Thursday, 17. May 2012
09.06.2010
 

Das ungewöhnliche Bilderberger-Treffen vom Juni 2010. Macht-Elite in der Klemme?

Andreas von Rétyi

Die »Hohepriester der Macht und Globalisierung« haben vor wenigen Tagen ihr aktuelles Jahrestreffen abgehalten, diesmal im Dolce-Hotel, Sitges, Spanien. Ein tolles Luxushotel, Sonne und Meer, Sicherheitskräfte, Machtpolitik hinter Mauern des Schweigens. Also alles wie gehabt? Nein, keineswegs. Denn bei den Bilderbergern lief diesmal doch so einiges anders, die jahrelange beharrliche Berichterstattung alternativer Medien und einzelner investigativer Journalisten hat die Öffentlichkeit bereits deutlich wach gerüttelt. Das macht sich jetzt bemerkbar! Und das spüren zunehmend auch die Bilderberger selbst! Es tut sich was!

Anfang dieses Monats war es wieder soweit – die machtvolle Bilderberg-Gruppe traf sich hinter verschlossenen Türen, bestens bewacht und unter größter Geheimhaltung, um weiter über ihren enormen Weltenplan zu beraten. Wie im Vorjahr und wie überhaupt so oft, traf man sich erneut in einem schönen Urlaubsort am Meer, wählte ein modernes Luxushotel, das sich bestens abschotten lässt und zog sich dort für einige Tage in die absolute Verschwiegenheit zurück.

»Man«, das sind die mächtigsten Menschen dieser Erde, die jene jährlichen Treffen angeblich nur deshalb frequentieren, um sich privat austauschen zu können, ohne dabei jegliche aktive politische Entscheidungen zu fällen. Wer’s heute noch glaubt, der werde selig! Allein die Tatsache, dass Vertreter der obersten »Elite« dieses Planeten in ihrem ohnehin knüppelvollen Terminkalender mehrere Tage hintereinander für eine solche Versammlung einplanen, zeugt von deren immenser Bedeutung – so viel kostbare Zeit für ein harmloses Kaffeekränzchen?

Gegenüber früheren Jahren haben es die Teilnehmer der Bilderberger-Konferenz allerdings nun längst nicht mehr so leicht mit dem Versteckspiel. Das fiel besonders bei diesem Treffen ganz deutlich auf. Die Öffentlichkeit ist aufmerksam geworden, die Bilderberger geraten sichtlich unter Druck. Diesmal beschwerten sich sogar einige Teilnehmer über die stark gestiegene Publizität des Treffens. Einige wagten es aus diesem Grund offenbar nicht einmal, der Konferenz beizuwohnen. Die alternativen Medien und vermeintlichen »Verschwörungstheoretiker« haben also bereits so einiges bewirkt und die weitreichenden, gefährlichen Ziele der angeblich so harmlosen Gruppe enthüllt. Vieles, was die »seriösen Medien« als lachhaft und konspirativ abwiegelten, ist mittlerweile mit messerscharfer Präzision eingetreten, und die Welt außerhalb der Elitisten beginnt genau dies wahrzunehmen. Auf dem gegenwärtigen Bilderberger-Treffen waren nicht nur die alternativen Berichterstatter besonders zahlreich zugegen, sondern in auffallender Weise nun auch einige etablierte Medien – ein absolutes Novum, ähnlich wie übrigens auch manche Verhaltenweisen der Sicherheitskräfte. Natürlich gab es genügend von ihnen, das Hotel wurde in üblicher Manier und aus sämtlichen Blickwinkeln vom Wasser, vom Land und aus der Luft überwacht. Dabei ging auch die Angst vor einer ganz besonderen Waffe namens Kamera um. Mit entsprechenden Teleoptiken ausgerüstete Journalisten taten gut daran, ausreichend Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und sich sowie ihre Fotokanonen möglichst gut zu tarnen. Denn Sicherheitsdienste und Polizeikräfte waren darauf abgestellt, kompromittierende Bilderberger-Bilder möglichst zu unterbinden.

Interessanterweise zeigten sich allerdings einige Polizisten durchaus verständnisvoll gegenüber den Störenfrieden. Da war sogar ab und an Lob für die unerschütterlichen Aktivisten zu hören – »Leute, was ihr macht, gefällt mir, mach’ nur deine Bilder!«, »Ihr leistet gute Arbeit, ich mag die Typen da auch nicht!«, solche und ähnliche Bemerkungen fielen hier.

Ja, es tut sich wirklich etwas! Von den etablierten Medien zeigten sich vor Ort Vertreter von The Guardian, Russia Today, USD France, T5 Spanish TV, Antena 3 TV, Spanish TV, CNN+ in Spanisch, TVE National Broadcasting und viele andere. Langsam, aber sicher müssen sie eben auch nachziehen, da bleibt nichts übrig. Verschwörungstheorie hin, Verschwörungspraxis her!

