Komet Elenin, über den ich bereits kürzlich ausführlicher berichtet habe, nähert sich weiter seinem sonnennächsten Punkt, doch die neuesten Aufnahmen zeigen, dass sich das Aussehen dieses Objekts deutlich geändert hat: Die seinen Kern umhüllende Koma verlängert sich zusehends und wird diffuser. Das könnte ein Anzeichen dafür sein, dass sich der Kern geteilt hat oder sich sogar in völliger Auflösung befindet. Was in der nächsten Zeit wirklich geschehen wird, weiß niemand. Sicher ist nur, dass Elenin für uns nicht gefährlich wird, egal ob er nun zerfällt oder nicht. Weder seine geringe Schwerkraft noch sein schwaches Magnetfeld lassen ihn zu einer Bedrohung für uns
Erdbewohner werden, und von einer Kollision kann auch nicht die Rede sein, hält er sich doch im erdnächsten Punkt noch auf 34 Millionen Kilometer Distanz zu uns. In allem, was bisher messbar ist, fällt der Komet durch nichts gegenüber seinen kosmischen »Kollegen« auf. Er ist ein relativ unscheinbarer kleiner Körper, bestehend aus einem lockeren Konglomerat aus Staub und Eis. Natürlich zeigen Kometen individuelle Abweichungen, was ihren Aufbau, ihre Form, ihre Gas- und Staubproduktion und ihre innere Festigkeit angeht. Daher kann niemand, vor allem bei einem »jungen«, erstmals ins innere Sonnensystem eindringenden Kometen, sagen, wie aktiv er sein wird, was auch seine Beobachtbarkeit mitbestimmt, und ob er eine Sonnenannäherung unbeschadet überdauert.
Kürzlich aufgezeichnete Bilder der STEREO-Sonnensonden zeigen allerdings einen interessanten Vorgang, der sich auch auf Elenin auswirkte: Am 19. August entstand auf unserem wieder aktiveren Stern ein kräftiger Sonnenflare und produzierte dabei einen koronalen Massenauswurf. Diese Plasmawolke raste auf Elenin zu und erfasste die elektrisch geladenen Teilchen seines Schweifes und seiner Koma, der ihn umgebenden Gas- und Staubhülle. Das Wechselspiel war deutlich zu sehen. Plötzlich entstanden neue Details im Schweif, der sich im Sonnensturm verdrillte. Der Komet leuchtete auf, um anschließend deutlich an Helligkeit zu verlieren. Ob dieser Vorgang für Elenins Zukunft wirklich Folgen hat, lässt sich kaum beantworten. Manche interpretieren den Helligkeitsverlust als Zeichen für eine bevorstehende Disintegration, doch häufig ist eher das Gegenteil der Fall – das Auseinanderbrechen geht mit einer erhöhten Staub- und Gasproduktion einher, das Objekt wird heller. Schließlich findet beim Zerfall auch eine Vergrößerung der aktiven Oberfläche statt.
Einige Kometen bestehen aus Komponenten mit unterschiedlichen Eigenschaften, scheinen also aus mehreren Einzelteilen aufgebaut zu sein. Auffallend war beispielsweise beim Kometen Shoemaker-Levy 9, der 1994 in den Jupiter stürzte, dass einige der zuvor lichtschwächeren Fragmente besonders große Impakt-Plumes erzeugten – riesige düstere Wolken in der Jupiteratmosphäre. Andere Fragmente, die hell leuchteten und besonders groß zu sein schienen, brachten ihrerseits nur recht bescheidene Explosionen zustande. Offenbar besaßen sie lediglich eine hohe Gas-Staub-Produktion, waren also anders komponiert, und wirkten daher größer als sie wirklich waren. Da ihre Masse teils aber geringer war als die von unauffälligeren Fragmenten, lösten sie beim Aufprall auf die Atmosphäre auch weniger spektakuläre Plumes aus.
Dass Elenin nach der Begegnung mit CME 0036, der koronalen Massenejektion vom 19. August, schließlich an Helligkeit einbüsste, kann auch damit zusammenhängen, dass die heranstürmende Teilchenwelle ihm sein aufgeplustertes, luftiges Gewand wegriss und ihn gleichsam in Unterwäsche dastehen ließ. Sprich: Die Partikelfront riss ihm die Koma weg, die sich nun erst wieder durch nachströmendes Oberflächenmaterial neu bilden muss. Nur die Zeit kann zeigen, wie sich Elenin weiterentwickelt. Die elongierte Form seiner innersten Koma um den selbst ja nicht sichtbaren Kern könnte allerdings darauf hindeuten, dass er tatsächlich auseinanderbricht.
Keine Seltenheit bei Kometen. Das war nicht nur bei historischen Schweifsternen immer wieder der Fall, sondern wurde beispielsweise in den Jahren 2001 bis 2006 bei Schwassmann-Wachmann 3 (SW-3) ebenso verfolgt – jenem gerne abgekürzt als »Schwachmann« bezeichneten Kometen, der über die Jahre hinweg in immer mehr Brocken zerfiel. Auch Linear S4 löste sich im Jahr 2000 in Einzelteile auf. Erst vor wenigen Wochen konnte auch beim Kometen 213P Van Ness eine Fragmentierung beobachtet werden.
Wenn aber Komet Elenin nun gleichfalls zerbröselt, dann geht von seinen Bruchstücken glücklicherweise keine Gefahr aus. Die Auflösung ist ein vergleichsweise sanfter Vorgang, und die einzelnen Bruchstücke bewegen sich weiterhin auf der ursprünglichen Bahn. Damit werden sie auch der Erde nicht in die Quere geraten. Elenins Besuch im inneren Sonnensystem dürfte also vor allem für ihn selbst katastrophal enden ...
Interesse an mehr Hintergrundinformationen?
Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!
Lesen Sie weitere brisante Informationen im neuen KOPP Exklusiv. KOPP Exklusiv wird grundsätzlich nicht an die Presse verschickt und dient ausschließlich zu Ihrer persönlichen Information. Jede Ausgabe ist gründlich recherchiert, im Klartext geschrieben und setzt Maßstäbe für einen kritischen Informationsdienst, der nur unter ausgewählten Lesern zirkuliert und nur im Abonnement zu beziehen ist.
In der aktuellen Ausgabe finden sie unabhängige Hintergrundinformationen unter anderem zu folgenden Themen:
- Türkei: Regierung unterrichtet NATO über Kriegsvorbereitungen
- Deutschland im Goldrausch
- Mythos Fachkräftemangel: die neue Inländerdiskriminierung
- Skrupellos: Politiker suchen den Profit

Das alles und viele weitere Kurzberichte im neuen KOPP Exklusiv, fordern Sie noch heute Ihr Probeabonnement an!
© 2011 Das Copyright dieser Seite liegt, wenn nicht anders vermerkt, beim Kopp Verlag, Rottenburg
Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Meinung des Verlags oder die Meinung anderer Autoren dieser Seiten wiedergeben.