Tuesday, 26. July 2016
10.02.2016
 
 

»Heuschrecken« im Pentagon: Die Revolution der Mikrodrohnen

Andreas von Rétyi

In letzter Zeit war wieder mehr von CICADA zu hören. Dieses Pentagon-Projekt setzt auf Schwärme von Mikrodrohnen. Das sind vielseitige und widerstandsfähige Winzlinge, die allerdings schnell auch zur Plage werden können. Die Technologie unbemannter Luftfahrzeuge wird auffallend intensiv vorangetrieben. Ein leistungsfähiger neuer Chip verspricht sogar ein miniaturisiertes neuronales Netz. Im Klartext: »intelligente« Minihirne für wendige Drohnen, die in Zukunft alles selbst entscheiden sollen.

 

Schon seit einiger Zeit geistern Berichte über CICADA herum. Manche werden dabei zuerst an Cicada 3301 denken, jene geheimnisvolle, weil bisher unidentifizierte Organisation, die seit einigen Jahren schon hochkomplexe Rätsel im Internet publiziert. Sie steht unter anderem im Verdacht einer geheimdienstlichen Rekrutierungsaktion.

 

Doch die Grillen zirpen auch im Pentagon – hier verbirgt sich hinter ihnen das Close-In Covert Autonomous Disposable Aircraft, CICADA eben. Wie die ausgeschriebene Form des Namens

schon sagt: Es handelt sich um ein »Nahbereichsfluggerät«, eine Minidrohne, die verdeckt und autonom agiert. Nach Abschluss der Mission wird sie nicht wieder eingesetzt.

 

Der Plan ist schon länger bekannt und umfasst gleich ganze Schwärme der robotischen Akteure. Jeder von ihnen passt auf die Fläche einer Hand. Die Technologie ist spottbillig. Schon der Prototyp kostete nur rund 1000 Dollar.

 

Doch es geht noch viel preiswerter. Aaron D. Kahn arbeitet als Luft- und Raumfahrtingenieur des für die Entwicklung der Drohnen zuständigen US-Marinelabors (National Research Labortory, NRL). Er zeigt sich sehr zuversichtlich, dass sich die Kosten wohl auf etwa 250 Dollar pro Einheit drücken lassen.

 

Der Name CICADA ist Programm. Tatsächlich kam die Inspiration von der Zikade, die jahrelang im Untergrund verbringt, um dann in großen Schwärmen zu erscheinen, sich zu vermehren und schließlich tot zu Boden zu fallen. Das erinnert an die biblische Heuschreckeninvasion als eine der schrecklichen Plagen Ägyptens.

 

Gewiss, aus biologischer Sicht hinkt der Vergleich. Zikaden sind nun einmal keine Heuschrecken. Aber aus militärischer Sicht läuft es ziemlich genau auf den gleichen Effekt hinaus. Die Mikrodrohnen können gleichfalls wie eine Plage über das Land kommen. Die Menge machtʼs auch hier. Und so freut sich nicht zuletzt Kahn über die kleinen Biester. »Wir werden so viele rauslassen, für den Feind wird es nicht möglich sein, sie alle einzufangen.«

 

Schon vor drei Jahren fanden CICADA-Versuche in Yuma im US-Bundesstaat Arizona statt. Damals wurden sie aus einer Höhe von 17 500 Metern abgeworfen. Die ungewöhnlichen Miniatursegler lassen sich darauf programmieren, per GPS einen Kurs einzuhalten und in Richtung des jeweils vorgegebenen Ziels zu gleiten.

 

Dazu benötigen sie nicht einmal einen Motor. Alles in allem bestehen sie aus lediglich zehn Einzelteilen, was sie so kostengünstig werden lässt. Der Praxistest erwies ihre Effektivität: Bei einer Ausgangshöhe von 17 Kilometern liegt die Genauigkeit bei rund 4,5 Metern innerhalb des anvisierten Landeplatzes, dem sie sich geräuschlos nähern.

 

Dabei erreichen sie Geschwindigkeiten von etwa 75 Kilometern pro Stunde. Das System wurde auch auf dem Department of Defense Lab Day vorgestellt, der am 14. Mai 2015 auf dem Pentagon-Gelände in Washington stattfand. Gerühmt wird vor allem, dass CICADA-Drohnen nach ihrem Abwurf, beispielsweise von Bord einer C-130-Frachtmaschine, kaum noch entdeckt oder verfolgt werden können.