Die Bilderberger ihrerseits versuchen zu reagieren und heucheln Transparenz. So gibt es jetzt eine Internetpräsenz, die als offizielle Seite der Bilderberger-Organisation gedeutet werden darf. Dies unterstreicht auch eine interne Mitteilung, die mein Kollege Gerhard Wisnewski an mich weiterleitete. Die Website legt neben einem eher typischen historischen Rückblick auch die aktuelle Agenda von 2010 dar und präsentiert eine endgültige Teilnehmerliste. Zu finden ist das Ganze unter www.bilderbergmeetings.org.

Allzu viel erwarten dürfen wir von den dort vermittelten Informationen allerdings nicht. Eher geht es darum, sich reinzuwaschen als aufzuklären. Wäre ja auch noch schöner! Die auf der entsprechenden Website präsentierte Agenda des 58. Bilderberg-Treffens von Sitges, Spanien, nennt als Themenkanon hauptsächlich die »Finanzielle Reform«, »Sicherheit«, »Cyber-Technologie«, »Energie», »Pakistan«, »Afghanistan«, das »Weltnahrungsproblem«, »soziale Netzwerke«, »medizinische Wissenschaften«, »EU-US-Verbindungen« und – jetzt aufgepasst – die »globale Abkühlung«! Man hat sich nun also offenbar des Gegenteils besonnen, nachdem die Sache mit dem Klima und dem Kohlendioxid nicht so ganz aufgegangen ist.

Es darf teils also gelacht – oder manchmal eher geweint werden! Das trifft auch für die Bilderberger selbst zu, die teils deutliche Ängste zu einem Kontrollverlust hinsichtlich des Euro äußerten und auch Sorge haben, die öffentlichen Proteste gegen ihre Gruppe könnten sich ausweiten.

Bilderberger-Experte Jim Tucker erklärte, die Globalisierer wollten durch einen US-Angriff auf den Iran nun auch von anderen Problemen und Schwächen ablenken und sich natürlich Kriegsprofite sichern. Einige Vertreter aus Europa hielten einen solchen Angriff für keine sonderlich gute Idee; auch in der Gruppe herrscht keineswegs Einigkeit.

Aus Deutschland waren in diesem Jahr übrigens anwesend: der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, Airbus-Unternehmensleiter Thomas Enders, Siemens-Manager Peter Löscher, der stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD, Olaf Scholz, sowie der Vorstandvorsitzende der Daimler AG, Dieter Zetsche. Interessant auch, dass Mercedes-Benz gleichzeitig mit einer Fahrzeug-Präsentation in Sitges zugegen war.

Neben »Dauer-Bilderbergern« wie Henry Kissinger und Königin Beatrix der Niederlande nahmen zahlreiche weitere Größen aus Politik und Wirtschaft teil, während David Rockefeller überraschenderweise nicht erschien. Exponiert diesmal Bill Gates, Microsoft-Chef, der mit seinem ganz besonders humanen Programm aufwarte, unsere Welt zu retten. Laut interner Quellen sprach er unter anderem über Bevölkerungskontrolle mittels Impfstoffen und Sterilisierung durch Ultraschall. Übrigens war man, wie Daniel Estulin betont, bei Bilderberg diesmal so »offen«, vorab erstmals keine Teilnehmerliste zu präsentieren.

Es ist interessant, wie die Öffentlichkeit auf der neuen Bilderberg-Infoseite wiederum in die Irre geführt werden soll. Ein beredtes Beispiel hierfür ist auch der Hinweis darauf, dass die einzige Aktivität der Gruppe in jener jährlichen Konferenz bestehe! Es gäbe da keinerlei Resolutionsvorschläge, keine politischen Aussagen und Entscheidungen. Beinahe schon unfassbar! Tatsächlich bestätigt die Geschichte die zahlreichen politischen Entscheidungen auf »Bilderberg-Basis«, zudem finden zwischen den großen Konferenzen wiederholte Treffen der federführenden Kerngruppe statt, jenes alles entscheidenden, personell sehr konstanten Steuerkomitees, zu dem beispielsweise auch Herman van Rompuy zitiert wurde, kurz vor seiner »Wahl« zum ersten ständigen Präsidenten des Europäischen Rates! Ein Bilderbuch-Beispiel für die politische »Inaktivität« der Bilderberger! Doch langsam hebt sich der Mantel des Schweigens – denn wissen wir nicht alle, wie die Dinge laufen? Hören wir da nicht auch jemanden raunen: »Und sie bewegt sich doch!«

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