Wird Köhler als zukünftiger Regierungsberater in Washington und Peking tätig?
Wang Xin Long
Der König ist tot – es lebe der König! Passender könnte man die derzeitigen Geschehnisse rund um den gestern resignierten Bundespräsidenten Köhler nicht beschreiben. Ein beleidigter Abgang, weil einige seiner Äußerungen zu Krieg und Frieden in der Welt harsche Kritik einbrachten? Bestimmt nicht! An einem solch hartgesottenen Politiker wie Horst Köhler, sollten die medialen Angriffe abperlen, wie Wasser vom Lotusblatt. Und weil die Systempresse die Bürger mit der »Nachfolgediskussion« bei der Stange hält, lohnt es sich, einmal der viel wichtigeren Frage nachzugehen: wo wird Köhler eigentlich hingehen?
Es drängt sich der Verdacht auf, dass Köhler an anderer Stelle dringender gebraucht wird: in den USA beziehungsweise in China, um den Regierungen in Washington und Peking bei den Reformen zur Verstaatlichung der industriellen Vermögen Chinas als Berater und wechselseitiger Kontaktgeber behilflich zu sein. So, und wahrscheinlich nicht anders, ist der hastige Abgang zu erklären. Der Besuch in Afghanistan, und die Äußerungen Köhlers wurden schlicht zu einer weiteren Rauchgranate der systemischen Berichterstattung umfunktioniert.
Köhler hat Deutschland im Zuge der Finanzkrise zugunsten der Eurokraten abgewickelt, den Haltern des internationalen Kapitals üppige Zins- (Entschuldigung: »Rettungs-« Pakete) hinterher geworfen, und er tritt ab, weil er an anderer Stelle mit seinen neoliberalen Überzeugungstaten weiter machen darf und soll! Somit erklärt sich auch, warum die deutschen Nachrichtenfunktionäre den vor dem Afghanistan-Besuch stattgefundenen Besuch in China fast komplett ausblenden mussten: Es durfte ja kein Zusammenhang hergestellt werden können, zwischen Köhlers Besuch, und den wenige Tage später stattfindenden Chinesisch-Amerikanischen Strategiegesprächen. Gespräche übrigens, bei denen umfangreiche wirtschaftliche Reformen seitens Peking in Aussicht gestellt wurden. Selbst die Amerikaner waren überrascht und hocherfreut, mit welch prall gefüllten Notizblöcken sie nach Hause fliegen durften. Und welch ein Zufall: diese anstehenden Reformen fallen alle in den Bereich der Expertise des Herrn Köhler! Köhlers Werdegang in diversen Abteilungen der Bundesministerien der Wirtschaft und – später – der Finanzen, seine Tätigkeiten im IMF und auch die Geschehnisse rund um seinen Besuch in Peking, sprechen eine deutliche Sprache.
China ist ein Entwicklungsland, und es bietet ein bisher nicht gekanntes wirtschaftliches Potenzial; ein Potenzial, welches bei der Gesundung der internationalen Wirtschaft eine entscheidende Rolle spielen wird. Es werden in naher Zukunft milliardenschwere wechselseitige Investitionen getätigt werden. Der Bundespräsident, dem es eine Ehre war, Deutschland gedient zu haben, hat auf seiner letzten Reise nach Peking, den Amerikanern den Weg in Richtung dieser Investitionstätigkeiten geebnet. Vielen Dank dafür, Herr Köhler!
Der ehemalige Bundespräsident ist eine der Galionsfiguren der Globalisierung. Zu Zeiten der deutschen Wiedervereinigung war Köhler Staatsekretär im Bundesfinanzministerium. Er hat also auf höchster Regierungsebene Erfahrungen sammeln können, bei der Überführung des sozialistischen Gemeingutes der DDR in die Privatwirtschaft der Bundesrepublik. Diese Prozesse stehen nun in China an, denn das Land soll Stück um Stück privatisiert werden. Aber auch Köhlers IMF-Expertise wird benötigt, um Chinas Währung im internationalen Währungssystem besser einzugliedern. Darüber hinaus sind auch Köhlers Verbindungen zur Weltbank von Wichtigkeit: diese Organisation verwaltet internationale Entwicklungs- und Investitionsvorhaben, und sie schlichtet die Streitigkeiten, die aus diesen Tätigkeiten heraus entstehen mögen. Köhler ist ein kluger Mann mit viel Wissen und Fingerspitzengefühl; und er wird von den Entscheidern immer am rechten Ort zur Rechten Zeit eingesetzt. Der Vertrag von Maastricht ist nur eines seiner vielen Glanzstücke. Sollten wir im Lichte dieser Tatsachen wirklich an einen gebrochen Horst Köhler glauben, der sich beleidigt zurückzieht? Entscheiden sie selbst.
In der Praxis sieht es nun so aus, das es wohl im Nachgang der Chinesisch-Amerikanischen Strategiegespräche schnell klar wurde, dass Köhler an diesen oben genannten Baustellen dringender gebraucht wird. Und er wurde kurzerhand von den Entscheidern der internationalen Finanzwelt vom Amt des Bundespräsidenten abberufen, um diesen kurzfristig entstandenen Prozessen vorrangig dienen zu können. So einfach ist das. Es ist wenig wahrscheinlich, dass Köhler in Peking oder Washington als direkter Mitarbeiter tätig sein wird. Vielmehr ist zu erwarten, dass er erneut in einer der internationalen Finanzinstitute abtaucht, um von dort aus das neue China in den Prozess der Globalisierung einzubetten. Alles nur Vermutungen? Nun, warten wir die salamitaktische Berichterstattung der Systempresse ab.
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