 

Daniel Edwards, Luftfahrtingenieur am NRL, streicht weitere Vorteile genüsslich heraus: »Das schaut aus wie ein Vogel, der abwärts fliegt … Aber sie sind sehr schwer zu sehen. Es sind robotische Brieftauben. Man sagt ihnen, wohin sie fliegen sollen und dann werden sie das tun.« Diese Roboter-Tauben können sogar mit leichten Nutzlasten versehen werden, genau wie ihre lebendigen Vorbilder.

 

US-Militär und -Regierung erwarten einiges von den künstlichen Zikaden. So sollen sie den Charakter von Terrorabwehr und Kriegführung künftig merklich ändern, ebenso die Exekutive unterstützen sowie auch eine Überwachung im großen Stil ermöglichen. Außerdem könnten sie sogar kleinere Mengen an Explosivstoffen transportieren. Was alles noch?

 

Jene im vergangenen Mai veranstaltete Präsentation des US-Verteidigungsministeriums habe unter anderem dazu gedient, die Komplexität und Vielfalt der unterschiedlichsten Pentagon-Laboratorien vorzustellen. In den über 60 Forschungsstätten arbeiten immerhin 38 000 Wissenschaftler und Ingenieure. Hervorgehoben wird selbstverständlich in alter Regelmäßigkeit die Bedeutung für Katastrophenschutz, humanitäre Einsätze und permanente Anstrengungen zur Friedenssicherung.

 

Genau dazu sollen auch die unbemannten Fluggeräte dienen, so zumindest lassen die einschlägigen Stellen verlauten. Sie versichern außerdem: Individuell ausgestattet mit den unterschiedlichsten Leichtbausensoren, winzigen Kameras und Mikrofonen, könnten die Mikrodrohnen sogar wesentlich dazu beitragen, Menschenleben zu retten. Höchst seltsamerweise wirkt das ganze Konzept dennoch weit mehr nach handfester Spionage und waschechter Überwachung.

 

Gerade in Gestalt eines mächtigen Schwarmes liefern diese winzigen Drohnen eine mächtige Überwachungswaffe mit Tausenden von Augen und Ohren. Von einem Moment auf den anderen könnte in beliebigen Regionen vorübergehend ein riesiger Horchposten entstehen. Über weite Gebiete hinweg ließe sich damit nicht nur feindliche Aktivität detailliert verfolgen. Das System würde in jedem Fall das bereits vorhandene, wahrlich nicht unerhebliche Überwachungspotenzial deutlich erweitern.

 

Per Mikrofon und Seismometer könnten die Drohnen auch Fahrzeuge auf den Straßen beobachten und eine potenzielle Satellitenerkundung ersetzen oder ergänzen. Die Sensoren würden beispielsweise unmittelbar genaue Informationen darüber liefern, wie schnell sich ein bestimmter Lkw bewegt und wohin er fährt. Daniel Edwards betont auch die enorme Widerstandsfähigkeit der CICADA-Drohnen: »Sie sind durch Baumkronen geflogen. Sie haben Asphaltstraßen getroffen. Sie sind auf Schotter aufgeprallt. Sie hatten Sand in ihrem Inneren. Das Einzige, was sie nach unseren Erkenntnissen tötet, sind Wüstensträucher.«

 

Das Pentagon arbeitet fieberhaft an den verschiedensten Neuerungen auf dem Drohnensektor. Kürzlich stellte die oberste Pentagon-Technologieschmiede DARPA den vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelten Eyeriss-Chip vor, der gehirnähnliche künstliche Intelligenz verspricht. Durch miniaturisierte neuronale Netze.

 

Der Chip sei dem menschlichen Gehirn nachempfunden. Was da sehr energiesparend werkelt, ist ein handlicher Prozessor mit dennoch 168 Kernen – bei typischen Smartphones sind es lediglich vier davon.

 

Die DARPA hat die neue Entwicklung mitfinanziert. Und wenn es nach dem Pentagon geht, soll Eyeriss als AI-»Denkorgan« im Inneren von Drohnen und anderen autonomen Maschinen möglichst bald seinen Weg auf die modernen Schlachtfelder dieses Planeten finden. Er soll Soldaten unter anderem bei der Identifikation der Angriffsziele wesentlich unterstützen. Der Roboterkrieg steht also gleichsam vor der Türe, was allerdings den Menschen nie außen vor halten wird, sondern ihn nur noch zunehmend gefährdet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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