer Erkenntnis beglücken, die Weichwährung Euro werde irgendwann wieder stabil und die Lage an unseren Außengrenzen werde ganz sicher bald friedlich.

 

 


 

 

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